13.08.2018 – zuletzt aktualisiert am: 08.12.2021

Schlüsseldienst-Abzocke: Richtig handeln und sich schützen

Aus der Wohnung ausgesperrt? Beim Rausgehen die Tür zugezogen und der Schlüssel liegt noch drin: Sich aus der eigenen Wohnung auszusperren, geht manchmal schneller als gedacht. Wenn kein Ersatzschlüssel in der Nähe ist, hilft nur noch der Schlüsseldienst. Aber was darf ein Schlüsselnotdienst kosten? Schon oft genug gab es Nachrichten über Schlüsseldienste, die hohe Preise auf ihre Rechnungen schreiben. Doch was tun? dieser Artikel erläutert, wie im Fall der Fälle ein Schlüsseldienst sorgenfrei gerufen werden kann und welche Preise angemessen sind. Außerdem wissenswert: Wie erkennt man einen seriösen Schlüsseldienst und wie kann man sich vor einer Schlüsseldienst-Abzocke schützen?

Achtung vor der Schlüsseldienst-Abzocke

Meist muss bei einem Notfall alles schnell gehen. Das nutzen viele Schlüsseldienst-Anbieter auch mal schamlos aus und schon wird der Schlüsseldienst zur Abzocke. Statt eines fairen Preises für das Türöffnen, werden überzogene Sonn- und Feiertagszuschläge erhoben, der Einsatz von aufwendigem Spezialwerkzeug behauptet, völlig überteuertes Material und lange Anfahrten berechnet. Zusätzlich wird an Ort und Stelle eine Rechnung ausgestellt und um sofortige Barzahlung gebeten.

Hat man kein Geld dabei oder will man nicht sofort bezahlen, werden die Türöffner schnell ungehalten und drohen mit allerlei unangenehmen Konsequenzen. Viele verschüchterte Kunden unterschreiben oder zahlen deshalb die teils horrenden Forderungen. Auch kommt es vor, dass im Nachhinein weitere Posten auf die Rechnung kommen und Nachforderungen gestellt werden.

Was kostet ein Schlüsseldienst?

Ein seriöser Schlüsseldienst berechnet in der Regel für das Öffnen einer zugefallenen Tür inklusive Anfahrt zwischen 60 und 150 Euro, abhängig vom Anfahrtsweg, Arbeitsaufwand und Materialkosten – beispielsweise aufgrund eines neuen Schließzylinders.

Was kostet ein Schlüsselnotdienst am Wochenende?

Zwar gibt es am Wochenende sowie nachts Zusatzkosten, dennoch sollten auch dann für einen Schlüsselnotdienst nicht mehr als 250 Euro anfallen.

Schlüsseldienst-Abzocke: Wie vermeiden?

Falls eine Rechnung über einen höheren dreistelligen oder gar vierstelligen Betrag ausgestellt wird, handelt es sich um einen unseriösen Dienstleister. So lässt sich eine derartige  Schlüsseldienst-Abzocke vermeiden:

Schlüsseldienste in der Nähe anrufen

Um eine hohe Anfahrtspauschale zu vermeiden, lohnt es sich im ersten Schritt einen ortsansässigen Schlüsseldienst zu rufen, vorher die Preise zu vergleichen und nochmal explizit zu erfragen, woher der Monteur kommen wird. Manche Betreiber behaupten Monteure in der Nähe zu haben und schicken Leute teils aus mehreren hundert Kilometern Entfernung los. Anbieter, deren Name mit „AAA“ anfangen, sind mit Vorsicht zu genießen. Auch 0800er oder 0900er Nummern sollten gemieden werden, da bei diesen Schlüsseldiensten ein Betrug nicht auszuschließen ist. Bei Unsicherheiten ist es möglich im Impressum des Schlüsseldienstes den Standort auszumachen.

Schlüsseldienst zum Festpreis verlangen

Bei der Bestellung am Telefon ist es möglich und empfehlenswert einen verbindlichen Festpreis zu verlangen. Lässt sich der Anbieter darauf nicht ein, ist es besser direkt beim nächsten anzurufen. Auch so ist es sinnvoll mehrere Schlüsseldienste zu kontaktieren und Preise zu vergleichen.

Kann ich den Schlüsseldienst auf Rechnung bezahlen?

Ein seriöser Schlüsseldienst stellt eine detaillierte Rechnung aus und akzeptiert eine anschließende Zahlung per Überweisung. Wer an der Tür eingeschüchtert wird und einen Monteur vor sich hat, der mit unangenehmen Konsequenzen droht, hat es vermutlich mit einer Abzocke durch den Schlüsseldienst zu tun.

Wichtig: Bearbeitungs- oder Buchungsgebühren sind unzulässig und niemand ist verpflichtet, vor Ort zu bezahlen. Falls der Monteur Druck ausübt, kann die Polizei hinzugezogen und Anzeige erstattet werden.

Nur einen Monteur rufen

Tritt der Schlüsseldienst mit zwei Monteuren an, darf die doppelte Arbeitskraft ausdrücklich abgelehnt werden. Es besteht keine Verpflichtung zwei Arbeitskräfte zu bezahlen, noch ist dies für das Öffnen einer Türe notwendig.

Auf Sofortzuschläge achten

Zwar ist es üblich an Sonn- und Feiertagen sowie nach Feierabend Zuschläge zu erheben, doch dürfen diese keinesfalls das Doppelte oder ein Vielfaches des regulären Preises ausmachen. Nach einem Urteil des Amtsgerichts Frankfurt/Main ist auch das Berechnen von "Sofortzuschlägen", "Bereitstellungszuschlägen" und "Spezialwerkzeugkosten" verboten. Diese Zuschläge sind reine Phantasiekosten und unter keinen Umständen zu dulden.

Türen ohne Gewalt öffnen lassen

Meist lassen sich Türen ohne große Gewalteinwirkung öffnen. Das Aufbohren und Auswechseln des Schlosses ist häufig nicht notwendig. Falls der Monteur das Schloss aufbohren möchte, sollte das einen plausiblen Grund haben. Leuchtet der Grund nicht ein, ist es ratsam auf weitere Leistungen zu verzichten.

Ein Privatrechtsschutz inkl. Rechtsschutz im Vertrags- und Sachenrecht deckt entstandene Schäden durch den Schlüsseldienst ab, ebenso die überhöhten Kosten. Ermittlungskosten zur Feststellung des Schädigers sind allerdings nicht Gegenstand der Rechtsschutzversicherung.

Unser Tipp: Privatrechtsschutz

Mit einem Privatrechtsschutz der DEURAG sind Sie immer auf der sicheren Seite, denn im Streitfall haben Sie einen kompetenten und zuverlässigen Rechtsschutzpartner an Ihrer Seite.

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Schlüsseldienst zu viel bezahlt: Was tun?

Was passiert, wenn die Abzocke des Schlüsseldienstes funktioniert hat, der Schlüsseldienst zu teuer war und die überzogene Rechnung unter Druck bezahlt wurde?

Oft wird erst hinterher realisiert, dass der Monteur betrogen hat und die Rechnung reine Abzocke war. Hier lässt sich relativ leicht eine Rückforderung stellen: Musterschreiben gibt es meist bei der örtlichen Verbraucherzentrale. Tatsächlich können bereits gezahlte Leistungen nachträglich angefochten werden, selbst wenn vor Ort ein Einverständnis gegeben und die Rechnung unterschrieben wurde.

Sich aus der Wohnung ausgesperrt zu haben und vor der verschlossenen Wohnungstür zu stehen ist eine Notlage, die ein Schlüsseldienst nicht ausnutzen darf, um Kunden überteuerte und unnötige Leistungen aufzuschwatzen. Dies fällt juristisch unter Ausbeutung einer Zwangslage, was besagt, dass die Leistung vom Kunden nicht gewollt war. Spätestens vor Gericht wird dann entschieden: Geld zurück!


Der eingestellte Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei ALEGOS Rechtsanwälte juristisch überprüft.