03.09.2020

Adoption in Deutschland – Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden?

Eine Adoption verändert das Leben von Adoptiveltern und Adoptivkindern – nachhaltig und grundlegend. Um dieser Bedeutung gerecht zu werden, hat der Gesetzgeber zahlreiche Vorschriften erlassen, welche den Ablauf des Verfahrens regeln. Wie die aktuelle Rechtslage aussieht, welche Voraussetzungen für eine Adoption gegeben sein müssen und welche Adoptionsformen es gibt, klärt dieser Artikel.

Kind adoptieren: Die aktuelle Rechtslage

Das deutsche Adoptionsrecht findet sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (kurz: BGB). Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen der Adoption von Kindern (§§ 1741 – 1766 BGB) und der Adoption von Volljährigen (§§ 1767 – 1772 BGB). Ergänzend dazu ist seit 1976 das Adoptionsvermittlungsgesetz (kurz: AdVermiG) in Kraft, das zahlreiche Details zur Adoptionsvermittlung und zum Adoptionsverfahren regelt.

Grundsätzlich gilt: Ein minderjähriges Adoptivkind ist einem leiblichen Kind gleichgestellt. Ihm obliegen sämtliche Rechte und Pflichten, die auch ein leibliches Kind innehat. Gleichzeitig besteht nach einer Adoption keine verwandtschaftliche Beziehung mehr zur leiblichen Familie. Eine Ausnahme bildet die Stiefkindadoption, bei der das Verwandtschaftsverhältnis nur zu einem leiblichen Elternteil aufgegeben wird.

Adoption in Deutschland: Formen der Adoption

Fremdadoption

Die Fremdadoption bezeichnet die Adoption eines vorher nicht bekannten Kindes, das von einer Adoptionsvermittlungsstelle vorschlagen und als geeignet beurteilt wurde. Das kann entweder ein Kind aus dem In- oder Ausland sein.

Stiefkindadoption

Hat der Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner bereits ein Kind aus einer vorherigen Beziehung und möchte der aktuelle Partner dieses Kind mit allen Rechten und Pflichten adoptieren, kann eine Stiefkindadoption beantragt werden. Für deren Wirksamkeit müssen beide leiblichen Elternteile des Kindes der Adoption zustimmen.

Verwandtenadoption

Wenn Verwandte sterben oder aus einem anderem Grund nicht in der Lage sind, für ihr Kind zu sorgen, kann das Kind von anderen Familienmitgliedern adoptiert werden. Dieser Vorgang wird als Verwandtenadoption bezeichnet und erfordert die Einwilligung beider Elternteile – sofern diese noch leben.

Internationale Adoption

Bei einer internationalen Adoption wird ein Kind, das seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland hat, adoptiert. Das Verfahren muss von einer behördlich zugelassenen Auslandsadoptionsvermittlungsstelle durchgeführt werden, das den zukünftigen Eltern Kindervorschläge unterbreitet und die Eignung der Bewerber mithilfe eines psychologischen Gespräches überprüft. Anschließend verfasst ein Sachbearbeiter des Jugendamts einen Sozialbericht, um die Eignung der Bewerber erneut zu verifizieren.

Im Gegensatz zu einer Adoption im Inland ist die internationale Adoption mit Kosten verbunden. Die Gebühren für das Jugendamt, die Vermittlungsstelle sowie die Auslagen im Herkunftsland des Kindes (für Verwaltungs-, Gerichts- und Anwaltskosten) liegen bei ca. 15.000-20.000 Euro.

Erwachsenenadoption

Die Erwachsenenadoption bezeichnet eine Adoption, bei der ein Volljähriger einen anderen Volljährigen annimmt. Der Vorgang ist nur zulässig, wenn die Annahme sittlich gerechtfertigt ist, also zwischen beiden Volljährigen ein Eltern-Kind-Verhältnis besteht. Hinweis: Bei einer Erwachsenenadoption besteht für den Annehmenden ein Mindestalter von 25 Jahren.

Adoptionsverfahren: Voraussetzungen für eine Adoption

Mindest- und Höchstalter

Das Mindestalter für eine Adoption liegt gem. § 1743 BGB bei 25 Jahren. Nimmt ein Ehepaar ein Kind an, muss der jüngere Ehepartner mindestens 21 Jahre alt sein.

Ein gesetzliches Höchstalter existiert in Deutschland nicht, allerdings empfiehlt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter einen maximalen Altersabstand von 40 Jahren zwischen Annehmenden und Anzunehmenden.

Berufstätigkeit

Adoptionsbewerber haben ein schlüssiges Konzept zur Sicherung des Lebensunterhalts des Kindes vorzulegen. Jedoch achten Jugendämter verstärkt darauf, dass ein Elternteil seine Berufstätigkeit aufgibt oder zumindest einschränkt, sofern ein Kind unter 10 Jahren adoptiert werden soll.

Psychologische Eignung, Wohnverhältnisse und Gesundheit

Bewerber werden vom Jugendamt psychologisch überprüft. Das Jugendamt hinterfragt die partnerschaftliche Stabilität und den Erziehungsstil. Zusätzlich begutachtet ein Sachbearbeiter die Wohnverhältnisse auf ihre Kindestauglichkeit.

Die Vorlage eines Führungszeugnisses ist für alle Adoptionsbewerber vorgeschrieben, wobei für das Jugendamt nur Sexual- und Körperverletzungsdelikte von Interesse sind.

Zu guter Letzt muss ein Hausarzt die gesundheitliche Verfassung der Bewerber überprüfen. Lebensverkürzende und psychische Krankheiten sowie Suchterkrankungen sind ein Ausschlusskriterium.

Adoptionsrecht: Homosexuelle, Singles und unverheiratete Paare

Gemäß § 1741 Abs. 2 BGB können Nichtverheiratete ein Kind nur alleine adoptieren. Ein Ehepaar kann ein Kind nur gemeinsam annehmen.

Seit dem 1. Oktober 2017 sind verheiratete gleichgeschlechtliche Paare hinsichtlich ihrer Adoptionsrechte im Inland einem heterosexuellen Paar gleichgestellt. Zusätzlich müssen die deutschen Behörden laut der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs eine Adoption im Ausland anerkennen. Partner einer eingetragenen Lebensgemeinschaft dürfen gemeinsam die Vormundschaft für ein Pflegekind übernehmen. Bringt ein Partner ein leibliches Kind mit in die Partnerschaft, kann der andere dieses adoptieren, sofern der andere Elternteil des Kindes zustimmt oder das Familiengericht eine entsprechende Einwilligung erteilt.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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