23.01.2020

Auszeit nehmen – Was ist ein Sabbatical?

Eine Pause vom Job und das bei vollem Lohnbezug – ein Sabbatical macht es möglich. Viele Arbeitnehmer nutzen die berufliche Auszeit, um sich zu erholen, sich der Familie zu widmen oder um sich beruflich neu zu orientieren. Doch so verlockend die bezahlte berufliche Auszeit klingt – ein Sabbatjahr birgt auch Risiken. Was Arbeitnehmer bei den verschiedenen Sabbatical-Modellen beachten sollten, ob sie während dieser Zeit kündigen dürfen und was bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber zu tun ist, klärt dieser Artikel.

Definition: Was ist ein Sabbatjahr?

Bei einem Sabbatical handelt es sich um ein Arbeitszeitmodell, das Arbeitnehmern die Möglichkeit zu einer beruflichen Auszeit gibt, um nach dieser Zeit wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Die gesetzliche Grundlage für ein Sabbatjahr bildet das Teilzeit- und Befristungsgesetz (kurz: TzBfG), das eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit erlaubt. Gründe für ein Sabbatical können sein:

  • die berufliche Weiterbildung
  • das Überdenken der künftigen Arbeitsrichtung
  • eine längere Erholungsphase einzulegen
  • die Unterstützung sozialer Projekte
  • die Verwirklichung privater Projekte, bspw. den Bau eines Hauses

 

Ruhendes oder fortbestehendes Arbeitsverhältnis? Das sind die Unterschiede der Sabbatical-Modelle

Ein Sabbatical kann mithilfe verschiedener Modelle realisiert werden. Dabei ist zwischen einem ruhenden und einem fortbestehenden Arbeitsverhältnis zu unterscheiden.

Das ruhende Arbeitsverhältnis

Bei einem ruhenden Arbeitsverhältnis entfallen die sich aus dem Arbeitsvertrag ergebenden Hauptpflichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf unbestimmte Zeit. Das bedeutet: Der Arbeitnehmer muss nicht mehr zur Arbeit erscheinen, der Arbeitgeber ist im Gegenzug von seiner Lohnzahlungspflicht entbunden.

Arbeitnehmer, die sich für ein Sabbatical mit ruhendem Arbeitsverhältnis entscheiden, werden von ihrem Arbeitgeber für einen vorher vereinbarten Zeitraum unbezahlt freigestellt. Eine solche Auszeit ist unbegrenzt lange realisierbar, jedoch muss sich der Arbeitnehmer während des Sabbaticals selbst um seine Kranken- und Pflegeversicherung sowie Renten- und Arbeitslosenversicherung kümmern.

Das fortbestehende Arbeitsverhältnis

Im Gegensatz zum ruhenden Arbeitsverhältnis bleibt der Arbeitnehmer bei einem Sabbatjahr mit fortbestehendem Arbeitsverhältnis weiterhin versichert. Die gängigsten Modelle sind:

1. Das Sabbatical durch Lohnverzicht

Bei diesem Modell verzichtet der Mitarbeiter über einen bestimmten Zeitraum auf einen Teil seines Vollzeit-Gehalts und spart diesen an. Im Anschluss – also während des Sabbaticals – erhält er weiterhin seine anteiligen (angesparten) Bezüge. Vorteil: Das Arbeitsverhältnis bleibt bestehen und der Mitarbeiter ist weiterhin Kranken-, Pflege- und Rentenversichert.

2. Das Teilzeitmodell

Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren eine Teilzeitbeschäftigung – der Beschäftigte arbeitet jedoch für ein entsprechend niedriges Gehalt weiterhin in Vollzeit. Er spart auf diese Weise Gehalt an (Ansparphase), welches der Arbeitgeber mit Beginn der beruflichen Auszeit wieder auszahlt (Freistellungsphase). Auch bei diesem Modell ist der Arbeitnehmer weiterhin vollständig versichert.

3. Das Sabbatical dank Arbeitszeitguthaben

Der Mitarbeiter spart auf seinem Arbeitszeitkonto über mehrere Jahre hinweg Überstunden an (Ansparphase) und feiert diese im Anschluss auf einen Schlag ab. Wie lange das Sabbatjahr dauert, hängt von der Länge der Ansparphase sowie der Anzahl der Überstunden ab. Während seiner beruflichen Auszeit erhält der Arbeitnehmer seine vollen Bezüge, zudem ist er sozialversichert, da das Arbeitsverhältnis fortbesteht.

Können Arbeitnehmer während des Sabbatjahres gekündigt werden?

Ja, ein besonderer Kündigungsschutz während des Sabbaticals existiert nicht. Eine verhaltensbedingte, personenbedingte oder betriebsbedingte Kündigung ist auch während einer beruflichen Auszeit möglich.

Eine verhaltensbedingte Kündigung ist während eines Sabbatjahres jedoch unwahrscheinlich, da der Mitarbeiter im Betrieb nicht anwesend ist und somit auch nichts falsch machen kann. Ähnliches gilt für die betriebsbedingte Kündigung. Da ein Mitarbeiter während eines Sabbaticals kein Gehalt bezieht (oder dieses bereits im Vorwege angespart hat), entfällt die Einsparung einer Arbeitsstelle als Kündigungsgrund. Wird jedoch die Abteilung des Arbeitnehmers oder der gesamte Betrieb aufgelöst, ist eine betriebsbedingte Kündigung möglich.

Eine personenbedingte Kündigung erfolgt üblicherweise aus Krankheitsgründen. Erkrankt der Arbeitnehmer während seines Sabbatjahres, kann ihm gekündigt werden, sofern die Krankheit zu einer Arbeitsunfähigkeit führt und diese für den Arbeitgeber eine nachweisbare, ihm nicht zumutbare Belastung darstellt.

Gekündigt während des Sabbaticals: Was nun?

Arbeitnehmer, die während ihrer beruflichen Auszeit eine Kündigung erhalten, sollten zeitnah einen Rechtsbeistand zu Rate ziehen. Insbesondere ist auf die kurze materielle Ausschlussfrist von drei Wochen nach Zugang der Kündigung zu achten. Eine Berufs-Rechtsschutzversicherung hilft bei der Suche nach einem kompetenten Anwalt. Dieser überprüft, ob die Kündigung ausreichend begründet wurde und ob die Möglichkeit zu einer Kündigungsschutzklage besteht. Letztere verspricht vor allem dann Aussicht auf Erfolg, wenn der Sabbatical-Vertrag eine Vereinbarung zum Kündigungsschutz enthält, der dem Arbeitnehmer zusätzlich zum gesetzlichen Kündigungsschutz besondere Rechte einräumt.

Dürfen Arbeitnehmer während des Sabbaticals selbst kündigen?

Ja, auch während eines Sabbatjahres ist die Eigenkündigung durch den Arbeitnehmer möglich. Dies gilt jedoch nur, wenn im Sabbatical-Vertrag nichts Gegenteiliges vereinbart wurde. Eröffnen sich dem Arbeitnehmer während des Sabbaticals beispielsweise neue berufliche Perspektiven, kann er sein bisheriges Arbeitsverhältnis kündigen. Auch persönliche Gründe, wie ein Umzug oder eine Veränderung im privaten Umfeld, können für eine Eigenkündigung während der beruflichen Auszeit ausschlaggebend sein.

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Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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