02.03.2020

Auto abschleppen – Das müssen Sie beim Abschleppen beachten

Plötzlich streikt der Motor, das Auto verliert an Geschwindigkeit und kommt auf dem Standstreifen zum Stehen. Eine Autopanne ist nicht nur ärgerlich, sie kann unter Umständen auch gefährlich werden. Doch auch wenn es nicht zu einem Unfall kommt, stellt sich die Frage: Muss das Fahrzeug zwingend von einem Abschleppdienst in die Werkstatt transportiert werden? Wann das private Abschleppen gestattet ist, welche Grundregeln dabei zu beachten sind und welche Rolle die Art des Getriebes beim Abschleppvorgang spielt, klärt dieser Artikel.

Wann darf abgeschleppt werden?

Der § 15a der Straßenverkehrsordnung (StVO) regelt, wann ein Fahrzeug abgeschleppt werden darf. Demnach darf ein Auto nur im Notfall abgeschleppt werden. Als Notfälle gelten zum Beispiel:

  • Das Auto ist liegengeblieben und betriebsunfähig.
  • Das Auto hat einen Motorschaden.

 

Faustregel: Nur Fahrzeuge, die nicht vor Ort repariert werden können und zu einer Werkstatt überführt werden müssen, dürfen abgeschleppt werden. Ein platter Reifen oder ein leerer Tank rechtfertigen den Abschleppvorgang jedoch nicht. Wer sein bereits abgemeldetes Fahrzeug zur Verschrottung oder zu einem Verwerter transportieren möchte, muss dieses auf einen Anhänger verladen. Abzuschleppende Autos müssen zugelassen und versichert sein.

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Wer darf abschleppen? Wer darf das Pannenfahrzeug führen?

Gemäß § 6 Abs. 1 der Fahrerlaubnisverordnung darf jeder Verkehrsteilnehmer ein Auto abschleppen, sofern sein Fahrzeug dafür geeignet ist und er über eine entsprechende Fahrerlaubnis verfügt.

Der Fahrer des Pannenfahrzeugs hingegen benötigt keinen Führerschein, muss jedoch mindestens 15 Jahre alt sein. Zudem setzt der Gesetzgeber die körperliche und geistige Eignung voraus, das Pannenfahrzeug zu lenken, zu bremsen sowie den kompletten Wagen zu überblicken.

Über welche Distanz darf abgeschleppt werden

Eine konkrete Entfernung, über welche ein Pannenfahrzeug abgeschleppt werden darf, hat der Gesetzgeber nicht definiert. Grundsätzlich gilt: Ein liegengebliebenes Fahrzeug muss auf kürzestem Weg zur Werkstatt oder zur nächsten Parkbucht gebracht werden. Das Befahren der Autobahn ist dabei gem. § 15a Abs. 2 StVO verboten.

Befindet sich das Fahrzeug zum Zeitpunkt der Panne bereits auf der Autobahn, darf es lediglich bis zur nächsten Ausfahrt abgeschleppt werden (s. §15a Abs. 2 StVO).

Wie muss abgeschleppt werden?

Abschleppseil oder Abschleppstange, was ist erlaubt? Beides. Experten raten jedoch zur Abschleppstange. Die starre Verbindung sorgt für einen konstanten Abstand zwischen beiden Fahrzeugen und bietet auf diese Weise einen besseren Schutz vor einem Auffahrunfall. In beiden Fällen ist auf die maximale Zugkraft des Seils bzw. der Abschleppstange zu achten. Diese muss mindestens dem Leergewicht des Pannenfahrzeuges entsprechen, besser ist ein zusätzlicher Spielraum von ca. 200 Kilogramm.

Geschwindigkeit

Eine festgelegte, maximal zulässige Geschwindigkeit für das Abschleppen existiert in Deutschland nicht. Grundsätzlich ist die Geschwindigkeit so zu wählen, dass es zu keiner besonderen Gefährdung der am Abschleppvorgang Beteiligten sowie anderer Verkehrsteilnehmer kommen kann. Um das Unfallrisiko zu minimieren, wird eine Geschwindigkeit zwischen 30 und 50 km/h empfohlen.

Beleuchtung

Gemäß § 15a StVO müssen beide Fahrzeuge während des Abschleppens das Warnblinklicht einschalten. Ist das Pannenfahrzeug derart beschädigt, dass der Warnblinker nicht funktioniert, darf es nicht abgeschleppt werden – weder tagsüber noch nachts. Das Abschleppen ohne funktionierende Blinker ist hingegen erlaubt. In diesem Fall müssen Änderungen der Fahrtrichtung vom Fahrer des Pannenfahrzeugs per Handzeichen angekündigt werden.

Was ist bei Schalt- und Automatikgetriebe zu beachten?

Ob und wie weit ein Auto abgeschleppt werden kann, hängt maßgeblich von dessen Getriebe ab. Während sich Schaltfahrzeuge im ausgekuppelten Zustand problemlos abschleppen lassen, sind Automatikgetriebe häufig empfindlich. Zwar wird das Fahrzeug durch die Schalthebel-Stellung „N“ in den Leerlauf versetzt, allerdings wird das Getriebe in diesem Modus nicht mit Öl versorgt – es droht eine Überhitzung. Ob und wie ein Automatikfahrzeug dennoch abgeschleppt werden kann, ist dem Handbuch des jeweiligen Modells zu entnehmen.

Sonderfall Elektroautos: Achtung, Brandgefahr!

Bei Elektroautos wird der Akku üblicherweise mit Hilfe der Bewegungsenergie einer Fahrzeugachse geladen. Ein abgeschleppter Wagen verbraucht jedoch kaum Strom, so dass die beim Abschleppen erzeugte Energie zu hohen Induktionsspannungen führt. Dies hat unter Umständen nicht nur Schäden in der Steuerungselektronik, sondern auch eine Überhitzung des Akkus zur Folge. Elektroautos sollten im Schadenfall also grundsätzlich von qualifiziertem Fachpersonal abgeschleppt oder auf einem Anhänger transportiert werden.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.