13.06.2022

Beerdigung: Wer trägt die Kosten?

Verstirbt ein geliebter Mensch, sind Formalitäten verständlicherweise oft das Letzte, woran trauernde Familienmitglieder denken möchten. Und doch stellt sich für Hinterbliebene schnell die Frage, wie die Bestattung gestaltet werden soll. Wer muss sie planen? Bis wann muss sie erfolgen und wer übernimmt die Beerdigungskosten? Dieser Artikel fasst alles Wissenswerte und die wichtigsten Vorschriften zusammen.

Bestattungsgesetze: Wer muss die Beerdigung planen?

Die Pflicht, im Todesfall für eine ordnungsgemäße Bestattung des Leichnams zu sorgen, ergibt sich aus der sogenannten Bestattungspflicht. Sie ist in den Bestattungsgesetzen der Bundesländer geregelt und beschreibt die Pflicht eines Familienmitglieds, für eine ordnungsgemäße Bestattung innerhalb der gesetzlichen Fristen Sorge zu tragen. Bestattungspflichtig sind die nächsten, voll geschäftsfähigen Familienmitglieder, und zwar in folgender (absteigender) Reihenfolge:

  • Ehepartnerin/Ehepartner
  • Kinder (sofern volljährig)
  • Eltern
  • Geschwister
  • Partnerin/Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft
  • sonstige Sorgeberechtigte (z.B. eine die Vormundschaft innehabende Person)
  • Großeltern

 

Die Bestattungspflicht ist häufig mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden. Von der Festlegung des Beisetzungsortes, der Versorgung des oder der Toten bis hin zu allen Details der Trauerfeier: Ein erfahrenes Bestattungsunternehmen hilft Angehörigen bei allen notwendigen Planungen und kümmert sich darüber hinaus um den erforderlichen Schriftverkehr mit den zuständigen Ämtern.

Fristen: Bis wann muss eine Bestattung erfolgen?

Das Bestattungsrecht bestimmt den frühesten und den spätesten Zeitpunkt, zu dem eine Bestattung erfolgen darf. So darf eine Einäscherung frühestens 48 Stunden und spätestens 4 bis 10 Tage nach dem Tod erfolgen. Die anschließende Beisetzung muss – je nach Bundesland – im Zeitraum von bis zu 6 Monaten nach der Einäscherung stattfinden.

Im Falle einer Erdbestattung ist die Bestattungsfrist kürzer. Frühestens 48 Stunden, spätestens jedoch 10 Tage nach dem Tod muss die Beerdigung erfolgen.

Werden innerhalb der Bestattungsfrist keine Angehörigen gefunden, veranlasst das Ordnungsamt eine sogenannte Bestattung von Amts wegen. Dabei übernimmt der Staat alle Kosten einer einfachen Bestattung.

Wer muss die Beerdigungskosten zahlen?

Wer die Beerdigungskosten zahlen muss, regelt § 1968 BGB. Darin heißt es:

„Der Erbe trägt die Kosten der Beerdigung des Erblassers.“

Können die erbberechtigten Personen die Beerdigungskosten aus finanziellen Gründen nicht übernehmen, geht die Kostentragungspflicht auf eine Person über, welche dem Verstorbenen gegenüber unterhaltspflichtig war (§ 1615 Abs. 2 BGB). Ist dieser Person die Kostenübernahme nicht zuzumuten, zahlt das örtliche Sozialamt. Es übernimmt die notwendigen Beerdigungskosten sowie die Kosten für die Leichenschau, Beförderung sowie das erstmalige Herrichten der Grabstätte. Die Kostenübernahme muss jedoch beim Sozialamt beantragt werden. Dazu sind folgende Dokumente erforderlich:

  • Sterbeurkunde
  • Kontoauszüge der letzten Monate
  • Kopien von Sparguthaben
  • Aufstellung und Bewertung des Nachlasses

 

Sonderfall: Wer zahlt die Beerdigungskosten bei Erbausschlagung?

Im Falle einer Erbausschlagung muss zwischen zwei unterschiedlichen Szenarien unterschieden werden:

  1. Will nur eine erbberechtigte Person das Erbe ausschlagen, sind die Beerdigungsgebühren von allen anderen Erbberechtigten, welche die Erbschaft angenommen haben, zu tragen.
  2. Schlagen alle Erbberechtigten die Erbschaft aus, oder sind keine Erben vorhanden, geht die Erbschaft auf den Staat über. Dieser haftet gegenüber Gläubigern jedoch nur mit der hinterlassenen Erbmasse, nicht jedoch für darüber hinausgehende Kosten. Das bedeutet: Können die Beerdigungskosten nicht aus der Erbmasse heraus gezahlt werden, geht die Kostentragungspflicht auf Personen über, welche der verstorbenen Person zum Unterhalt verpflichtet waren. Dies können Ehepartner, Kinder, Eltern oder auch Geschwister sein.

Tipp: Die Übernahme der Beerdigungskosten bei einer Erbausschlagung ist häufig ein Grund für Streitigkeiten innerhalb der Familie. Mit dem inkludierten Beratungs-Rechtsschutz im Familien-, Lebenspartnerschafts- und Erbrecht bietet der DEURAG-Privatrechtsschutz die Möglichkeit, einen Rat oder eine Auskunft eines in Deutschland zugelassenen Rechtsanwalts in erbrechtlichen Angelegenheiten einzuholen.

Grabpflege: Wer ist zuständig?

Diesbezüglich existiert in Deutschland keine einheitliche Regelung. Die Pflicht zur Grabpflege ist in der Friedhofssatzung der jeweiligen Kommune geregelt. Üblicherweise sind die Nutzungsberechtigten einer Grabstelle – in der Regel die Erben der verstorbenen Person – zuständig. Die Grabpflegepflicht beinhaltet nach gängiger Rechtsprechung auch die Pflicht zur Übernahme der Grabpflegekosten. So entschied das Amtsgericht Neuruppin, dass die Grabpflegekosten als Teil der Beerdigungskosten von den Erben zu tragen sind (Az. 42 C 324/05).

In Fällen, in denen keine Erben existieren, trägt die Gemeinde die Grabpflegekosten. Sie werden aus der Erbmasse beglichen oder als sogenannte Sozialbestattung (§ 74 SGB XII) vom örtlichen Sozialamt übernommen.

Was ist bei der Bestattung erlaubt und was nicht

Zusätzlich zur Totenfürsorge- und Bestattungspflicht trifft das deutsche Bestattungsrecht noch weitere Regelungen. So gilt deutschlandweit eine Sargpflicht, welche besagt, dass verstorbene Personen ausschließlich in einem Sarg transportiert und beerdigt bzw. eingeäschert werden dürfen.

Ergänzend dazu dürfen örtliche Friedhofsverwaltungen zusätzliche Vorschriften erlassen. Beispielsweise dazu, welche Grabbeigaben gestattet sind. Üblicherweise sind nur solche erlaubt, die sich zersetzen und dabei das Grundwasser nicht verschmutzen. Dazu zählen beispielsweise Fotos, Briefe oder Kleidungsstücke aus natürlichen Materialien. Nicht gestattet hingegen sind technische Geräte, Gegenstände aus Glas oder Grabbeigaben, die den Zersetzungsprozess des Körpers beeinflussen könnten.

Darüber hinaus besteht in Deutschland eine Friedhofspflicht. Verstorbene Personen dürfen ausschließlich auf einem Friedhof oder speziell ausgewiesenen Begräbnisflächen (z.B. Ruhewäldern) bestattet werden. Folglich ist es nicht erlaubt, eine Urne mit der Asche eines verstorbenen Familienmitglieds mit nach Hause zu nehmen. Eine Ausnahme von der Friedhofspflicht macht der Gesetzgeber lediglich bei Seebestattungen. In speziellen Gebieten in der Nord- und Ostsee darf Totenasche beigesetzt werden.

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