10.08.2020

Zurück im Beruf – Wie der berufliche Wiedereinstieg gelingt

Einmal raus aus dem Beruf und das war´s? Nein! Der berufliche Wiedereinstieg nach längerer Auszeit gelingt – mit gewissenhafter Vorbereitung und guter Kommunikation. Und sogar mithilfe des Gesetzgebers, denn Arbeitnehmern steht unter bestimmten Umständen ein Anspruch auf Wiedereingliederung zu. Wann genau dies der Fall ist und mit welchen Tipps der Wiedereinstieg zur Erfolgsgeschichte wird, klärt dieser Artikel.

Wiedereinstieg in den Beruf: Die aktuelle Rechtslage

Der Gesetzgeber steht Wiedereinsteigern helfend zur Seite. In einigen Fällen haben Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf die Wiedereingliederung in das Arbeitsleben, welcher den Arbeitgeber in die Pflicht nimmt.

Rechtliche Situation bei Wiedereinstieg nach Elternzeit

Wer nach der Elternzeit wieder in seinen ursprünglichen Job einsteigen möchte, hat gem. § 15 Abs. 5 S. 4 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (kurz: BEEG) Anspruch auf einen „gleichwertigen Arbeitsplatz“. Das bedeutet: Der neue Arbeitsplatz darf nicht mit einer Schlechterstellung und/oder einem geringeren Entgelt verbunden sein. Allerdings kann der Arbeitgeber einen wiedereinsteigenden Mitarbeiter im Rahmen seines Direktionsrechts auf allen Arbeitsplätzen einsetzen, auf denen der Arbeitnehmer seine vertraglich vereinbarten Leistungen erbringen kann. Möchte der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter auf eine Weise einsetzen, die nicht arbeitsvertraglich geregelt ist, bedarf dies eines Änderungsvertrages oder einer Änderungskündigung, gegen die man sich innerhalb von drei Wochen nach Zugang mit einer Kündigungsschutzklage wehren kann.

Rechtliche Situation bei beruflichem Wiedereinstieg nach Krankheit

Wer mindestens sechs Wochen arbeitsunfähig war, hat gem. § 167 Abs. 2 Neuntes Sozialgesetzbuch (kurz: SGB IX) einen Anspruch auf ein betriebliches Eingliederungsmanagement (kurz: BEM). Das BEM verpflichtet Arbeitgeber zu klären, wie die Arbeitsunfähigkeit des Mitarbeiters überwunden und mit welchen Hilfen der Arbeitsplatz erhalten werden kann. Dies umfasst sowohl die Anpassung der Arbeitszeiten als auch die Neustrukturierung des Arbeitsplatzes sowie Reha-Angebote.

Eine Alternative ist die stufenweise Wiedereingliederung nach § 84 SGB IX – das sogenannte Hamburger Modell. Dabei verfolgen Vorgesetzte und Mitarbeiter das Ziel, den Arbeitnehmer nach längerer Krankheit den Einstieg ins Arbeitsleben so angenehm wie möglich zu gestalten. Dies kann beispielsweise durch die Neustrukturierung des Aufgabenfeldes oder eine Reduzierung der Arbeitszeit erfolgen. Wie lange eine Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell dauert, hängt von der individuellen Situation ab. Einen Rechtsanspruch auf die stufenweise Eingliederung haben Arbeitnehmer jedoch nicht. Sie ist an die Zustimmung des Arbeitgebers gebunden und erfordert eine ärztliche Bescheinigung, welche eine (teilweise) Arbeitsfähigkeit attestiert.

Rechtliche Situation nach langer Arbeitslosigkeit

Ein rechtlicher Anspruch auf Wiedereinstieg existiert nach einer langen Arbeitslosigkeit nicht. Betroffene können die Aufnahme einer neuen Tätigkeit jedoch beschleunigen. Bewerbungen sollten vorhandene Fähigkeiten herausstreichen und Kompetenzen, die durch Weiterbildungen erworben wurden, betonen. Auf diese Weise wird dem potentiellen Arbeitgeber Motivation und Einsatzbereitschaft signalisiert, die zu einem gelungenen Wiedereinstieg führen kann.

Wiedereinstieg in den Beruf und die damit verbundenen Fragen

Wer über einen beruflichen Wiedereinstieg nachdenkt, sollte mithilfe folgender Fragen über sich selbst und die eigenen Lebenspläne nachdenken:

  • Warum möchte ich wieder in den Beruf zurück? 
  • Möchte ich Teilzeit oder Vollzeit arbeiten?
  • Ist die Kinderbetreuung geregelt?
  • Wie wichtig sind mir Lebensbereiche, die nicht mit dem Job zusammenhängen?
  • Welche Lebenszeit und Kraft möchte ich in den Job investieren?
  • Wo möchte ich beruflich in fünf Jahren stehen?
  • Wie wichtig ist mir Karriere? Strebe ich eine Führungsposition an?
  • Habe ich die Pläne zum Wiedereinstieg mit der Familie oder dem Partner besprochen?
  • Bin ich bereit, für einen Beruf gegebenenfalls umzuziehen? Lassen sich plötzlich notwendige Überstunden/Dienstreisen mit dem Privatleben koordinieren?

 

Berufswechsel nach Auszeit: Selbstständigkeit als Alternative

Auch eine Selbstständigkeit sollte bei der Planung des beruflichen Wiedereinstiegs berücksichtigt werden. Vor der Selbstständigkeit steht jedoch eine gewissenhafte Vorbereitung. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bietet Gründern ein umfangreiches Existenzgründerportal, das alle notwendigen Informationen rund um eine mögliche Selbstständigkeit enthält. Eine Firmenrechtsschutzversicherung schützt Selbständige im Falle eines Rechtsstreits vor hohen Anwalts- und Gerichtskosten.

Beruflicher Wiedereinstieg: Die perfekte Strategie

Die Vorbereitung

Betroffene sollten ihren beruflichen Wiedereinstieg so früh wie möglich planen und dabei auch ihren Arbeitgeber miteinbeziehen. Das erleichtert dem Chef die Personalplanung und schafft Gewissheit darüber, welchen Arbeitsplatz und welche Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter nach seiner Rückkehr zu erwarten hat.

Optimalerweise wird der Kontakt zum Arbeitgeber und Kollegen auch während der beruflichen Auszeit gehalten. Die Teilnahme an firmeninternen Veranstaltungen und Fortbildungen sorgt dafür, dass die beruflichen Beziehungen nicht einschlafen.

Die private Organisation

Wer plant, beruflich wieder einzusteigen, sollte seine Pläne gemeinsam mit dem Partner/der Partnerin sowie der Familie besprechen. Dies hilft dabei, unliebsame Überraschungen in puncto Arbeitsteilung und Familienzeit zu vermeiden.

Sind Kinder zu erziehen, ist die frühzeitige Suche nach einer passenden Kita oder Tagespflegestelle essentiell – sofern der andere Elternteil den Nachwuchs nicht betreuen kann. Gleichzeitig sollten Notfallpläne entwickelt werden, falls die geplante Betreuung des Kindes aus unvorhersehbaren Gründen ausfällt.

Die berufliche Koordination

Zu guter Letzt steht die Koordination über den Wiedereinstieg mit dem bisherigen Arbeitgeber an. Dazu sollten klare Absprachen über den Zeitpunkt der Rückkehr getroffen werden und darüber, welche Aufgaben zukünftig übernommen werden. Im Falle eines Wiedereinstiegs nach Krankheit ist im Vorwege zu klären, wie genau die ersten neuen Schritte im Berufsleben aussehen und welche Arbeitszeit geleistet werden kann.

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Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.