10.09.2018

Berufsunfähigkeit – der Unterschied zur Erwerbsunfähigkeit

Starke Schmerzen beim körperlich anstrengenden Job oder eine große psychische Belastung im Büro? Etwa jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland wird – zumindest zeitweilig – berufsunfähig. Und dann kann es finanziell gefährlich werden, wenn das Haus weiter abbezahlt und eine Altersvorsorge angespart werden sollen. Eine Versicherung, die finanzielle Sicherheit in dieser Lebenslage garantiert, wird dann existenziell wichtig.

Ob tatsächlich eine Berufsunfähigkeit – BU – vorliegt, muss von einem Arzt oder einem Gutachter festgestellt werden. Eine Person ist berufsunfähig, wenn sie ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kann. Im Gegensatz dazu liegt eine Erwerbsunfähigkeit erst dann vor, wenn der Betroffene in gar keinem Beruf mehr arbeiten kann. Dann hat er eventuell Anspruch auf die staatliche Erwerbsminderungsrente.

Erwerbsminderungsrente – Wann zahlt der Staat?

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente wird Ihnen nur dann gezahlt, wenn Sie in keinem Beruf mehr arbeiten können – unabhängig von Ihrem eigentlichen Tätigkeitsfeld. Ein Vertriebler, der nach einem Unfall die Beine nicht mehr bewegen kann und im Rollstuhl sitzt, kann beispielsweise im Call-Center beraten. Eine Pflegekraft mit Bandscheibenvorfall kann eventuell für Schreibtischtätigkeiten eingesetzt werden. Außerdem gelten nur Menschen als erwerbsgemindert, die weniger als sechs Stunden täglich einer Arbeit nachgehen können.

Wann greift die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Eine Berufsunfähigkeit dagegen liegt bereits vor, wenn Sie für mindestens sechs Monate Ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben können. Die Basis hierfür ist ein ärztliches Gutachten sowie eine Prognose für die Krankheitsdauer. Im Gegensatz zur staatlichen Erwerbsminderungsrente greift eine Berufsunfähigkeitsversicherung auch bei psychischen Erkrankungen wie Burn Out oder Depressionen – und das sind mittlerweile die Hauptursachen für Berufsunfähigkeit.

Für Beamte gilt entsprechendes für die Dienstunfähigkeitsversicherung. Diese tritt in Kraft, wenn Beamte auf Lebenszeit wegen einer Krankheit nicht mehr arbeiten können und ihre Dienstunfähigkeit ärztlich bescheinigt wurde.

Was ist konkrete und abstrakte Verweisung?

Fast alle Versicherungspolicen enthalten Klauseln zur konkreten und/oder abstrakten Verweisung. Das bedeutet, dass der Versicherer in bestimmten Fällen trotz vorliegender Berufsunfähigkeit nicht zahlen muss. Eine konkrete Verweisung bedeutet, dass er nicht zahlt, wenn Sie im Falle Ihrer Berufsunfähigkeit einen anderen konkreten Job gefunden haben, mit dem Sie Ihren bisherigen Lebensstandard ungefähr halten können.

Die abstrakte Verweisung geht noch weiter: wenn sie im Versicherungsvertrag erwähnt ist, muss der Versicherer Ihnen selbst dann nichts zahlen, wenn Sie zwar keinen neuen Job gefunden haben, theoretisch aber einen finden könnten.

Wie hoch sind die Versicherungsbeiträge?

Die Beiträge der Versicherung sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Einerseits von der Höhe der gewünschten Rente und dem Alter, bis wann sie ausgezahlt werden soll, andererseits aber auch von den konkreten Lebensumständen und dem aktuellen Gesundheitszustand des Versicherungsnehmers. Auch eine Beitragsrückgewähr kann vertraglich vereinbart werden. Dann werden Überschüsse, die der Versicherer erwirtschaftet, dazu verwendet, Ihnen am Ende der Vertragslaufzeit eine höhere Auszahlung zukommen zu lassen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass bis dahin keine Versicherungsleistungen erfolgt sind.

Wie beantwortet man die Gesundheitsfragen richtig?

Vor Abschluss der Versicherung müssen Gesundheitsfragen beantwortet werden. Damit schätzt der Versicherer Ihr Risiko ab, tatsächlich zu erkranken. Dabei spielen meist nur die Erkrankungen der letzten fünf Jahre eine Rolle. Und auch mit Vorerkrankungen ist ein Versicherungsabschluss möglich – zum Beispiel mit einem Risikozuschlag.

Ganz wichtig: Machen Sie keine falschen Angaben! Spätestens im Leistungsfall wird der Versicherer ihre Krankengeschichte sehr genau prüfen. Kommt dabei ans Licht, dass Sie etwas verschwiegen oder beschönigt haben, entfällt der Versicherungsschutz unter Umständen komplett. Das bedeutet, der Versicherer muss auch dann nicht zahlen, wenn die aktuelle Berufsunfähigkeit gar nichts mit einer anderen verschwiegenen Krankheit zu tun hat.

Mit der Nachversicherungsgarantie flexibel bleiben

Wer sich zum Beispiel als Student schon früh gegen Berufsunfähigkeit versichert, profitiert oft von guten Konditionen und niedrigen Beiträgen. Wichtig ist die Option, im Laufe des Lebens die Versicherung dem gestiegenen Einkommen anpassen zu können. Mit einer Nachversicherungsgarantie können Sie die Beiträge – und damit auch die Auszahlungen im Leistungsfall – erhöhen. Und das meist sogar ohne nochmalige Gesundheitsprüfung.

Falls es doch einmal zu Problemen kommen sollte: Generell sind Auseinandersetzungen mit dem Versicherer der Berufsunfähigkeit von der privaten Rechtsschutzversicherung abgedeckt.

Ändert ein Berufswechsel etwas an der Versicherung?

Die meisten Verträge verzichten heutzutage auf eine sogenannte Meldepflicht. Das heißt, ein Berufswechsel muss nicht gemeldet werden und die Versicherungsbedingungen bleiben gleich, sowohl bei der Höhe der Beiträge als auch bei der Auszahlung der Berufsunfähigkeitsrente. Dies sollten Sie aber unbedingt beim Abschluss der Versicherung berücksichtigen oder im Falle eines späteren Jobwechsels in der Police nachlesen. Sollte ein Berufswechsel meldepflichtig sein, müssen Sie ihn angeben, damit ihr Leistungsanspruch auch weiterhin besteht. Generell werden die Versicherten in Risikogruppen – und die entsprechenden Beitragshöhen – eingestuft. Je höher das Risiko einer drohenden Berufsunfähigkeit, desto höher die Beitragsgruppe. Ein Dachdecker ist beispielsweise stärker gefährdet, berufsunfähig zu werden, als ein Einzelhandelskaufmann.

Wer zahlt im Fall der Berufsunfähigkeit die Krankenkassenbeiträge?

Wenn Sie privat krankenversichert sind, müssen Sie die Beiträge auch im Falle einer attestierten Berufsunfähigkeit in voller Höhe weiterzahlen. Sind Sie hingegen gesetzlich krankenversichert, kommt es darauf an, ob Ihre Kasse Sie als versicherungspflichtiges oder als freiwilliges Mitglied eingestuft. Sind Sie versicherungspflichtig, brauchen Sie keine Beiträge zu zahlen. Werden Sie hingegen als freiwilliges Mitglied eingestuft, dann werden auch die Krankenkassenbeiträge fällig. Für die Einordnung ist unter anderem relevant, ob Sie Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung beziehen und wie hoch Ihre Einnahmen insgesamt sind.


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