14.12.2020

Cybermobbing im Internet: Gegenwehr ist möglich – und notwendig!

Cybermobbing hat sich in den vergangen Jahren zu einem immer größer werdenden Problem entwickelt. So waren laut einer Studie aus dem Jahr 2016 acht Prozent der jugendlichen Internetnutzer bereits Opfer von Beleidigungen, Verleumdungen oder Bedrohungen. Von jedem fünften Heranwachsenden wurden schon einmal falsche oder beleidigende Behauptungen über das Internet verbreitet. Doch was genau ist Cybermobbing? Welche Straftatbestände fallen darunter und wie sollten sich Opfer im Fall der Fälle verhalten?

Was ist Cybermobbing?

Beim Cybermobbing handelt es sich um eine Sonderform des klassischen, im realen Leben anzutreffenden Mobbings. Der Begriff „Cybermobbing“ beschreibt das vorsätzliche Bedrohen, Beleidigen, Bloßstellen oder Belästigen anderer Personen unter Zuhilfenahme von modernen Kommunikationsmitteln über einen längeren Zeitraum. Aufgrund der Tatsache, dass der Täter anonym aus dem Internet heraus agiert und seinem Opfer nicht persönlich gegenübertreten muss, sinkt die Hemmschwelle, was für Opfer eine zusätzliche Bedrohung darstellt.

Das Besondere am Cybermobbing ist zum einen die räumliche Distanz zwischen Opfer und Täter, zum anderen kann zumeist eine breite Masse an Menschen die Erniedrigung mitverfolgen. Der oder die Täter können ihrem Opfer rund um die Uhr nachstellen, es verleumden oder beleidigen. Ebenso sind die Angriffe nicht auf einen umgrenzten Schauplatz – wie beispielsweise den Arbeitsplatz oder das Schulgelände – festgelegt.

Welche Folgen hat Cybermobbing für die Täter?

In Deutschland existiert bis dato kein besonderer Straftatbestand für das Cybermobbing. Jedoch können nach geltendem Recht bestimmte Verhaltensweisen des Cybermobbings strafbar sein und für den Täter ernsthafte Konsequenzen haben. Folgende Straftatbestände können nach dem Strafgesetzbuch (kurz: StGB) bei Cybermobbing in Betracht kommen:

Beleidigung gem. § 185 StGB

Wer einen anderen über das Internet durch Werturteile missachtet (beleidigt), muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe rechnen. Dabei kommt es nicht darauf an, dass das Opfer die Äußerung selbst als ehrverletzend empfindet. Es reicht bereits aus, dass ein unbefangener verständiger Dritter dies so aufnimmt.

Verleumdung gem. § 187 StGB

Wer über eine andere Person ehrverletzende Behauptungen aufstellt und weiß, dass diese nicht wahr sind, erfüllt den Straftatbestand einer Verleumdung. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn jemand im Internet behauptet, ein anderer Nutzer sei kriminell, obwohl er weiß, dass dieser noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Eine Verleumdung wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet.

Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen gem. § 201a StGB

Wer von einem Mitmenschen ein Bild veröffentlicht, das wissentlich seinem Ansehen schadet, erfüllt den Straftatbestand des § 201a StGB. Ein typisches Beispiel ist die Zurschaustellung heimlicher Handyaufnahmen, beispielsweise von einer Person, die sich auf der Toilette, in einer Umkleidekabine oder einem ähnlich geschützten Raum befindet. Das Strafmaß liegt in solchen Fällen bei bis zu zwei Jahren, in minderschweren Fällen droht eine Geldstrafe.

Zudem können noch insbesondere die Straftatbestände der Nötigung (§ 240 StGB), Bedrohung (§ 241 StGB) sowie der Gewaltdarstellung (§ 131 StGB) unter das Cybermobbing fallen.

Mobbing im Internet: Was tun bei Cybermobbing?

Wird beim Cybermobbing das Persönlichkeitsrecht verletzt, stehen dem Betroffenen Unterlassungs- und Schadenersatzansprüche zu. Eine entsprechende Klage sollte mithilfe eines Rechtsbeistandes eingereicht werden.

Macht sich der Täter ferner einem der o.g. Straftatbestände strafbar, sollte eine Anzeige erfolgen. Problematisch ist jedoch, dass der Täter häufig anonym agiert und nicht persönlich zur Rechenschaft gezogen werden kann. In diesen Fällen sollte zunächst der Website-Betreiber über die Rechtsverletzung informiert werden, damit das Bild oder Video gelöscht wird. Zudem können Betroffene die Herausgabe bekannter Daten über den Urheber verlangen.

Hilft dies nicht, den Täter eindeutig zu identifizieren, sollte Anzeige gegen Unbekannt erstattet werden. Auf diese Weise beginnt die Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen, welche im weiteren Verlauf zur Identifizierung der IP-Adresse bzw. des Internet-Anschlusses des Täters führen kann.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.