25.05.2020

Ehrenamtliche Tätigkeit – Steuern & Versicherungen im Ehrenamt

Das Trainieren einer Jugendmannschaft im Sportverein, die Betreuung pflegebedürftiger Menschen oder die Vereinsleitung als Vorstand: Immer mehr Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Sie tun vieles, was die öffentliche Hand aus Geld- oder Personalmangel nicht mehr leistet – und erhalten dafür unter Umständen Geld. Doch müssen Einkünfte aus einer ehrenamtlichen Tätigkeit versteuert werden? Welche Regelungen gelten bezüglich der Rentenversicherung und was ist mit der Sozialversicherung? Dieser Artikel fasst das Wichtigste zum Thema „Ehrenamt“ zusammen.

Versicherung und Ehrenamt: Unterschiede zwischen ehrenamtlicher Pflege und Freiwilligendiensten

Ehrenamtliche Pflege

Wer sich dazu entschieden hat, eine Person ehrenamtlich zu pflegen, ist in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert, wenn:

  • Eine oder mehrere pflegebedürftige Personen mindestens den Pflegegrad 2 aufweisen.
  • Die Pflege nicht erwerbsmäßig, jedoch mindestens 10 Stunden pro Woche, verteilt auf mindestens zwei Tage die Woche erfolgt.
  • Die Pflege in der häuslichen Umgebung des Pflegenden stattfindet.
  • Die Pflegezeit eine Dauer von zwei Monaten oder 60 Tage im Jahr (pro Pflegebedürftigen) nicht übersteigt
  • Neben der Pflege nicht mehr als 30 Stunden pro Woche erwerbsmäßig gearbeitet wird.

 

Hinweis: Ob Pflegende versicherungspflichtig sind, prüft die zuständige Pflegekasse der pflegebedürftigen Person. Diese zahlt anschließend auch die Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung.

Freiwilligendienste

Wer sich im Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahr oder im Bundesfreiwilligendienst befindet, ist in allen Zweigen der Sozialversicherung pflichtversichert. Eine Ausnahme besteht lediglich für Rentner, welche bereits ihre Altersrente erhalten und den Bundesfreiwilligendienst leisten. Sie sind nach Ablauf des Monats, in welchem die Regelaltersgrenze erreicht wurde, nicht mehr versicherungspflichtig.

Versicherung im Ehrenamt: Besonderheiten bei Unfallschutz, Auto- und Haftpflichtversicherung

Wer im Auftrag von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden freiwillig tätig ist, ist während der Ausübung eines Ehrenamtes gesetzlich unfallversichert. Das gilt ebenfalls für Ehrenamtliche in Rettungsorganisationen sowie in der freien Wohlfahrtspflege und bei Projekten, welche mit Zustimmung der kommunalen Verwaltung durchgeführt werden.

Verursachen ehrenamtliche Mitarbeiter, die mit dem eigenen Auto für eine Hilfsorganisation unterwegs sind, einen Unfall, kommt in der Regel die Gruppenversicherung der Organisation für den entstandenen Schaden auf – sofern der Helfer selbst keine eigene Vollkaskoversicherung hat.

Für ehrenamtliche Vorstandsmitglieder existiert eine erweiterte Haftpflichtversicherung. Diese ist wichtig. Vereinsvorstände – auch wenn sie ehrenamtlich tätig sind – können für Schäden, welche sie vorsätzlich oder zumindest grob fahrlässig verursacht haben, möglicherweise mit ihrem Privatvermögen haftbar gemacht werden.

Sozialversicherungspflicht bei ehrenamtlicher Tätigkeit in der Kommune

Kommunale Ehrenämter – wie beispielsweise Ortsvorsteher und Bürgermeister – stellen ein sozialversicherungsrechtlich relevantes Beschäftigungsverhältnis dar. Dies gilt jedoch nur, wenn die Beschäftigten über Repräsentationsaufgaben hinaus dazu verpflichtet sind, weisungsgebundene Verwaltungsaufgaben wahrzunehmen, die nicht direkt mit dem Ehrenamt in Verbindung stehen.

Liegt ein solches Beschäftigungsverhältnis vor, ist der steuerpflichtige Teil der Aufwandsentschädigung ein Arbeitsentgelt im Sinne der Sozialversicherung. Für dieses Arbeitsentgelt müssen Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden, welche die spätere Rente erhöhen.

Versteuerung von Ehrenamtspauschalen und Übungsleiterpauschalen: Was gibt es für ehrenamtliche Tätigkeiten?

Aufwandsentschädigung

Für ehrenamtliche Tätigkeiten im öffentlichen bzw. kommunalen Bereich werden Aufwandsentschädigung gezahlt. Diese bleiben bis 200 Euro pro Monat steuerfrei. Bei den durch Rechtsverordnung oder Gesetz bestimmten Entschädigung aus öffentlichen Geldern (beispielsweise bei ehrenamtlichen Bürgermeistern) bleibt ein Drittel der Aufwandsentschädigung steuerfrei, sofern dieser Beitrag höher als 200 Euro ist.

Ehrenamtspauschale

Die Ehrenamtspauschale, auch als Ehrenamtsfreibetrag bezeichnet, ist bis zu einem Betrag von 720 Euro pro Jahr von Steuern und Sozialabgaben befreit. Voraussetzung: Beim Ehrenamt handelt es sich um eine nebenberufliche Tätigkeit in einer gemeinnützigen Einrichtung, beispielsweise einem Sportverein.

Hinweis: Ein Anspruch auf eine Ehrenamtspauschale besteht auch für geringfügig Beschäftigte. Sie können sich ihren Freibetrag entweder blockweise zu Beginn oder am Anfang des Jahres auszahlen lassen.

Übungsleiterpauschale

Die Übungsleiterpauschale fördert Tätigkeiten im pädagogischen Bereich und kann zum Beispiel von Trainern, Ausbildern und Chorleitern in Anspruch genommen werden. Bis zu 2.400 Euro pro Jahr sind steuerfrei, sofern es sich bei dem Ehrenamt um eine nebenberufliche Tätigkeit in einer gemeinnützigen Organisation handelt.

Ehrenamt für Rentner mit Minijob: Informationen zur Sozialversicherung

Minijobber mit einem Einkommen von bis zu 450 Euro pro Monat, die von der Versicherungspflicht befreit sind oder ein Ehrenamt mit geringer Aufwandsentschädigung ausüben, zahlen keine Extrabeiträge zur Sozialversicherung. Auch muss der Verdienst nicht in der Steuererklärung angegeben werden.

Rentner mit Minijob müssen auch dann keine Rentenversicherungsbeiträge zahlen, wenn sie von der Versicherungspflicht befreit sind. Die fälligen Beiträge übernimmt der Arbeitgeber.

Freistellung kommunaler Ehrenbeamter von der Hinzuverdienstanrechnung

Einkünfte von kommunalen Ehrenbeamten, Mitgliedern der Selbstverwaltungsorgane sowie Vertrauenspersonen der Sozialversicherungsträger sind als Hinzuverdienst zu berücksichtigen. Gemäß der sogenannten Vertrauensschutzregelung gilt dies jedoch nur für den Anteil, der einen konkreten Verdienstausfall ersetzt. Wird kein Verdienstausfall ersetzt, bleiben die Einkünfte aus dem Ehrenamt als Hinzuverdienst unberücksichtigt.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.