22.10.2020

Energieausweis-Pflicht – Was Mieter wissen sollten

Die Energieeffizienz einer Immobilie ist ein wesentliches Entscheidungskriterium bei Kauf oder Miete. Mithilfe der Angaben im Energieausweis können Kaufinteressierte und potentielle Mieter unterschiedliche Angebote auf ihre Energiekosten hin vergleichen. Doch was genau ist ein Energieausweis? Wann wird dieser benötigt und wo kann er beantragt werden? Die Antworten liefert dieser Artikel.

Was ist ein Energieausweis?

Bei einem Energieausweis – auch als Energiepass bezeichnet – handelt es sich um einen Steckbrief für Wohngebäude. Das mehrseitige Dokument gibt anhand verschiedener Kennziffern einen Überblick über die Energieeffizienz eines Gebäudes.

Energiepass Info: Wann braucht man einen Energieausweis?

Nicht jeder Hauseigentümer ist verpflichtet, einen Energieausweis zu besitzen. Wer beispielsweise seit mehreren Jahren im fertiggestellten Eigenheim wohnt, benötigt ihn nicht.

Seit dem 1. Oktober 2008 jedoch ist der Energieausweis Pflicht für jeden, der den Neubau einer Immobilie plant. Der Energiepass muss jedem Bauherren oder Eigentümer eines neu errichteten Gebäudes nach Fertigstellung der Immobilie unverzüglich ausgehändigt werden (§ 16 Energiesparverordnung).

Wer eine Immobilie verkaufen oder neu vermieten möchte, muss den Energiepass ebenfalls besitzen, denn: Käufer oder Neu-Mieter haben ein Recht, sich vor ihrer Entscheidung über die Energieeffizienz des Objektes zu informieren. Folglich muss der Verkäufer oder Vermieter den Energiepass nicht nur bei der Einstellung eines Internet-Inserats angeben, sondern diesen auch bei einem Besichtigungstermin zur Hand haben. Weigert sich der Verkäufer oder Vermieter, den Energieausweis vorzulegen, können potentielle Käufer oder Mieter Anzeige erstatten. Bei einem Schuldspruch droht ein Bußgeld in Höhe von bis zu 15.000 Euro.

Ausnahme: Besitzer eines Gebäudes, das unter Denkmalschutz steht, sind von der Energieausweis-Pflicht befreit.

Welcher Energieausweis ist Pflicht?

Derzeit existieren in der Praxis zwei unterschiedliche Energieausweise.

Der Energieausweis auf Basis des Energiebedarfs (Bedarfsausweis) wird überwiegend für Neubauten und bei baulichen Änderungen verwendet. Er gibt den Jahres-Primärenergiebedarf in kWh an, welcher auf rechnerisch ermittelten Prämissen beruht. Bei der Berechnung werden verschiedene Bauteile der Immobilie sowie die Heizungsanlage berücksichtigt.

Der Energieausweis auf Basis des Energieverbrauchs (Verbrauchsausweis) kommt in der Regel bei Bestandsimmobilien zur Anwendung, welche die Wärmeschutzverordnung vom 1.11.1977 erfüllen. Ein Verbrauchsausweis basiert auf Verbrauchsinformationen aus mehreren aufeinanderfolgenden Zeitperioden. Das individuelle Nutzungsverhalten der Bewohner hat also einen großen Einfluss auf das Ergebnis der Energiekennziffer.

Was sagen die Energiekennziffern aus?

Als Basis für jeden neu ausgestellten Energieausweis dient die gültige Energieeinsparverordnung.

Die Energieeffizienz eines Gebäudes wird im Energieausweis auf einer Farbskala ausgewiesen. Die Werte reichen von A+ im grünen Bereich bis hin zu H im roten Bereich. Der Wert A+ stellt den besten Wert dar und bescheinigt einer Immobilie eine sehr gute Energieeffizienz.

Liegen energetische Mängel vor, welche im Energiepass durch den roten Bereich der Farbskala gekennzeichnet sind, sollten Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen werden. Diese können beispielsweise den Austausch der Heizungsanlage oder die Dämmung von Außenwänden beinhalten.

Energieausweis erstellen: So geht es

Ein Energieausweis darf grundsätzlich nur von Personen mit einer besonderen Qualifikation ausgestellt werden. Dies kann beispielsweise ein Energieberater sein. Die Deutsche Energie-Agentur (kurz: DENA) bietet eine Datenbank an, in der Interessierte nach einem Experten in ihrer Nähe suchen können. Auch in der Expertenliste für Energieeffizienz der Bundesförderprogramme lassen sich spezialisierte Anbieter finden. Diese können ebenfalls zur energieeffizienten Sanierung einer Immobilie in Anspruch genommen werden.

Bei einigen Online-Anbietern kann der Energiepass bequem und zeitnah über das Internet beantragt werden. Dabei ist jedoch auf die Seriosität des Anbieters zu achten. Diese ist dann gegeben, wenn der Aussteller in der DENA-Datenbank aufgeführt oder als „Effizienzhaus-Experte“ zertifiziert ist.

Energieausweis Kosten: So teuer ist ein Energiepass

Die Kosten für die Energieausweiserstellung variieren je nach Art des Dokuments. Ein Verbrauchsausweis ist aufgrund des geringeren Verwaltungsaufwandes in der Regel günstiger und schlägt mit ca. 50 bis 100 Euro zu Buche. Bei Mehrfamilienhäusern erhöhen sich die Kosten auf bis zu 250 Euro.

Das Erstellen eines Bedarfsausweises ist aufgrund der notwendigen Vor-Ort-Begehung aufwendiger – und teurer. Die Kosten liegen zwischen 300 und 500 Euro.

Wie lange ist ein Energiepass gültig?

Ein Energieausweis ist 10 Jahre gültig. Er muss lediglich vor Ablauf dieses Zeitraums erneuert werden, wenn die beheizte Fläche einer Immobilie um mehr als 50 Prozent erweitert wird oder die neue Fläche größer als 50 m² ist.

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