28.01.2021

Fahrgastrecht bei Bahnreisen – Was steht Reisenden bei Verspätung oder Zugausfall zu?

Bahn verspätet, Anschluss verpasst: Eine größere Zugverspätung oder ein Zugausfall können dazu führen, dass Reisende am Bahnhof stranden und ihr Reiseziel nicht erreichen können. Besonders ärgerlich ist dies für Urlaubsreisende, die auf die Bahn als Reisemittel setzen. Welche Fahrgastrechte bei Bahnreisen bestehen, was für Verspätungen im Nah- und Fernverkehr gilt und wann ein Anspruch auf Entschädigung besteht, erläutert dieser Artikel.

Fahrgastrechte gemäß EU-Bahngastrechte-Verordnung

Mit dem Inkrafttreten der Verordnung (EG) Nr. 1371/2007 über die „Rechte und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr“ am 03. Dezember 2009 gelten in Deutschland und in Europa einheitliche Fahrgastrechte bei Bahnreisen.

Hiernach steht Fahrgästen im Eisenbahnverkehr das Recht auf eindeutige und leicht zugängliche Informationen für die folgenden Fälle zu:

  • vor Reiseantritt: über Vertragsbedingungen, Fahrpläne und Fahrpreise
  • während der Fahrt: zu Verspätungen oder zur Einstellung des Schienenverkehrsdienstes
  • zu Beschwerdeverfahren


Übrigens: Die Bahn Fahrgastrechte gelten nach einem Urteil des EuGH (C-509/11) vom 26.09.2013 auch bei höherer Gewalt.

Welcher Anspruch besteht bei Verspätung der Bahn und Zugausfall?

Zugverspätung von mehr als 60 Minuten

Bei einer verspäteten Ankunft am Zielort von mehr als 60 Minuten haben Fahrgäste einen Anspruch auf:

  • Erstattung des vollen Preises der Fahrkarte, wenn von der Reise zurückgetreten wird,
  • Erstattung für den nicht getätigten Teil der Reise, wenn nur ein Teil der gebuchten Strecke zurückgelegt wurde oder
  • Fortsetzung der Fahrt bzw. Weiterreise, ggf. mit geänderter Streckenführung, zu vergleichbaren Beförderungsbedingungen bei nächster Gelegenheit oder zu einem späteren Zeitpunkt nach Wunsch des Fahrgasts.


Entschädigungsanspruch: Fällt die Wahl auf die Fortsetzung der Bahnreise, können Fahrgäste Schadenersatz in Höhe von 25 Prozent des Fahrpreises verlangen.

Zugverspätung von mehr als 120 Minuten oder Zugausfall

Bei einer verspäteten Ankunft am Zielort von mehr als 120 Minuten oder Zugausfall haben Fahrgäste zusätzlich einen Anspruch auf:

  • den Erhalt von Informationen über die Situation und die geschätzten Abfahrts- und Ankunftszeiten
  • Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit
  • Unterbringung in Fällen, in denen eine oder mehrere Übernachtungen notwendig sind, z.B. weil die Weiterreise nicht möglich ist
  • die Beförderung zum Bahnhof oder zu einem alternativen Abfahrtsort oder an den Zielort, wenn der Zug auf der Strecke blockiert ist


Entschädigungsanspruch: Wird die Reise fortgesetzt, haben Fahrgäste einen Schadenersatzanspruch von 50 Prozent des Preises der Fahrkarte.

Pauschale Entschädigung bei Zeitkarten

Für Zeitkarten im Nah- und Fernverkehr werden Verspätungen ab 60 Minuten pauschal entschädigt. Dabei ist zu beachten, dass maximal 25 % des Zeitkartenwerts erstattet werden sowie keine Beträge unter 4,00 Euro. Ansprüche aus Verspätungen sollten Inhaber von Wochen- oder Monatskarten daher gesammelt nach Ablauf der Geltungsdauer einreichen.

Hier eine Übersicht über die Höhe der pauschalen Entschädigung ab 60 Minuten Verspätung:

Zeitkarte1. Klasse2. Klasse
Nahverkehr2,25 Euro1,50 Euro
Fernverkehr7,50 Euro5,00 Euro
BahnCard10015,00 Euro10,00 Euro

Fahrgastrechte im Nahverkehr: Regelungen für Zugverspätungen ab 20 Minuten

Für viele Berufspendler im öffentlichen Nahverkehr gehören Zugverspätungen der Deutschen Bahn  zum Pendleralltag dazu. Eine kurze Verspätung ist in diesem Fall meist unproblematisch. Übrigens  gelten Züge der Deutschen Bahn als pünktlich, wenn die planmäßige Ankunftszeit an einer Haltestelle um weniger als 6 bzw. 16 Minuten überschritten wird.

Zugbindung verfällt

Wer ein Nahverkehrsticket besitzt und die Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn AG, die Regionalbahn (RB), den Regional-Express (RE) oder den Interregio-Express (IRE) nutzt, für den gilt: Die Zugbindung verfällt, wenn der Zielbahnhof mehr als 20 Minuten zu spät erreicht wird.

Das heißt: Betroffene sind dann nicht mehr an eine bestimmte Route gebunden und können in den nächstbesten Zug zur Erreichung des Reiseziels steigen. Dabei gilt es für die Nutzung eines Fernverkehrszuges jedoch folgendes zu beachten:

  • der Zug darf nicht reservierungspflichtig sein,
  • es darf sich nicht um eine Sonderfahrt handeln
  • die ursprüngliche Route darf nicht länger als 50 Kilometer sein bzw. nicht länger als eine Stunde Fahrtzeit haben


Kosten erstatten lassen

Wird eine Zugverbindung gewählt die teurer als die ursprüngliche Verbindung ist, so müssen Bahnreisende ein neues Ticket kaufen oder einen Aufpreis zahlen. Die Kosten können sich Betroffene dann zurück erstatten lassen.

Achtung: Ausgenommen hiervon sind die Quer-durchs-Land-, Länder- oder Schöne-Wochenende-Tickets.

Wann können Reisende im Nahverkehr auf ein Taxi umsteigen?

Fahrplanmäßige Ankunftszeit liegt zwischen 0 und 5.00 Uhr

In diesem Fall können Fahrgäste auf ein Taxi umsteigen, wenn die Zugverspätung mehr als 60 Minuten beträgt und keine preisgünstigeren öffentlichen Verkehrsmittel mehr als Alternative genutzt werden können. Der Anspruch auf Kostenerstattung ist in diesem Fall jedoch nur bis zu einem Betrag in Höhe von 80 Euro möglich.

Bei Ausfall des letzten fahrplanmäßigen Zuges des Tages

Auch in diesem Fall ist die Nutzung eines Taxis möglich, wenn der Zielort ohne die Nutzung eines anderen Verkehrsmittels nicht bis 24 Uhr erfolgen kann. Der Erstattungsanspruch ist auch hier auf 80 Euro begrenzt.

Was tun, um Fahrgastrechte bei der Deutschen Bahn geltend zu machen und Geld von der Bahn zurück zu erhalten?

Möchten Bahnreisende ihren Anspruch gegenüber der Bahn geltend machen, ist folgendes zu berücksichtigen:

  • Es muss eine gültige Fahrkarte für die verspätete oder ausgefallene Fahrt vorliegen
  • Es besteht ein Anspruch auf Entschädigung für Reiseketten, auch wenn Reisende verschiedene Eisenbahnunternehmen nutzen, wenn diese mit einer Fahrkarte reisen. Aber Achtung: U-Bahnen und Straßenbahnen fallen nicht unter die einheitliche Fahrgastrechteregelung und sind daher ausgenommen.
  • Jede Verspätungsentschädigung wird für jede Fahrkarte separat ermittelt.
  • Im Falle einer Buchung eines Tickets für Hin- und Rückfahrt legt die Bahn zur Berechnung der Erstattung den halben Fahrpreis zugrunde.
  • Die Fahrgastrechte für den Eisenbahnverkehr gelten auch im Nachtreiseverkehr (z.B. EuroNight).


Tipp: Das Eisenbahn-Bundesamt beantwortet häufige Fragen zu den Bahn Fahrgastrechten.

Bahn Entschädigung beantragen

Um bei der Deutschen Bahn eine Entschädigung zu beantragen sind folgende Schritte notwendig:

  1. Fahrgastrechte-Formular besorgen und Verspätung bestätigen lassen. Das Formular können Betroffene  an einem DB Service Point, in einem DB Reisezentrum oder online erhalten. Die Verspätung bescheinigt das Servicepersonal im Zug, ein Mitarbeiter der DB Information oder des DB Reisezentrums.
  2. Formular ausfüllen, unterzeichnen und Original-Belege beifügen
  3. Daten an die Bahn übermitteln

Die Unterlagen können entweder per Post an die Bahn gesendet werden oder in einem DB Reisezentrum abgegeben werden. Die Postanschrift lautet:
DB Dialog
Servicecenter Fahrgastrechte
60647 Frankfurt am Main

Info: Im Entschädigungsfall können Bahn-Reisende in der Regel zwischen einem Gutschein oder der Auszahlung des Geldbetrags wählen.

Rechtsschutztipp

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Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.