13.07.2020

Grundrente – Das ist ab 2021 geplant

Menschen mit kleinen Renten sollen ab dem 1. Januar 2021 Aufschläge auf ihre gesetzliche Rente erhalten. Einen entsprechenden Gesetzentwurf zur Grundrente hat das Bundeskabinett am 19. Februar 2020 beschlossen. Doch was bedeutet Grundrente überhaupt? Wer hat Anspruch, wie hoch fällt sie aus und muss der Zuschlag gesondert beantragt werden? Dieser Artikel fasst alles Wissenswerte zum Thema „Grundrente“ zusammen.

Wer bekommt die Grundrente?

Einen Anspruch auf Grundrente sollen alle Rentner und Rentnerinnen haben, die mindestens 33 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Die erforderliche Beitragszeit kann durch Beschäftigung in Voll- oder Teilzeit sowie durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen erreicht werden. Geplant ist, die Grundrente zu staffeln – ihre volle Höhe wird nach 35 Beitragsjahren erreicht.

Grundrente ab 2021: Wie hoch fällt sie aus?

Der höchstmögliche Zuschlag zur Rente liegt laut Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bei monatlich maximal 404,86 Euro brutto in westlichen Bundesländern bzw. 390 Euro im Osten.

Die Berechnung der Rentenhöhe erfolgt auf Basis der sogenannten Entgeltpunkte für die Rente. Arbeitnehmer mit durchschnittlichem Einkommen erhalten in Deutschland einen Rentenpunkt pro Jahr. Wer aufgrund eines geringeren Einkommens nur auf 0,4 bis 0,8 Rentenpunkte pro Jahr kommt, jedoch mehr als 35 Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt hat, profitiert von einer Verdopplung seiner Rentenpunkte auf maximal 0,8 Punkte. Nach der Verdopplung wird der Zuschlag auf die Entgeltpunkte wieder um 12,5 Prozent verkürzt, damit Personen, die mehr eingezahlt haben auch mehr Rente erhalten.

Im Übergangsbereich zwischen 33 und 35 Beitragsjahren gewährt die Deutsche Rentenversicherung einen aufwachsenden Grundrentenzuschlag. Bei 33 Beitragsjahren wird der Entgeltpunkte-Durchschnittswert auf bis zu 0,4 Punkte aufgestockt. Mit jedem weiteren Monat an Grundrentenzeit erhöht sich der Aufstockungsbetrag kontinuierlich – bis er bei 35 Beitragsjahren 0,8 Entgeltpunkte erreicht.

Grundrente: Einkommensprüfung statt Bedarfsprüfung

Die Bedürftigkeitsprüfung bei der Grundrente soll – anders als bei der Sozialhilfe bzw. Grundsicherung – ausschließlich auf eine Einkommensprüfung beschränkt werden. Das bedeutet: Bei der Berechnung zählt lediglich das Einkommen des Betroffenen, nicht jedoch dessen Vermögen und Immobilienbesitz. Zum Einkommen zählen die bisherige Rente einschließlich Witwen- und Betriebsrenten sowie Einkünfte aus Nebenjobs und Mieteinnahmen. Auch Kapitalerträge werden bei der Einkommensprüfung berücksichtigt.

Wer ein Einkommen von maximal 1.250 Euro hat, bekommt die Grundrente in voller Höhe ausgezahlt. Bei Paaren liegt diese Grenze bei 1.950 Euro. Liegt das Einkommen darüber, gibt es Abzüge. Bis 1.600 Euro bei Alleinstehenden bzw. 2.300 Euro bei Paaren wird der Mehrbetrag zu 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet. Jedes Einkommen, das darüber hinausgeht, wird zu 100 Prozent angerechnet.

Wohngeld, Grundsicherung und Co.: Was bedeutet der Freibetrag bei der Grundrente?

Ist ein Grundrenten-Bezieher zusätzlich auf Wohngeld oder andere Sozialleistungen angewiesen, sind auch hierfür Freibeträge geplant. Der aktuelle Gesetzentwurf enthält geplante Freibeiträge für:

 

Der Freibetrag soll 100 Euro monatlich zzgl. 30 Prozent des diesen Betrag übersteigenden Einkommens aus der gesetzlichen Rente betragen. Zusätzlich ist der Freibetrag auf einen Betrag von 50 Prozent der Regelbedarfsstufe 1 gedeckelt – dieser liegt derzeit bei 216 Euro pro Monat.

Grundrente 2021: Wie kommen Anspruchsberechtigte zu ihrem Geld?

Die Grundrente muss nicht beantragt werden. Anspruchsberechtigte werden durch einen automatischen Datenabgleich mit den Finanzämtern ermittelt, anschließend zahlt die Deutsche Rentenversicherung die Grundrente aus.

Beispiele für die Grundrente

Bauingenieur aus Halle/Saale

Thorsten K. Hat bis zur Wende gut verdient, war anschließend einige Jahre arbeitslos, bis er als Angestellter in unterschiedlichen Betrieben wieder Arbeit fand – allerdings mit geringem Einkommen. Seine Altersrente beläuft sich auf 746 Euro brutto. Aufgrund seiner 35 Beitragsjahre kommt Thorsten K. trotz seiner Arbeitslosigkeit auf eine Gesamtrente in Höhe von 941 Euro.

Durchschnittlicher Verdienst: 0,6 Entgeltpunkte
Rente aus eigener Beitragszahlung: 39 Jahre x 0,6 Entgeltpunkte x 31,89 Euro (aktueller Rentenwert Ost) = 746 Euro
Grundrentenzuschlag: 35 x 0,2 Entgeltpunkte x 0,875 x 31,89 Euro = 195 Euro

Hilfsarbeiter aus Bremen

Tim M. aus Bremen hat keinen Schulabschluss und war ausschließlich als Hilfsarbeiter auf Niveau des Mindestlohns tätig. Zunächst 20 Jahre lang 38,5 Stunden pro Woche, später 15 Jahre lang lediglich 25 Wochenstunden. Er erhält eine Rente von 463 Euro brutto, die er mithilfe der Grundrente auf 868 Euro aufstocken kann.

Durchschnittlicher Verdienst: 0,4 Entgeltpunkte (für 35 Beitragsjahre)
Rente aus eigener Beitragszahlung: 35 x 0,4 Entgeltpunkte x 33,05 (aktueller Rentenwert West) = ca. 463 Euro
Grundrentenzuschlag: 35 x 0,4 Entgeltpunkte x 0,875 x 33,05 = 405 Euro


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.

Weitersagen

Stellen Sie Ihren persönlichen Tarif zusammen

Ich Beamter oder im öffentlichen Dienst tätig, möchte absichern und einen Tarif Selbstbeteiligung haben.

Gesamtsumme mtl.Tarif zusammenstellen