15.10.2018 – zuletzt aktualisiert am: 08.12.2021

Hund im Büro: Wann darf der Hund zum Kollegen werden?

Der Hund im Büro ist heutzutage kein Einzelfall mehr. Ganz im Gegenteil: Der Trend geht zum Bürohund. Doch nicht nur Hund und Hundehalter können hiervon profitieren, sondern auch die Kollegen. So kann der Kollege Hund ein echtes Teammitglied werden, trägt er doch nachweislich zu einem positiven Arbeitsklima bei. Grundvoraussetzung ist jedoch, dass der Arbeitgeber Hunde im Büro erlaubt und auch die Kollegen sollten mit dem Vierbeiner im Büro einverstanden sein. Worauf sollte bei der Mitnahme von Hunden an den Arbeitsplatz außerdem geachtet werden? Was sagt das Arbeitsrecht und wer kommt für durch den Hund entstandene Schäden auf?

Hund im Büro: Vorteile & Nachteile eines Bürohunds

Zahlreiche Studien belegen, dass Hunde für ein verbessertes Arbeitsklima sorgen können: Sie steigern die Kreativität, reduzieren Stress, sorgen für Bewegung in den Pausen und Gesprächsstoff unter den Arbeitnehmern. Auch der Hund profitiert von dieser Situation und muss nicht mit Trennungsangst allein zu Hause bleiben.

Ein Hund im Büro kann außerdem den Teamzusammenhalt verstärken und Mitarbeiter zusammenschweißen. Eine Studie aus den USA hat ergeben, dass der Blutdruck bei Personen in Stresssituationen sank, wenn ein Bürohund anwesend war. Der Bundesverband Bürohund weist weiter darauf hin, dass der Hund im Büro außerdem zur Vermeidung eines Burnouts oder psychischer Erkrankungen beitragen kann.

Auf der anderen Seite kann Kollege Hund jedoch auch Ursache für Unmut sein, etwa wenn dieser das teure Ledersofa im Wartebereich zerkratzt, die Blase in den Büroräumlichkeiten entleert  oder den Geschäftspartner anbellt. Aus diesen Gründen ist es für Hundehalter ratsam, bereits im Vorfeld mit Vorgesetzten und Kollegen über die Mitnahme des Tieres zu sprechen und - am besten schriftlich - einige Regeln festzuhalten.

Hund im Büro: Rechtslage beachten

Was sagt das Arbeitsrecht zum Hund im Büro? Es gibt weder ein Anrecht, noch ein Verbot. Allerdings kann der Arbeitgeber im Rahmen seines Weisungsrechts bestimmen, ob Hunde an den Arbeitsplatz mitgenommen werden dürfen oder nicht. Sei es auch nur ausnahmsweise, dann bedarf es trotzdem einer ausdrücklichen Genehmigung - so jedenfalls hat es das Landesarbeitsgericht Düsseldorf in seinem Urteil vom 24. März 2014 (9 Sa 1207/13) verkündet. Ausgenommen sind Hunde, die zum Verrichten der Arbeit notwendig sind, wie zum Beispiel Blindenhunde.

Darf ich meinen Hund mit ins Büro nehmen?

Arbeitgeber, die Hunde im Büro erlauben, sind nicht automatisch dazu verpflichtet, alle Hunde zu dulden, obwohl sie nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz dazu verpflichtet wären. In der Praxis können sachliche Gründe dafür sprechen, einem bestimmten Kollegen die Mitnahme zu verweigern, etwa weil der neue Hund das Arbeitsklima gefährdet. Anders gesagt: Ein Kampfhund muss noch lange nicht genehmigt werden, weil die Kollegin ihren Chihuahua neben dem Schreibtisch liegen hat. Ebenso kann eine einmal erteilte Erlaubnis widerrufen werden. Das gilt sogar dann, wenn das Mitbringen des Hundes vertraglich genehmigt wurde. Der Verstoß gegen das Hundeverbot kann im schlimmsten Fall zur Abmahnung und einer Kündigung führen.

So klappt es mit dem Hund im Büro

  • Absprache mit den Kollegen: Nicht wenige Menschen haben Angst vor Hunden oder leiden unter Allergien. Da der Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht für die Beschäftigten nachkommen muss, können Angst oder gesundheitliche Bedenken anderer Mitarbeiter zu einem Verbot führen. Dazu muss der Hund nicht tatsächlich gefährlich sein, ein Gefühl der Unsicherheit reicht als Begründung bereits aus.
  • Auf Gerüche achten: Gleiches gilt, wenn sich der Mitarbeiter durch Gerüche, Haare oder sonstige Störfaktoren in seiner Arbeitsleistung beeinträchtigt fühlt.
  • Einschränkung der Arbeitsleistung vermeiden: Bellt der Hund im Büro und stört damit die Arbeitsumgebung, sollte die Konsultation eines Hundetrainers in Betracht gezogen werden. Wenn auch dies nichts nützt, wird es darauf hinauslaufen, dass der Hund zu Hause bleiben muss.

 

Hund im Büro: Was, wenn es zu einem Zwischenfall kommt?

Hundebesitzer haften grundsätzlich für die Schäden ihres Tieres, unabhängig davon, ob es Sach- oder Personenschäden sind. Die Haftung ergibt sich aus dem § 833 Satz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Hier springt meist nicht die private Haftpflichtversicherung ein, weshalb sich Hundehalter unbedingt beraten lassen sollten. Spezielle Tier- oder Hundehaftpflichtversicherungen greifen sowohl bei Sachschäden oder Vermögensschäden sowie bei Personenschäden, z. B. wenn der behandelnde Tierarzt gebissen wurde und so ein Verdienstausfall entsteht. Am Arbeitsplatz greift diese Versicherung auch, wenn ein Kollege mit dem Hund spazieren geht und dabei ein Schaden entsteht. Wer also plant, Vollzeitjob und Hund zu verbinden, sollte sich bereits im Vorfeld entsprechend absichern, um im Schadensfall nicht selbst zur Kasse gebeten zu werden.

Tipp: Vertrag für den Hund am Arbeitsplatz

Um das harmonische Verhältnis mit den Kollegen am Arbeitsplatz zu erhalten, empfiehlt es sich, einen gesonderten „Verhaltenskatalog für Bürohunde“ zu vereinbaren. Dieser schriftlich fixierte Vertrag beschreibt beispielsweise in welchen Räumen sich das Tier aufhalten darf, wer bei Schäden zur Verantwortung gezogen wird und ob eine passende Versicherung abgeschlossen wurde. Wichtig für den Arbeitgeber ist außerdem eine Absprache bezüglich Pinkelpausen für den Vierbeiner. Wie oft darf während der Arbeitszeit um den Block gegangen werden? Haben Kollegen Angst vor dem Tier oder bellt der Hund im Büro, können gewisse Verhaltensweisen, beispielsweise das Anbinden des Hundes an den Tisch o. Ä. vereinbart werden. Weitere Informationen gibt es beim Bundesverband Bürohund. Dieser ehrenamtliche Verein berät Hundebesitzer und Unternehmen zum Thema „Hund im Büro“.


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