26.02.2018 – zuletzt aktualisiert am: 27.09.2021

In Elternzeit gehen: Beruflich sicher, entspannt und sorgenfrei

Eine Familie zu gründen sollte immer eine bewusste und selbstbestimmte Entscheidung sein – frei von Sorgen um Karriere und Einkommen. Deshalb dürfen keine Nachteile im Berufsleben entstehen, sobald sich Eltern dafür entscheiden, in Elternzeit zu gehen. Dank Elternzeit und Elterngeld können sich Väter und Mütter ganz auf das Baby konzentrieren und die ersten Entwicklungsschritte intensiv begleiten. Alles, was es für einen entspannten Einstieg in die Elternzeit zu wissen gibt, erläutert dieser Artikel:

Inhalt:


Elternzeit und Elterngeld: Leicht erklärt

Bereits während der Schwangerschaft tauchen zahlreiche Fragen auf: Wie und wann wird der Arbeitgeber am besten informiert, was ist im Falle einer Kündigung zu tun, wie wird das mit dem Einkommen geregelt und welche Rechte gibt es bei einem Wiedereinstieg? Je mehr dieser Fragen vorab geklärt werden, desto entspannter ist es, in Elternzeit zu gehen.

Was ist Elternzeit?

Die Elternzeit ermöglicht es, sich eine Auszeit im Berufsleben zu nehmen, ohne Sorge zu tragen, ob ein Wiedereinstieg möglich ist. Familie und Beruf können damit besser vereinbart werden. Der Arbeitgeber ist verpflichtet Mütter oder Väter bis zu drei Jahre pro Kind von der Arbeit freizustellen. In dieser Zeit besteht ein besonderer Kündigungsschutz. Ob in den ersten drei Jahren des Kindes oder bis zu 24 Monate zwischen dem 3. und 8. Geburtstag: Elternzeit kann dann genommen werden, wenn es Elternteil und Kind wirklich benötigen und unter folgenden Voraussetzungen:

  • Der Elternteil befindet sich in einer Anstellung: Dabei ist es egal, ob in Vollzeit, Teilzeit, Minijob oder neben dem Studium. Das Einzige, was zählt, ist ein Arbeitsvertrag nach deutschem Recht. Einige wenige staatliche Jobs sind davon ausgenommen.
  • Das Kind lebt im selben Haushalt: Dabei kann es das leibliche Kind sein, das Kind des Ehepartners oder Lebensgefährten, ein Adoptivkind, ein Pflegekind in Vollzeit oder unter gewissen Bedingungen auch das Enkelkind oder der Bruder oder die Schwester.
  • Die Erziehung und Betreuung erfolgen durch den Elternteil.
  • Die Arbeitszeit während der Elternzeit geht nicht über eine Teilzeitstelle hinaus.

 

Während der Elternzeit wird kein Lohn ausgezahlt. Damit Eltern und Kind ausreichend versorgt sind, kann Elterngeld beantragt werden.

Elternzeit beantragen, verlängern oder verkürzen

Elternzeit in Deutschland kann fast jederzeit genommen werden, es bedarf nur etwas Vorlaufzeit für den Arbeitgeber. Wenn Eltern und Kind eine Auszeit im ersten Lebensjahr des Kindes einreichen, muss dies beim Arbeitgeber spätestens sieben Wochen vor dem Beginn erfolgen. Bei einer Unterbrechung der Erwerbstätigkeit zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr, muss der Arbeitgeber 13 Wochen vorher informiert werden.  Für Kinder, die ab dem 01. Juli 2015 geboren sind, kann die Elternzeit in drei Teile unterteilt werden und 24 Monate dieser Elternzeit, können zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr genommen werden.

Für Geburten vor dem 01. Juli 2015 gelten für alle Auszeiten sieben Wochen Anmeldefrist. Allerdings kann die Elternzeit nur zweimal geteilt werden und ab dem dritten Lebensjahr des Kindes können nur noch 12 Monate genommen werden.

Wann und wie Elternzeit beantragen?

Um rechtlich richtig anzumelden, muss ein Antrag auf Elternzeit eingereicht werden. Das muss schriftlich und mit Unterschrift erfolgen, weshalb eine E-Mail oder ein Telefonat und selbst ein Fax nicht ausreichend sind. Von Vorteil ist zum einen, sich die Anmeldung vom Arbeitgeber bestätigen zu lassen und zum anderen ein genaues Start- und Enddatum festzulegen. Dabei reicht als Startdatum „ab der Geburt“, da Elternzeit nicht vorher erfolgen und ein genaues Datum vor der Geburt nicht genau festgelegt werden kann. Falls die Geburt früher als geplant erfolgt, gibt es Sonderbedingungen für eine verkürzte Frist.

Wie Elternzeit verlängern?

Eine Verlängerung der Elternzeit ist nur möglich, wenn …

  • die Zeit die vorgegebenen 3 Jahre nicht übersteigt
  • oder der Arbeitgeber damit einverstanden ist, falls die Verlängerung direkt im Anschluss erfolgen soll und im Bindungszeitraum besteht – also den ersten drei Jahren des Kindes

 

Anschließend ist die Erlaubnis des Arbeitgebers nicht mehr erforderlich.

Kann die Elternzeit vorzeitig beendet werden?

Andersherum können Eltern die geplante Elternzeit früher beenden. In den meisten Fällen wird dafür die Zustimmung des Arbeitgebers benötigt. Folgende Fälle sind davon ausgenommen:

  • Die Elternzeit vorzeitig beenden wegen erneuter Schwangerschaft: In diesem Fall wird keine Genehmigung des Arbeitgebers notwendig. Die Elternzeit kann beendet werden, um den Mutterschutz in Anspruch zu nehmen.
  • Die Elternzeit abbrechen wegen Krankheit, aufgrund einer Behinderung, der Gefährdung der wirtschaftlichen Existenz oder durch den Tod eines Kindes oder eines Elternteils. In diesen Härtefällen kann die Elternzeit verkürzt werden. Der Arbeitgeber hat nur vier Wochen Zeit, dies unter schwerwiegenden betrieblichen Gründen schriftlich abzulehnen.

Elternzeit für Väter: Wenn die Elternzeit geteilt wird

Elternzeit für Väter wird immer mehr genutzt. Sonderregelungen gibt es kaum welche. Beide Elternteile können bis zu drei Jahre Elternzeit nehmen – gleichzeitig oder abwechselnd. Auch für den Vater gelten die gleichen Fristen zum Anmelden der Auszeit. Da die Mutter eine 8-wöchige Mutterschutzfrist hat, beginnt ihre Elternzeit erst acht Wochen nach der Geburt und kann somit ganz einfach zur Geburt angemeldet werden. Der Vater muss den Arbeitgeber mindestens sieben Wochen vor der Geburt informieren, falls er ab der Geburt seine Arbeit pausieren und beim Kind und der Mutter zu Hause bleiben möchte. Als Orientierung dient der sog. ET, der voraussichtliche Entbindungstermin. Auch der Vater hat die Möglichkeit die Elternzeit vorzeitig zu beenden, wenn ein weiteres Kind unterwegs ist. Auch hier gilt: Eine schriftliche Ablehnung des Arbeitgebers kann nur innerhalb von vier Wochen unter dringenden betrieblichen Gründen erfolgen.

Was ist Elterngeld?

Das Elterngeld unterstützt den Elternteil, der sich dafür entscheidet, ein Kind zu betreuen und zu erziehen und damit die eigene Anstellung vorübergehend aufgibt. Dabei werden 65-100% des durchschnittlichen monatlichen Einkommens aus dem Vorjahr durch den Wegfall aufgefangen. Dadurch eröffnen sich vielen Familien Freiräume und die Möglichkeit entsteht, dass beide Partner in Elternzeit gehen können – was immer mehr genutzt wird.

Elterngeld kann unter folgenden Voraussetzungen beantragt werden:

  • Das Kind wird von dem Elternteil betreut, erzogen und lebt im selben Haushalt: Das leibliche Kind, das Kind des Ehepartners oder Lebensgefährten, ein Adoptivkind und unter gewissen Bedingungen auch andere verwandte Kinder.
  • Der Wohnsitz befindet sich in Deutschland.
  • Während Elterngeld bezogen wird, übersteigt die Arbeitszeit die Teilzeitgrenze nicht.
  • Das Arbeitsverhältnis spielt für das Beziehen von Leistungen keine Rolle. Auch Selbstständige und Erwerbslose haben einen Anspruch.
  • Ob das Kind nur von einem oder von beiden Elternteilen erzogen wird, wird nicht als Faktor in die Berechnung mit einbezogen.

 

Nicht alle, denen Elterngeld zustehen würde, beantragen es auch. Dabei sind die Einkommensobergrenzen sehr hoch: Nur wer mindestens 500.000 Euro im Jahr verdient (bei Alleinerziehenden: 250.000 Euro), hat kein Anrecht auf Elterngeld. Alle anderen haben die Wahl aus mehreren Modellen: Elterngeld, ElterngeldPlus, Partnerschaftsbonus oder Elternzeit. Dabei variiert sowohl die Dauer als auch die Höhe des Elterngeldes – auch abhängig von der Frage, ob beide Elternteile die Elternzeit nutzen wollen oder nur die Mutter. Mit wie viel Geld im konkreten Fall gerechnet werden kann, kann mithilfe des Elterngeldrechners herausgefunden werden.

Elterngeld beantragen

Sind die grundlegenden Bedingungen erfüllt, kann ein Antrag auf Elterngeld nach der Geburt des Kindes beantragt werden. Da Elterngeld maximal drei Monate rückwirkend bezahlt wird, sollte der Antrag bestenfalls innerhalb der ersten drei Lebensmonate des Kindes erfolgen. Eingereicht werden kann dieser bei einer Elterngeldstelle vor Ort oder auch digital.

Notwendige Nachweise für den Antrag:

  • Die Geburtsurkunde des Kindes
  • Nachweise über das bisherige Einkommen der letzten 12 Monate. Bei Müttern vor dem Mutterschutz, bei Vätern vor der Geburt
  • Bescheinigungen der Krankenkasse über Mutterschaftsgeld nach der Geburt und des Arbeitgebers über Zuschüsse zum Mutterschaftsgeld
  • Für Selbstständige: Den letzten Steuerbescheid
  • Für Beamte und Soldaten: Bescheinigungen über Dienstbezüge während des Mutterschutzes und über Zuschüsse zu diesen Bezügen
  • Für privat Krankenversicherte eine Bescheinigung der Krankenversicherung über Krankentagegeld während des Mutterschutzes

 

Gut zu wissen: Trotz Elternzeit und Elterngeld bleibt die Krankenversicherung wie vorher bestehen.

Arbeiten während der Elternzeit: Ist das möglich?

In Teilzeit arbeiten ist trotz Elternzeit möglich. Der Elternteil, der sich in Elternzeit befindet, kann bis zu 30 Stunden wöchentlich zusätzlich arbeiten gehen. Ab dem 01.09.2021 erhöht sich diese Zeit auf 32 Stunden. Nehmen Vater und Mutter gleichzeitig eine Auszeit, können somit beide in Teilzeit arbeiten gehen, was folglich eine wöchentliche Arbeitszeit von 60 (bzw. 64) Stunden ermöglicht. Allerdings wirkt sich das Einkommen der Teilzeitstelle auf die Höhe des Elterngeldes aus, da verglichen wird, wie viel Einkommen der Elternteil vor und nach der Geburt monatlich zur Verfügung hat.

Mutterschutzgesetz: Kündigungsschutz für werdende Mütter

Das Mutterschutzgesetz gilt für alle werdenden Mütter in einem festen Arbeitsverhältnis und besagt eindeutig, dass schwangeren Mitarbeiterinnen nicht gekündigt werden darf. Es stärkt die Rechte und Chancen von Frauen und unterstützt sie dabei, keine Nachteile im Berufsleben zu erleiden. Dazu gehört auch, dass ihre Gesundheit oder die ihres Kindes während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht beeinträchtigt wird. Der Kündigungsschutz besteht vom ersten Tag der Schwangerschaft bis vier Monate nach der Geburt des Kindes – und das sogar während der Probezeit. Weitere Informationen hierzu bietet der Artikel: Als Schwangere in der Probezeit gekündigt – Was tun?

Um Kündigungsschutz für werdende Mütter zu beanspruchen, muss der Arbeitgeber über die Schwangerschaft informiert werden. Dabei kann es zu Überschneidungen von Kündigung und der Kenntnis einer Schwangerschaft kommen: Wichtig ist, den Arbeitgeber bis spätestens zwei Wochen nach der Kündigung schriftlich per Einschreiben oder mündlich vor Zeugen über die bestehende Schwangerschaft zu informieren. In Fällen von Krankheit oder Urlaub kann es zu einer Verlängerung dieser Frist kommen.

Zeitarbeits- oder Aufhebungsverträge enden trotz Schwangerschaft, denn hier wird keine Kündigung ausgesprochen. Sondergenehmigungen für eine Kündigung trotz Schwangerschaft werden nur in Ausnahmefällen erteilt, etwa bei schwerwiegendem Fehlverhalten der schwangeren Mitarbeiterin oder wenn der Betrieb stillgelegt werden soll. Und natürlich, wenn die werdende Mutter ihren Arbeitgeber nicht rechtzeitig über die Schwangerschaft informiert hat.

Wiedereinstieg nach Elternzeit: Zurück ins Berufsleben

Der berufliche Wiedereinstieg nach der Elternzeit ist möglich und vom Gesetz unter gewissen Bedingungen abgesichert. Außerdem besteht Anspruch auf eine Teilzeit-Beschäftigung. Das gilt übrigens generell für alle Arbeitnehmer, die schon mindestens sechs Monate lang in einem Unternehmen mit mindestens 15 Mitarbeitern beschäftigt sind – es sei denn, schwerwiegende betriebliche Gründe würden dagegensprechen.

Doch dieser Schritt will wohlüberlegt sein, denn Teilzeitstellen sind zumeist geringer qualifiziert und schlechter bezahlt, was sich natürlich auch negativ auf die Altersversorgung auswirkt. Und: Einmal in Teilzeit, haben die Betroffenen keinen Rechtsanspruch mehr auf ihre ehemalige Vollzeitstelle. Allerdings müssen sie, wenn ihr Arbeitgeber neue Vollzeitstellen besetzen will, bevorzugt berücksichtigt werden.

Mehr wissen? Dieser Artikel „Rückkehr nach Elternzeit“ behandelt das Thema ausführlich.

Rechte nach der Elternzeit

Was, wenn der Arbeitgeber direkt nach der Elternzeit kündigt oder den Teilzeit-Antrag ablehnt? Da hilft meist nur noch der Gang zum Anwalt. Aber wer kommt für diese Kosten auf? Die schlechte Nachricht lautet: Beim Arbeitsgericht gilt die aus anderen Fällen bekannte Regel nicht, dass die unterlegene Partei die Anwalts- und Gerichtskosten übernehmen muss. Das bedeutet, selbst wenn ein Arbeitnehmer einen Prozess vor dem Arbeitsgericht gewinnt, sind die Kosten zu tragen. Es sei denn, es wurde rechtzeitig eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Die zahlt übrigens auch, wenn es nicht zum Prozess kommt, sondern nur eine Rechtsberatung in Anspruch genommen wird.

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Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.