24.06.2021

Kinderfotos im Internet: Haben Kinder ein Recht am eigenen Bild?

Der eigene Nachwuchs wird eingeschult oder spielt vergnügt mit Freunden im Sandkasten: Viele Eltern zücken in solchen Momenten schnell ihr Handy, um den Augenblick festzuhalten. Bei der Bildveröffentlichung in sozialen Medien ist jedoch Vorsicht geboten. Auch Kinder haben ein Recht am eigenen Bild. Wie weit dies reicht, welche Rechte Fotografen haben und was im Falle einer Bildveröffentlichung ohne Einverständnis zu tun ist, fasst dieser Artikel zusammen.

Recht am eigenen Bild: Das sagt der Gesetzgeber

In Deutschland gilt das "Recht am eigenen Bild". Es ist Teil des "Rechts auf informationelle Selbstbestimmung" und ist in § 22 Kunsturheberrechtsgesetz (kurz: KunstUrhG / KUG) und § 23 KUG definiert. Demzufolge dürfen Bildnisse (beispielsweise Fotos) nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Als Verbreitung gilt die analoge Weitergabe oder digitalisierte Übertragung (zum Beispiel per WhatsApp) eines Bildes. Ein öffentliches zur Schau stellen findet dann statt, wenn das Bild für einen unbegrenzten Personenkreis sichtbar gemacht wird. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn es auf einer Webseite hochgeladen wird.

Ausnahmen gelten lediglich für:

  • Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte
  • Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk erscheinen
  • Bilder von Versammlungen, Aufzügen oder ähnlichen Vorgängen
  • Bildnisse, deren Vorbereitung oder Schaustellung einem höheren Kunstinteresse dient
     

Recht am eigenen Bild: StGB stellt heimliche Fotoaufnahmen unter Strafe

Der § 201a Strafgesetzbuch (kurz: StGB) definiert den Tatbestand einer „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“. Dieser wurde im Jahr 2014 verschärft. Der Paragraph §201a StGB stellt unerlaubte Bildaufnahmen von Personen, die sich in ihrer eigenen Wohnung oder einem besonders geschützten Raum befinden, unter Strafe. Als „geschützter Raum“ gelten Bereiche, die gegen die Umwelt und äußere Einblicke abgegrenzt sind, beispielsweise Umkleidekabinen und Kabinen in einem Sonnenstudio.

Persönlichkeitsrechte: Auch Kinder haben Mitspracherechte

Grundsätzlich liegt die Entscheidungsgewalt über die Verbreitung von Fotos bei den abgebildeten Personen. Das gilt auch bei der Veröffentlichung von Kinderfotos – jedoch mit Einschränkungen. Bei Kindern bis zu einem Alter von 6 Jahren sind die Erziehungsberechtigten allein entscheidungsbefugt darüber, ob ein Bild ihres Kindes veröffentlicht werden darf. Kinder zwischen 7 und 17 Jahren dürfen gemeinsam mit ihren Eltern entscheiden, ob ein Bild von ihnen veröffentlicht werden darf.

Wichtig in diesem Zusammenhang: Veröffentlichte Fotos von Kindern sind häufig Ursache für Cybermobbing im Internet. Erziehungsberechtigte sollten im Vorwege also genau überlegen, ob sie der Verbreitung eines Fotos zustimmen. So ist es beispielsweise denkbar, nur Bilder von hinten zu genehmigen oder das Gesicht des Kindes unkenntlich zu machen, um das Risiko zu minimieren.

Fotos von Kindern: Diese Rechte haben Fotografen

Nicht in allen Fällen müssen Erziehungsberechtigte oder Kinder einer Foto-Veröffentlichung zustimmen. Ist das Kind Teil einer größeren Menschenansammlung, darf ein Foto auch ohne Einwilligung der Eltern oder des abgebildeten Kindes gemacht werden. Das bedeutet: Bei Straßen- und Schulfesten darf fotografiert werden, ohne dass jede einzelne Person im Vorwege um Erlaubnis gefragt wird.

Auch bei einer Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen müssen Eltern und Kinder mit einer Fotoaufnahme rechnen – und diesen Umstand im Vorwege akzeptieren. Dies gilt beispielsweise bei Karnevalsumzügen, Sportveranstaltungen oder Konzerten.

Kinderfotos im Internet posten: Einverständnis einholen!

Das Recht, ein Foto von einem Kind zu machen, bedeutet nicht, dass dieses Bild auch veröffentlicht werden darf. Die Verbreitung bzw. das öffentliche zur Schau stellen ist ebenso genehmigungspflichtig, wie die Aufnahme selbst.

Fotografen sollten vor der Veröffentlichung von Kinderfotos grundsätzlich eine schriftliche Einverständniserklärung einholen. Diese muss den Sachverhalt möglichst präzise darstellen:

  • Wo und wie werden die Fotos veröffentlicht?
  • Können Dritte die Fotos kopieren und weiter nutzen?
  • Wie lange gilt das Einverständnis?
  • Ist die Erklärung widerrufbar?
  • Wie lange dauert es, die Bilder aus dem Netz zu entfernen, sofern das Einverständnis widerrufen wurde?


Kinderfotos ohne Einverständnis veröffentlicht – was nun?

Wird das Bild eines Kindes ohne dessen Zustimmung bzw. der Zustimmung seiner Eltern publiziert, können die Eltern die weitere Verwendung des Fotos verbieten. Dies geschieht mithilfe einer Abmahnung, die dem Fotografen zugestellt wird. Die Abmahnung beinhaltet üblicherweise die Aufforderung, eine Unterlassungserklärung i.S.d. §§ 823, 1004 BGB, 22 f. KUG abzugeben und entstandene Abmahn- und Anwaltskosten zu begleichen. Ferner steht dem Kind demnach auch ein Anspruch auf Löschung zu.

Stellt die Veröffentlichung des Bildes zudem eine schwerwiegende Verletzung der Rechte des Kindes dar, kommt unter Umständen ein Schadenersatz in Betracht (vgl. Urteil des LG Kiel, Az.: 4 O 251/05).

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Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.