28.09.2020

Corona-Krise – Auswirkung der Kurzarbeit auf Steuer und Rente

Aktuell erhalten rund 10 Millionen Arbeitnehmer das sogenannte Kurzarbeitergeld. Im Rahmen des Sozialschutzpaketes II wurden die Leistungen noch einmal aufgestockt. Jedoch hat der Bezug von Kurzarbeitergeld auch Auswirkungen auf die Steuererklärung und die spätere Rente. Welche dies sind, welche Rolle der Progressionsvorbehalt spielt und wie Arbeitnehmer ihr Kurzarbeitergeld optimieren können, klärt dieser Artikel.

Kurzarbeitergeld: Was ist das?

Wird ein Arbeitnehmer aufgrund der Corona-Krise in einem Unternehmen nicht mehr gemäß seiner vertraglich vereinbarten Arbeitszeit beschäftigt, kann dies als Kurzarbeit bei der Bundesagentur für Arbeit (kurz: BA) angemeldet werden. Aufgrund der Corona-Krise hat die Bundesregierung die Regelungen für die Kurzarbeit im Eilverfahren geändert. Sind mindestens 10 Prozent der Beschäftigten von einem Arbeitsausfall betroffen, kann das Unternehmen Kurzarbeitergeld beantragen. Die Höhe des Kurzarbeitergeldes richtet sich nach dem Netto-Entgeltausfall und wird vom Arbeitgeber direkt an den Arbeitnehmer gezahlt.

Sozialschutzpaket II: Das ist neu

Am 22. April 2020 verständigte sich die Koalition auf das sogenannte Sozialschutzpaket II. Dieses enthält im Wesentlichen folgende Maßnahmen:

Erhöhung des Kurzarbeitergeldes

Wer aufgrund einer um mindestens 50 Prozent reduzierten Arbeitszeit Kurzarbeitergeld bezieht, erhält ab dem 4. Monat fortan 70 Prozent des Lohnausfalls (bisher: 60 Prozent) erstattet. Für Haushalte mit Kind erhöht sich der Betrag auf 77 Prozent. Vor dem 4. Monat erhalten Betroffene 60 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts als Kurzarbeitergeld bzw. mit mindestens einem Kind 67 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts.

Ab dem 7. Monat wird ein Kurzarbeitergeld i.H.v. 80 Prozent (87 Prozent bei Haushalten mit Kindern) des Lohnausfalls gezahlt. Diese Regelung gilt vorerst bis zum 31. Dezember 2020.

Hinzuverdienst möglich

Im Rahmen des Sozialschutzpaketes II darf jeder Kurzarbeiter Geld hinzuverdienen – und zwar bis zur vollen Höhe des vorherigen Monatsgehalts. Diese Maßnahme gilt für alle Berufe bis zum 31. Dezember 2020.

Verlängerung des Arbeitslosengeldes

Für Bezieher von Arbeitslosengeld nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (kurz: SGB III), deren Anspruch zwischen dem 1. Mai und 31. Dezember 2020 auslaufen würde, wird das Arbeitslosengeld um drei Monate verlängert.

Folgen der Kurzarbeit: Was ist der Progressionsvorbehalt?

Zwar ist das Kurzarbeitergeld zunächst steuerfrei, es unterliegt jedoch dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Das bedeutet: Bei der Berechnung des Steuersatzes wird zunächst das zu versteuernde Einkommen ermittelt, welches aufgrund des Kurzarbeitergeldesgeringer als üblich ausfällt. Anschließend wird das Kurzarbeitergeld zum versteuernden Einkommen addiert. Die sich daraus ergebende Summe ist maßgeblich für den Steuersatz des Steuerpflichtigen, welcher durch die Zahlungen des Kurzarbeitergeldes höher ausfällt. Wer also Kurzarbeitergeld bezieht, muss sich darauf einstellen, im kommenden Jahr eine Steuererklärung machen und unter Umständen Steuern nachzahlen zu müssen.

Hinweis: Diese Regelung betrifft auch Ehepaare sowie eingetragene Lebenspartnerschaften, die zusammen veranlagt sind.

Kurzarbeit & Steuererklärung: Kurzarbeitergeld optimieren

Wer weiß, dass sein Arbeitgeber in naher Zukunft Kurzarbeit anmeldet, kann die Höhe der Leistung unter Umständen optimieren. So können Ehepartner durch einen rechtzeitigen Wechsel der Steuerklasse ihr Kurzarbeitergeld erhöhen – beispielsweise durch einen Wechsel in die Steuerklasse III. Dabei sind jedoch die Auswirkungen für den Ehegatten zu berücksichtigen. Muss dieser beispielsweise von Steuerklasse III in die Steuerklasse V wechseln, sinkt dessen Nettolohn erheblich.

Auch sollte der Kinderfreibetrag berücksichtigt werden. Um den erhöhten Kurzarbeitergeld-Satz i.H.v. 77 Prozent bzw. 87 Prozent (ab dem 7. Monat) zu erhalten, muss mindestens ein halber Kinderfreibetrag bei den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen hinterlegt sein.

Kurzarbeit: Auswirkung auf Rente

Das Kurzarbeitergeld hat Auswirkungen auf die Rentenbeitragszahlungen. Die Höhe der erforderlichen Beitragszahlungen fallen während der Kurzarbeit aufgrund des reduzierten Verdienstes geringer aus – und führen folglich zu verringerten Rentenzahlungen. Die tatsächlichen Einbußen sind jedoch gering.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer mit einem bisherigen monatlichen Verdienst i.H.v. 3.200 Euro brutto erhält während der Kurzarbeit lediglich ein Viertel seines Lohnes, also 800 Euro. Die Rentenversicherungsbeiträge werden wie folgt berechnet:

800 Euro + 80 Prozent x 2.400 Euro (Kurzarbeitergeld)= 2.720 Euro. Von diesem Betrag werden Rentenbeiträge in Höhe von 18,60 abgeführt.

Das bedeutet: Trotz eines Verdienstausfalls von 75 Prozent liegen die Einbußen bei den Rentenzahlungen bei lediglich ca. 15 Prozent.

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