13.12.2021

Schneechaos und Lawinengefahr im Skiurlaub: Das sind die Rechte von Reisenden

Verschneite Landschaften und perfekt präparierte Pisten: Viel Schnee im Winterurlaub ist eigentlich genau das, was sich Skiurlauber erhoffen. Doch bei der An- und Abreise können Schneemassen schnell zum Problem werden. Gesperrte Zufahrtsstraßen oder eingeschneite Hotels erschweren den Start in den Urlaub – oder machen ihn sogar gänzlich unmöglich. Welche Kosten Urlauber in solchen Fällen zurückverlangen können, fasst dieser Artikel zusammen.

Höhere Gewalt: Die allgemeine Rechtslage

Können Urlauber ihre gebuchte Reise aufgrund einer extremen Wetterlage nicht oder nur unter deutlich erschwerten Bedingungen durchführen, liegen rechtlich betrachtet sogenannte „unvermeidbare außergewöhnliche Umstände“ vor. Diese werden umgangssprachlich häufig auch als „höhere Gewalt“ bezeichnet.

Das gilt jedoch nur, sofern Urlauber und ihr Vertragspartner (z.B. ein Reiseveranstalter oder Hotel) diese Umstände nicht kontrollieren können. Zu den unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen zählen beispielsweise:

  • Naturereignisse, wie Vulkanausbrüche, Erdbeben oder Waldbrände
  • Kriege und flächendeckende politische Unruhen
  • Streiks von Fluglotsen
  • der Ausbruch einer gefährlichen Krankheit


Ob an einem Urlaubsort tatsächlich unvermeidbare außergewöhnliche Umstände vorliegen, können Urlauber kostenfrei beim Auswärtigen Amt erfragen. Denn: Ob die Durchführung einer Reise durch außergewöhnliche Umstände tatsächlich erheblich beeinträchtigt ist, hängt von der objektiven Lage vor Ort, nicht aber von der persönlichen Einschätzung des Urlaubers ab.

Skigebiet geschlossen: Kann der Urlaub vor Reiseantritt storniert werden?

Wer vor Reiseantritt Kenntnis von außergewöhnlichen Umständen am Urlaubsort erlangt, steht häufig vor der Frage: Kann ich den Urlaub kostenfrei stornieren? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, in welcher Form der Urlaub gebucht wurde.

Wurde ein Skiurlaub als Pauschalreise über einen Reiseveranstalter gebucht und ist der Urlaubsort beispielsweise eingeschneit, können Urlauber vom Reisevertrag vor Reiseantritt kostenfrei zurücktreten. Bereits im Voraus bezahlte Beträge können zurückverlangt werden.

Wurden Hotel und andere Leistungen als sogenannte Individualreise getrennt gebucht, hängen die Ansprüche von den jeweiligen Gesetzen des Landes ab, in welchem das Hotel bzw. der Sitz des Leistungserbringers liegt. Eine Stornierung ist dann nur entsprechend der Stornierungsbedingungen des Vertragspartners möglich.

Eingeschneit im Hotel: Wer muss die zusätzlichen Übernachtungen bezahlen?

Für Urlauber, die sich bereits am Urlaubsort befinden und ihre Rückreise aufgrund extremer Witterungsbedingungen nicht antreten können, gilt: Es müssen nur die Leistungen bezahlt werden, welche tatsächlich in Anspruch genommen werden – z.B. zusätzliche Übernachtungen.

Wurde der Skiurlaub als Pauschalreise mit anschließender Rückbeförderung gebucht, muss der Reiseveranstalter – sofern die Rückreise nicht möglich ist - die Kosten für bis zu drei zusätzliche Übernachtungen übernehmen. Dies gilt jedoch nicht für individuell gebuchte Unterkünfte. Hier sind Urlauber auf die Kulanz ihres Hoteliers angewiesen. Ein Anspruch auf Gratisübernachtungen oder einen Preisnachlass besteht jedoch nicht.

Lawinengefahr auf der Skipiste: Was gilt?

Häufig beeinträchtigen extreme Wetterlagen nicht nur die An- und Abreise, sondern auch die Benutzung der örtlichen Skipisten. Müssen einzelne Pisten oder ein gesamtes Skigebiet wegen akuter Lawinengefahr schließen, haben Urlauber keinen Anspruch auf Rückerstattung – beispielsweise für die Kosten eines Skipasses.

Der Grund: Weder Reiseveranstalter noch Betreiber von Liftanlagen können für das Wetter garantieren. Entsprechend begründen witterungsbedingte Betriebseinstellungen von Liftanlagen oder Skipisten keinen Anspruch auf Rückerstattung oder Gültigkeitsverlängerung eines Skipasses.

Flug- oder Zugausfall wegen Schnee: Erstattungen möglich

Das gilt für Flugausfälle

Muss ein gesamter Flughafen wegen Schnee oder Eisglätte gesperrt werden, liegen außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vor. Folglich haben Reisende keinen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung. Aber: Trägt die Fluggesellschaft eine Mitschuld, haben Urlauber Anspruch auf eine Ausgleichszahlung – und unter Umständen auf Schadenersatz. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Fluggesellschaft das Flugzeug nicht rechtzeitig enteist hat und der Flug deshalb ausfällt. Welcher Entschädigungsanspruch dann besteht, zeigt der DEURAG Flugastentschädigungsrechner.

Das gilt für Zugausfälle

Fällt ein Zug aufgrund von Witterungsbedingungen aus, können Reisende auf einen anderen Zug ausweichen. Bei großen Verspätungen steht Urlaubern eine anteilige oder gänzliche Rückerstattung des Fahrpreises zu.

In diesem Zusammenhang wissenswert: Welche Rechte haben Fahrgäste bei Bahnreisen?

Im Urlaub eingeschneit: Arbeitsrecht sieht Pflichten für Arbeitnehmer vor

Ein Grundsatz im Arbeitsrecht lautet: Lohn gibt es nur für Arbeit. Wer unverschuldet zu spät aus dem Urlaub wiederkommt, hat keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Allerdings sieht das Gesetz für derartige Fälle auch keine Strafe vor. Eine Abmahnung oder gar Kündigung sind unzulässig. Diese wären nur zulässig, sofern der Arbeitnehmer seine arbeitsvertraglichen Pflichten schuldhaft verletzt.

Zu den arbeitsvertraglichen Pflichten zählt beispielsweise die Pflicht, den Arbeitgeber rechtzeitig über die verspätete Rückkehr zu informieren. Eine Bestätigung des Hoteliers oder Reiseveranstalters hilft im Zweifelsfall, die äußeren Umstände zu beweisen. Darüber hinaus sind Arbeitnehmer verpflichtet, sich um alternative Rückreisemöglichkeiten zu bemühen. Wer beispielsweise einen Rückflug gebucht hat, kann stattdessen mit dem Zug zurückreisen, um die Verspätung der Rückkehr zum Arbeitsplatz so gering wie möglich zu halten.

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