30.06.2020

Mehrwertsteuersenkung während Corona – Auswirkungen auf Unternehmer und Verbraucher

Am 3. Juni 2020 hat sich der Koalitionsausschuss auf eines der umfangreichsten Konjunkturpakete in der Geschichte der Bundesrepublik geeinigt. Mithilfe des sogenannten Marshallplans 2.0 und einer damit verbundenen Mehrwertsteuersenkung soll die deutsche Wirtschaft angekurbelt und die Kauflaune der Verbraucher erhöht werden. Doch welche Anpassungen beinhaltet die MwSt.-Senkung genau? Was bedeutet sie für Unternehmen und Verbraucher und was müssen Unternehmer jetzt tun, um die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen?

Konjunkturpaket: Die Mehrwertsteuersenkung im Detail

Die Mehrwertsteuersenkung sieht eine Reduzierung des regulären Umsatzsteuersatzes von 19 Prozent auf 16 Prozent vor. Gleichzeitig sinkt der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 Prozent auf 5 Prozent. Die Mehrwertsteuersenkung gilt für alle Unternehmen und tritt am 1.7.2020 in Kraft. Das Konjunkturpaket ist bisher auf einen Zeitraum von 6 Monaten begrenzt – also bis zum 31.12.2020. Sollte die Mehrwertsteuersenkung die Konjunktur deutlich verbessern, ist es denkbar, dass sie auch über den Jahreswechsel hinaus bestehen bleibt.

Senkung der Mehrwertsteuer: Wer profitiert?

Von der Mehrwertsteuersenkung haben Unternehmer und Verbraucher gleichermaßen etwas. Bisher ist jedoch nicht abzusehen, in welcher Höhe sie profitieren. Der Grund: Unternehmen dürfen frei entscheiden, ob und in welcher Höhe sie die Steuersenkung an den Kunden weitergeben. Hier sind also drei Szenarien denkbar:

Vollständige Weitergabe der Steuersenkung an den Kunden

Wird die Senkung der Mehrwertsteuer vollständig an die Verbraucher weitergegeben, werden Produkte bzw. Leistungen eines Unternehmers für den Kunden um 3 Prozent günstiger. Auf diese Weise steigt der Anreiz, mehr oder früher zu kaufen. In diesem Fall profitieren der Unternehmer (aufgrund der höheren Verkaufszahlen) als auch der Verbraucher (aufgrund der reduzierten Preise).

Keine Weitergabe der Steuersenkung an den Kunden

Unternehmen können die Steuersenkung „einbehalten“ und ihre Preise unverändert lassen. Die einbehaltenen 3 Prozent des regulären Umsatzsteuersatzes erhöhen zwar den Gewinn des Unternehmens, der Kunde profitiert von der Steuersenkung in diesem Fall jedoch nicht.

Teilweise Weitergabe der Steuersenkung an den Kunden

Entscheidet sich ein Unternehmen dazu, nur einen Teil der Mehrwertsteuersenkung an die Verbraucher weiterzugeben, profitieren sowohl das Unternehmen als auch seine Kunden. Durch die Preissenkung steigt der Kaufanreiz und das Unternehmen erhöht seinen Gewinn durch die anteilige Einsparung der regulären Umsatzsteuer.

Mehrwertsteuersenkung in Deutschland: Was müssen Unternehmen jetzt tun?

Für Unternehmen bedeutet die Mehrwertsteuersenkung einen enormen Verwaltungsaufwand. Sie müssen – sofern die Steuersenkung an die Kunden weitergegeben werden soll – die Preise sämtlicher Produkte neu auszeichnen sowie Kassensysteme und Buchführungsprogramme entsprechend ändern. Zudem müssen (je nach Betrieb):

  • Etiketten
  • Kataloge und Flyer
  • Briefpapiere und Rechnungsformulare

 

an die neuen Steuersätze angepasst werden.

Hinweis: Unternehmen, die nach dem 1.7.2020 weiterhin 19 Prozent statt der gesetzlich vorgesehenen 16 Prozent Mehrwertsteuer erheben, verstoßen unter Umständen gegen die Preisangabenverordnung und machen sich eines wettbewerbswidrigen Verhaltens strafbar.

Preisanpassungen wegen Umsatzsteuersenkung 2020: Ausnahmen möglich

Nicht alle Unternehmen sind in der Lage, ihre Preise aufgrund der Umsatzsteuersenkung anzupassen. So gelten z.B. bei Telefon- und Energieverträgen häufig festgelegte Nettopreise, auf welche die Mehrwertsteuer aufgeschlagen wird. Diese Nettopreise bleiben auch nach dem Start des Konjunkturpaketes gültig, jedoch ändert sich der MwSt.-Aufschlag von 19 Prozent auf 16 Prozent. Auch Unternehmen, die ihren Kunden bereits vor dem Start des Konjunkturpaketes ein verbindliches Angebot gemacht haben, können die Nettopreise in der Regel nicht mehr ändern und müssen lediglich die Höhe der Mehrwertsteuer anpassen.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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