27.01.2022

Pauschalreise und Corona: Diese Rechte haben Reisende

Flug, Hotel und Ausflüge: Alles in einem Paket. Wer sich für eine Pauschalreise entscheidet, bucht mehrere Reiseleistungen bei ein und derselben Reiseorganisation. Das bietet Planungssicherheit, birgt jedoch auch Risiken. Denn was ist, wenn eine Einzelleistung nicht zur Zufriedenheit des Reisenden ausfällt – beispielsweise, weil sich der Flug verspätet oder das Hotelzimmer nicht der gebuchten Kategorie entspricht? Dieser Artikel klärt über die Rechte & Pflichten von Pauschalreisenden auf. Ebenfalls wissenswert: Was gibt es bei Pauschalreisen in Corona-Zeiten zu beachten?

Das Pauschalreiserecht: Was ist das?

Unter das Pauschalreiserecht fallen vorrangig Reisen, die aus mindestens zwei Hauptreiseleistungen bestehen. Das können beispielsweise Flug und Hotel sein. Aber auch Tagesreisen gelten rechtlich als Pauschalreise, sofern sie mehr als 500 Euro kosten. Wurde eine Reise aufgrund eines bestimmten Ereignisses (z.B. eines Konzertes) gebucht, zählt die Reise als Pauschalreise, wenn der Ticketpreis mehr als 25 Prozent des Reisepreises entspricht.

Im Rahmen einer Pauschalreise stehen Reisenden im Mängelfall folgende Rechte zu:

Rechte bei Reisemangel

Wer eine Pauschalreise über eine Reiseorganisation bucht, geht mit dieser einen Vertrag ein. Bei Reisemängeln – beispielsweise bei einer Baustelle am Hotel oder einem nicht dem angebotenen Standard entsprechenden Zimmer – haben Reisende einen Anspruch auf Mängelbeseitigung durch die Reiseorganisation. Mängel sollten zunächst durch Fotos oder Videoaufnahmen dokumentiert und anschließend der Reiseorganisation mitgeteilt werden. Wird der Mangel nicht während der Reise behoben, können Reisende eine Minderung des Reisepreises fordern. Wie hoch diese ausfällt, hängt vom Einzelfall ab. Eine erste Orientierung zur Berechnung von Reisepreisminderungen bietet die Frankfurter Tabelle.

Geldrückerstattung bei Flugverspätung

Ist ein Flug Teil einer Pauschalreise und verspätet sich der Abflug um mehr als 4 Stunden, können Reisende für jede weitere Stunde der Verspätung eine Rückerstattung von rund 5 Prozent des Tagespreises verlangen. Eine Entschädigung ist auch möglich, wenn Reisende erst mit einer Verspätung von mindestens 3 Stunden am Zielflughafen ankommen, oder der Flug gänzlich gestrichen wurde.

Detaillierte Informationen zur Geldrückerstattung bei Flugverspätungen liefert der DEURAG Fluggastentschädigungsrechner.

Rechte bei einer Preiserhöhung

Der Reisepreis darf bis 20 Tage vor Reisebeginn um bis zu 8 Prozent erhöht werden, sofern diese Möglichkeit vertraglich vereinbart wurde. Schöpft der Reiseveranstaltende die 8 Prozent voll aus, können Reisende dieses Angebot annehmen oder kostenfrei vom Reisevertrag zurücktreten.

Reiserücktritt

Die Stornierung einer Pauschalreise ist bis zum Abreisetag möglich. Allerdings werden für eine kurzfristige Stornierung häufig Stornokosten fällig. Um die Stornokosten zu umgehen, können Reisende ihre Pauschalreise bis spätestens 7 Tage vor Reisebeginn auf eine andere Person übertragen. Diese Frist kann – je nach Reiseorganisation – auch kürzer ausfallen.

Preisnachlass bei Gepäckverlust

Erreicht das Gepäck den Urlaubsort nicht oder nur mit großer Verspätung, liegt ein Reisemangel vor. Reisende haben für jeden Urlaubstag ohne Gepäck Anspruch auf einen Nachlass auf den anteiligen Reisepreis. Geht das Gepäck gänzlich verloren, hat die veranstaltende Organisation dem Reisenden seinen Schaden zu ersetzen. Voraussetzung: Den Reisenden trifft kein Verschulden.

Ist der Flug nicht Teil einer Pauschalreise, haftet bei Gepäckverlust die Fluggesellschaft für den entstandenen Schaden.

Insolvenz der Reiseorganisation

Wer eine Pauschalreise bucht, ist gem. § 651r BGB gegen Insolvenz der Reiseorganisation versichert. Die Versicherung zahlt das Geld zurück, sofern die Reise nicht angetreten wurde bzw. übernimmt die Kosten für die Heimreise.

Pauschalreise bei Corona: Was gibt es zu beachten?

Reisehinweise und Reisewarnungen

Wer in Corona-Zeiten eine Pauschalreise plant, sollte zunächst die Reisehinweise und Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes beachten.

Ein Reisehinweis informiert Reisende über die Besonderheiten eines Landes und die relevanten Einreise- sowie Zollbestimmungen. Eine Reisewarnung hingegen warnt vor der Einreise in ein bestimmtes Land, wenn für Reisende eine konkrete Gefahr für Leib und Leben besteht. Das hat zur Folge, dass Reisende unter Umständen kostenfrei von einer Pauschalreise zurücktreten können, sofern die Reisewarnung nach Reisebuchung ausgesprochen wurde. Gemäß § 651h III 1 BGB steht der Reiseorganisation bei Reiserücktritt keine Entschädigung (Stornokosten) zu, wenn unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände die Durchführung der Pauschalreise erheblich beeinträchtigen. Derzeit bestätigt die aktuelle Rechtsprechung, dass bei Vorliegen einer Reisewarnung ein Recht auf einen kostenfreien Reiserücktritt besteht.

Darüber hinaus sollten Reisende die Einschränkungen durch Corona einkalkulieren. Möglicherweise können nicht alle Angebote der Pauschalreise in vollem Umfang genutzt werden. Typische Beispiele sind das Schwimmbad eines Hotels, die Nutzung des Restaurants oder bestimmte Programmpunkte der Pauschalreise.

Versicherungsschutz im Krankheitsfall

Von großer Bedeutung ist in Pandemiezeiten der Versicherungsschutz im Krankheitsfall. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Behandlung in einem EU-Mitgliedsland sowie in Ländern mit Sozialversicherungsabkommen. Sie erstatten jedoch nur Behandlungen in der Höhe, welche im Urlaubsland versicherten Personen zustünden. Ein Krankenrücktransport nach Deutschland wird nicht übernommen. Reisende sollten daher im Vorwege eine Auslandsreise-Krankenversicherung abschließen, welche Behandlungs- und Medikamentenkosten sowie den Rücktransport abdeckt.

Quarantäne bei Reise-Rückkehr

Wichtig: Reise-Rückkehrer aus einem Hochrisiko- oder Virusvariantengebiet müssen laut Coronavirus-Einreiseverordnung in Quarantäne. Dies ist bei der Urlaubsplanung zu berücksichtigen und Arbeitgebenden mitzuteilen.

Checkliste: Planung einer Pauschalreise in Zeiten von Corona

  • Reisehinweise und Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes
  • Einreisebestimmungen & Quarantäneregelungen des Urlaubslandes recherchieren
  • über Reiserechte in Corona-Zeiten informieren
  • Einschränkungen einkalkulieren
  • Stornierungsoption hinzubuchen, sofern möglich
  • Auslandsreise-Krankenversicherung abschließen

Reise-Tipp

Reise-Rechtsschutz

Ob Erholungsurlaub am Strand, Städtetrip oder Aktivurlaub in den Bergen: Auch unterwegs können Sie in Streitigkeiten verwickelt werden. Gut, wenn Sie im Urlaub einen Reise-Rechtsschutz mit im Gepäck haben.

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