27.03.2020

Reiserechte Corona-Virus – Diese Rechte haben Reisende

Die weltweite Verbreitung des Corona Virus stellt private Reisepläne in Frage. Viele Länder haben bereits Einreiseverbote erlassen, zudem sind viele Flug- und Bahnverbindungen gestrichen. Reisende fragen sich: Soll ich meinen gebuchten Urlaub überhaupt noch antreten? Welches Handeln die Bundesregierung empfiehlt, wann Reisen kostenfrei storniert werden können und was gilt, wenn Urlauber bereits unterwegs sind, fasst dieser Artikel zusammen.

Weltweite Reisewarnung: Empfehlungen der Bundesregierung

Die Bundesregierung warnt aktuell vor allen nicht notwendigen, touristischen Reisen in das In- und Ausland bis mindestens Ende April 2020. Im Ausland befindliche Touristen sollten bestehende Flüge und Bahnfahrten für eine schnellstmögliche Rückreise nach Deutschland nutzen. Existieren keine Rückreisemöglichkeiten, so sollten Betroffene sich im Rückreiseprogramm der Bundesregierung registrieren.

Wer sich derzeit noch im Ausland befindet, ist angehalten, sich über die Reise- und Sicherheitshinweise zu informieren, Kontakt zum Reiseveranstalter sowie zur Fluggesellschaft aufzunehmen und sich in die Krisenvorsorgeliste Elefand einzutragen. Diese sorgt dafür, dass Reisende im Bedarfsfall leichter in erforderliche Maßnahmen der Krisenvorsorge des Auswärtigen Amtes einbezogen werden.

Weltweite Reisewarnung: Inlandsreise, Individualreise oder Pauschalreise stornieren

Pauschalreisen

Wer eine Pauschalreise ins Ausland gebucht hat, kann von dieser kostenfrei zurücktreten, wenn die Durchführung der Reise beziehungsweise die Anreise durch sogenannte unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände erheblich beeinträchtigt wird. Schließt das Zielland beispielsweise seine Grenzen, kann der Reiseveranstalter die Pauschalreise nicht mehr durchführen – eine kostenlose Stornierung ist möglich. Wichtig: Die außergewöhnlichen Umstände müssen zum Zeitpunkt der Reise tatsächlich vorliegen oder zum Zeitpunkt der Stornierung in einem hohen Maße wahrscheinlich sein.

Wer nach Mitte März 2020 bei Gültigkeit der aktuellen Reisewarnungen einen Urlaub gebucht hat, kann sich im Falle einer Stornierung nicht mehr auf unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände berufen, sofern die Regelungen in der Zwischenzeit nicht verschärft wurden. Die Folge: Die vertraglich vereinbarten Stornierungskosten müssen aller Wahrscheinlichkeit nach gezahlt werden.

Individualreisen

Eine ähnliche Regelung gilt bei Individualreisen. Wer eine individuell gebuchte Unterkunft aufgrund der Grenzbeschränkungen nicht nutzen kann, muss diese auch nicht bezahlen. Dieser Grundsatz greift auch bei Flugreisen, die aufgrund von Ein- bzw. Ausreisebeschränkungen nicht angetreten werden können.

Achtung: Die Grundlage für o.g. Regelung ist das deutsche Recht. Reiseverträge, welche direkt mit einem Eigentümer im Ausland gebucht wurden, fallen in das dortige Recht und führen ggf. zu einer anderen rechtlichen Beurteilung.

Reisen innerhalb Deutschlands

Bei einer Reise innerhalb Deutschlands gelten dieselben Stornierungsvoraussetzungen wie bei einer Auslandsreise. Zur Beurteilung, ob eine Reise wegen unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen kostenfrei storniert werden kann, sollten Betroffene die Informationen des Auswärtigen Amtes und anderer zuständiger Behörden nutzen.

Unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände, die zu einer kostenlosen Stornierung berechtigen, liegen vor:

 

Hinweis: Existiert eine behördliche Anordnung, Übernachtungsgebote im Inland nur noch zu notwendigen und nicht zu touristischen Zwecken zu nutzen, sind Reiseveranstalter von sich aus gezwungen, entsprechende Reiseverträge zu kündigen und den Reisepreis zu erstatten.

Reiserechte: Muss man einen Reisegutschein akzeptieren?

Nein. Gemäß § 651h Abs. 5 BGB ist der Reiseveranstalter zur Rückerstattung des Reisepreises verpflichtet. In welcher Form – also ob per Barzahlung, Überweisung oder Gutschein – die Rückerstattung akzeptiert wird, liegt grundsätzlich im Ermessen des Kunden.

Corona Reisen: Was gilt, wenn Urlauber bereits unterwegs sind?

Reisende, die ihren Urlaub aufgrund von Angst vor einer Ansteckung abbrechen möchten, müssen die Kosten für die Stornierung bzw. die Unterkunftskosten abzüglich der ersparten Aufwendungen zunächst einmal selbst tragen.

Ein Recht auf Preisminderung besteht lediglich dann, wenn es bei der Durchführung der Reise zu Mängeln kommt. Die gesetzliche Grundlage bildet der § 651i BGB. Können also beispielsweise einzelne Sehenswürdigkeiten aufgrund der aktuellen Corona-Krise nicht besucht werden, oder fallen wichtige Zwischenverbindungen aus, so dass der Reisende eine bestimmte Region gar nicht besuchen kann, hat der Reisende Anspruch auf Schadenersatz. Dies gilt auch, wenn den Veranstalter kein Verschulden trifft. Unser Tipp: Eine zuverlässige Reiserechtsschutz-Versicherung hilft Betroffenen bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche.

Durch Coronavirus in Quarantäne: Wer kommt für die Kosten auf?

Muss der Aufenthalt im Urlaubsland aufgrund einer angeordneten Quarantäne verlängert werden, entstehen zusätzliche Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Wer diese Kosten tragen muss, ist rechtlich derzeit nicht geklärt. Auch die Kostenübernahme für den Fall, dass Reisende ihren Urlaub gar nicht erst antreten können, weil sie zu Hause unter Quarantäne gestellt wurden, ist unklar.

Reisen und Corona: Auslandskrankenversicherung bei Corona Virus

Wer während eines Urlaubs im Ausland erkrankt, hat Anspruch auf die Erstattung der Behandlungs- und Medikamentenkosten durch seine Auslandskrankenversicherung. Wichtig: Die Versicherung muss vor Reisebeginn abgeschlossen worden sein.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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