21.12.2020

Selbstständig und berufsunfähig – Was nun?

Statistisch gesehen wird – je nach Altersgruppe und Geschlecht – jeder dritte Deutsche im Laufe seines Arbeitslebens berufsunfähig. Vor allem für Selbstständige stellt eine Berufsunfähigkeit ein existenzbedrohendes Risiko dar. Ohne Arbeit kein Einkommen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz: BU-Versicherung) springt im Fall der Fälle ein. Doch für wen lohnt sich eine solche Versicherung? Welche Fallstricke im Vertrag gilt es zu beachten und welche alternativen Versicherungen sind für Selbstständige zu empfehlen?

BU-Versicherung: Für wen lohnt sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für jeden Selbstständigen wichtig. Wer als Selbstständiger nicht gesetzlich pflichtversichert ist, hat im Falle einer Berufsunfähigkeit keinen Anspruch auf die Zahlung einer Erwerbsminderungsrente. Ausnahme: Der Selbstständige hat freiwillig Rentenversicherungsbeiträge einbezahlt. Allerdings gleicht die Erwerbsminderungsrente den durch die Berufsunfähigkeit erlittenen Verdienstausfall üblicherweise nicht vollständig aus.

Zudem ist zu berücksichtigen, dass eine Berufsunfähigkeit häufig mit hohen Zusatzkosten – beispielsweise für Therapien und Medikamente – einhergeht. Diese Kosten belasten das ohnehin geschmälerte Budget eines Selbstständigen zusätzlich. Wer über eine Berufsunfähigkeitsversicherung verfügt, kann sich zunächst vollständig auf seine Regeneration konzentrieren und anschließend (sofern möglich) wieder ins Arbeitsleben zurückkehren.

Ab wann ist man berufsunfähig?

Als berufsunfähig gilt, wer infolge von Krankheit, Unfall oder Körperverfall außerstande ist, seine gewohnte Arbeitstätigkeit auszuüben. Der Begriff „Krankheit“ ist dabei weit gefasst. Neben körperlichen und psychischen Krankheiten können auch vermeintlich kleinere Gebrechen eine Berufsunfähigkeit begründen. Beispielsweise dann, wenn ein Berufskraftfahrer unter Rückenschmerzen leidet, welche ihm ein längeres Sitzen und damit die Ausübung seiner Arbeitstätigkeit unmöglich machen.

Viele Versicherer leisten erst, wenn der Versicherte seinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann. Faustformel: Wer in seinem aktuellen Beruf nur noch maximal 50 Prozent der vorher geleisteten Arbeit bewältigen kann, gilt als berufsunfähig. Als Grundlage für die Bewertung werden üblicherweise die durchschnittlichen Wochenarbeitsstunden herangezogen. Wenn ein Selbstständiger regulär 40 Stunden pro Woche arbeitet, aber durch eine körperliche Einschränkung nur noch 20 Stunden tätig sein kann, gilt er als berufsunfähig.

Wichtig: Voraussetzung für eine Berufsunfähigkeit ist, dass dem Versicherten eine voraussichtlich dauernde Berufsunfähigkeit ärztlich attestiert werden muss. Wie lange der Zeitraum der prognostizierten Berufsunfähigkeit sein muss, damit die BU-Versicherung zahlt, unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter. In älteren Versicherungspolicen ist häufig ein 3-Jahres-Zeitraum festgelegt, neuere Verträge sehen üblicherweise einen Zeitraum von 6 Monaten vor.

Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige: Fallstricke beachten!

Bei der Auswahl der BU-Versicherung sollten Selbstständige einige vertragsrechtliche Aspekte beachten.

Verzicht auf abstrakte Verweisung

Die sogenannte abstrakte Verweisung befreit den Versicherer von Zahlungspflichten, sofern der Versicherte zwar in seiner bisherigen Tätigkeit berufsunfähig ist, aber eine andere, vergleichbare Tätigkeit ausüben könnte. Dies gilt auch dann, wenn der Arbeitsmarkt für den Versicherten keine solche Stelle hergibt – es reicht aus, dass die vergleichbare Tätigkeit „abstrakt“ vorstellbar ist.

Flexible Anpassung möglich

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte flexibel anpassbar sein. Auf diese Weise kann der Selbstständige seinen Versicherungsschutz individuell auf seine Lebensumstände und etwaige Veränderungen im Beruf abstimmen. Wichtig ist vor allem, dass sich die Rente erhöhen lässt – z.B. bei einer Heirat, der Geburt eines Kindes oder beim Kauf eines Eigenheims.

Verkürzter Prognosezeitraum

Einige Versicherer verlangen eine ärztliche Prognose von 24 Monaten oder mehr, damit der Selbstständige eine Berufsunfähigkeit geltend machen kann. Ein solch langer Zeitraum ist für den Versicherten nachteilig. Der vereinbarte Prognosezeitraum liegt üblicherweise zwischen 6 und 12 Monaten.

Weltweiter Schutz

Viele Selbstständige sind auch im Ausland unterwegs. Passiert hier ein Unfall, der zu einer Berufsunfähigkeit führt, leistet ein Versicherer nur dann, wenn im Vertrag ein weltweiter Schutz vereinbart wurde.

Familienbonus nutzen

Statistisch gesehen werden Selbstständige mit Familie seltener berufsunfähig. Aus diesem Grund bieten einige Versicherer einen Familienbonus an, durch welchen die Beiträge deutlich sinken.

Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Eine vollwertige Alternative zu einer BU-Versicherung gibt es nicht, denn keine andere Versicherung deckt dieselben Risiken ab. Für wen eine Berufsunfähigkeitsversicherung jedoch unbezahlbar ist oder wer aufgrund der strengen Gesundheitsprüfung Schwierigkeiten hat, einen guten Anbieter zu finden, kann sich mit einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung absichern. Der Unterschied: Während eine BU-Versicherung bereits dann leistet, wenn der Versicherte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in seinem bisherigen Beruf arbeiten kann, leistet eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung erst, wenn der Versicherungsnehmer gar nicht mehr oder nur noch teilweise arbeiten kann – unabhängig, in welchem Beruf.

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Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.