18.11.2019

Sommerreifen im Winter – Ist das zulässig?

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen fallen, sollten Autofahrer ihr Auto winterfest machen. Dazu zählt nicht nur das Auffüllen mit Frostschutzmittel und die Überprüfung der Batterie, sondern auch die Auswahl der richtigen Bereifung. Doch warum sind bei winterlichen Wetterlagen besondere Reifen erforderlich? Ab wann sollte auf Winterreifen gewechselt werden und welche Strafen drohen im Falle einer Missachtung der Winterreifenpflicht? Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen.

Winterreifenpflicht in Deutschland: die aktuelle Rechtslage

Seit 2010 gilt in Deutschland die situative Winterreifenpflicht. Sie verpflichtet Autofahrer bei winterlichen Witterungsverhältnissen auf eine wintertaugliche Bereifung ihres Fahrzeuges zu achten. Doch was genau sind „winterliche Witterungsverhältnisse“? Diese sind in § 2 Abs. 3a Satz 1 und 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO) wie folgt definiert:

  • Glatteis
  • Schneeglätte
  • Schneematsch
  • Eisglätte
  • Reifglätte

 

Als wintertaugliche Bereifung gelten gem. § 36 Abs. 4 StVZO ausschließlich Reifen, die über das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) nach Regelung Nr. 117 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa verfügen. M+S-Reifen, sogenannte Allwetter-Reifen, ohne Alpine-Symbol gelten demnach nicht als wintertaugliche Bereifung. Ausnahme: M+S-Reifen, die vor dem 31.12.2017 hergestellt wurden, dürfen bis zum 30. September 2024 als Winterreifen gefahren werden.

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Profil und Gummimischung: Die Unterschiede zwischen Sommer- und Winterreifen

Viele Autofahrer fragen sich: Warum sind Sommerreifen nicht für den Winterbetrieb geeignet? Das liegt vor allem an ihrer harten Gummimischung. Fällt die Temperatur unter die Sieben-Grad-Marke, beginnt das Material in den meisten Sommerreifen zu verhärten. Ein verschlechterter Grip sowie ein daraus resultierender verlängerter Bremsweg sind die Folge.

Winterreifen hingegen verfügen über einen erhöhten Anteil an Naturkautschuk im Material und bleiben auch bei niedrigen Temperaturen flexibel. Zudem sind Winterreifen mit einem Lamellenprofil ausgestattet, das die Haftung des Reifens bei Eis und Schnee erhöht und auf diese Weise der Gefahr des Traktionsverlustes entgegenwirkt.

Sanktionen: Sommerreifen im Winter können teuer werden

Werden bei winterlichen Witterungsbedingungen Sommerreifen genutzt, drohen Autofahrern empfindliche Strafen. Das Fahren mit Sommerreifen im Winter hat gemäß der Bußgeld-Katalog-Verordnung (BKatV) ein Bußgeld von mindestens 60 Euro zur Folge. Hat die untaugliche Bereifung des Fahrzeuges eine Behinderung für den Verkehr zur Folge, erhöht sich das Bußgeld auf 80 Euro, bei einer Verkehrsgefährdung werden sogar 100 Euro fällig. Für alle genannten Verstöße erhalten Autofahrer zusätzlich zum Bußgeld einen Punkt im Verkehrszentralregister in Flensburg.

Achtung: Zukünftig können Sie auch als Halter eines Fahrzeuges ohne wintertaugliche Bereifung zur Kasse gebeten werden. Die sogenannte Halterhaftung greift beispielsweise dann, wenn Eltern ihrem Nachwuchs das Auto leihen und sieht bei einem Verstoß gegen die Winterreifenpflicht ein Bußgeld in Höhe von 75 Euro sowie einen Punkt in Flensburg vor. Unter Umständen wird die Nutzung von Sommerreifen im Winter also doppelt teuer.

Sommerreifen im Winter: Versicherung kann Zahlung verweigern

Wer bei winterlichen Wetterlagen mit Sommerreifen unterwegs ist und einen Unfall verursacht, kann auf Schwierigkeiten mit der Versicherungsgesellschaft stoßen.

Zwar zahlt die Kfz-Haftpflichtversicherung auch dann, wenn der Unfallverursacher mit einer untauglichen Bereifung gefahren ist, allerdings kann die Benutzung von Sommerreifen bei winterlichen Straßenverhältnissen als Mitverschulden gewertet werden. In diesem Fall wird der Unfallverursacher in Regress genommen.

Auch Vollkasko-Versicherten droht im Falle eines Unfalls eine Mithaftung. Wird eine grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen, bleiben Autofahrer auf einem Teil der Reparaturkosten oder sogar auf dem gesamten Betrag sitzen. Nach § 276 Abs. 2 BGB handelt grob fahrlässig, wer in außergewöhnlichem Maß gegen die Verkehrsgebote verstößt und naheliegende Überlegungen gar nicht erst macht. Wer also ohne Winterreifen in ein stark verschneites Skigebiet fährt, dem wird mit hoher Wahrscheinlichkeit grobe Fahrlässigkeit unterstellt.

Unser Tipp: Fahrlässiges Verhalten ist nicht in jedem Fall eindeutig. Betroffene sollten sich im Fall der Fälle unbedingt von einem Rechtsbeistand beraten lassen, um Ihren Einzelfall präzise zu erörtern. Eine zuverlässige Verkehrsrechtsschutzversicherung hilft bei der Suche nach einem kompetenten Anwalt.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.