11.11.2019

Steuern für Selbstständige: Das müssen Sie wissen

Während bei Angestellten der Arbeitgeber mit der Einkommenszahlung anfallende Steuern und Sozialabgaben entrichtet, müssen Selbstständige eigenständig Steuern abführen. Sie unterliegen jedoch nicht nur der Einkommensteuerpflicht, auch Gewerbe-, Umsatz- und Körperschaftssteuer sind zu begleichen. Doch was verbirgt sich hinter den einzelnen Steuerarten, wie hoch ist der jeweilige Steuersatz und wie können Selbstständige Steuern sparen? Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema „Steuern für Selbstständige“.

Selbstständigkeit: Diese Steuern müssen Sie bezahlen

Einkommenssteuer und Körperschaftssteuer Die Einkommenssteuer besteuert den Gewinn aus einer Geschäftstätigkeit und, sofern noch weitere Einkünfte bezogen werden, das Gesamteinkommen. Zur Erklärung dieser Steuer sind alle Selbstständigen gem. § 1 Einkommenssteuergesetz, kurz EStG, verpflichtet. Der Einkommenssteuersatz liegt derzeit zwischen 6 und 42 Prozent zuzüglich Kirchensteuer bzw. Solidaritätszuschlag.

Um die Höhe der Einkommenssteuer manuell zu berechnen, empfehlen wir die Verwendung des Einkommenssteuer-Rechners des Bundesministeriums für Finanzen.

Gewerbesteuer

Üben Selbstständige ein Gewerbe aus, müssen sie ab einem Gewerbeertrag von 24.500 Euro pro Jahr eine Gewerbesteuer entrichten. Hinweis: Bei diesem Betrag handelt es sich um einen Freibetrag. Das bedeutet: Liegt der Gewerbeertrag bei 30.000 Euro, zahlen Selbstständige die Gewerbesteuer lediglich auf die 5.500 Euro, die über dem gesetzlichen Freibetrag liegen. Die Gewerbesteuererklärung ist beim Finanzamt einzureichen. Dieses setzt den Gewerbesteuermessbetrag fest, welcher anschließend Grundlage für die abzuführende Gewerbesteuer ist.

Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer wird auf alle gehandelten Waren und Dienstleistungen erhoben. Das bedeutet, dass Selbstständige diese Steuer bereits beim Einkauf von Gütern selbst zahlen (Vorsteuer) und sie auf die verkauften Waren vom Kunden erheben (Umsatzsteuer). Die entrichtete Vorsteuer wird von der zu zahlenden Umsatzsteuer abgezogen. Der Steuersatz liegt bei 19 Prozent, der ermäßigte Satz beträgt 7 Prozent.

Tipp: Ärzte, Zahnärzte, Hebammen und Physiotherapeuten sind von der Umsatzsteuerpflicht befreit. Auch Kleinunternehmer können sich von der Verpflichtung befreien lassen.

Lohnsteuer

Sobald Selbstständige Mitarbeiter beschäftigen, müssen sie eine Lohnsteuer abführen. Dies gilt auch für denjenigen, der als Geschäftsführer einer GmbH ein Gehalt bezieht. Wichtig: Die Abgabe der Lohnsteuer-Anmeldung muss online erfolgen – so verlangt es der Gesetzgeber.

Besondere Steuern und Abgaben

Je nach Art der Geschäftstätigkeit und den damit in Verbindung stehenden Geschäftsvorfällen müssen Selbstständige noch weitere Steuern und Abgaben entrichten. Dazu zählen beispielsweise:

 

Welche Steuern und Abgaben die Selbstständigkeit im Detail betreffen, wird optimalerweise mit Hilfe eines Rechtsbeistandes geklärt. Eine zuverlässige Firmenrechtsschutzversicherung unterstützt Selbstständige bei der Suche nach einem kompetenten Anwalt.

Steuerliche Abzugsfähigkeit: Was kann geltend gemacht werden?

Frei- und Pauschbeträge

Bei der Berechnung der Steuern können Selbstständige einige gesetzliche Frei- und Pauschbeträge geltend machen. So müssen sie die Einkommenssteuer erst dann abführen, wenn ihr Einkommen den Grundfreibetrag von 9.168 Euro übersteigt. Verheirateten steht ein Grundfreibetrag von 18.336 Euro zu.

Wer eine bedürftige Person, beispielsweise einen erkrankten Familienangehörigen, finanziell unterstützt, kann diese Unterhaltsleistungen bis zu einem Höchstbetrag von 9.168 Euro als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen.

Entfernungspauschale

Muss ein Selbstständiger regelmäßig längere Fahrten zwischen seiner Wohnung und Betriebsstätte zurücklegen, kann er gem. § 4 Abs. 5 Nr. 6 i.V.m. § 9 Abs. 1 Nr. 4 EStG bei seiner Steuererklärung eine Entfernungspauschale geltend machen. Diese beträgt derzeit 0,30 Euro je Entfernungskilometer, jedoch höchstens 4.500 Euro.

Bewirtungskosten

Beim Essen werden Geschäfte gemacht. Das wissen auch die Finanzbehörden. Aus diesem Grund haben Selbstständige das Recht, Bewirtungskosten für ihre Kunden oder Mitarbeiter als Betriebsausgaben geltend zu machen.

Geringwertige Wirtschaftsgüter

Beim Erwerb von Maschinen oder Autos für den eigenen Betrieb wird deren Kaufpreis üblicherweise auf mehrere Jahre verteilt abgeschrieben. Doch auch der Kauf von vergleichsweise preiswerten Gegenständen ist von der Steuer absetzbar. Hierzu muss beim Finanzamt eine vereinfachte Abschreibung für geringwertige Wirtschaftsgüter eingereicht werden.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.