27.09.2021

Verkehrsregeln für Fahrradfahrer: Rechte und Pflichten im Straßenverkehr

Verkehrsregeln für Fahrradfahrer gibt es viele. Da jedoch - anders als beim Autoführerschein - kein Verkehrstest vor der Teilnahme am Straßenverkehr erfolgt, sondern prinzipiell einfach losgeradelt werden kann, herrscht zuweilen Unklarheit darüber, was genau beim Fahrrad fahren eigentlich Pflicht oder Tugend ist. Etwa: Fahrrad fahren mit Alkohol - ist das erlaubt? Und wenn ja, wieviel Promille darf man haben? Dürfen Radfahrer auf dem Gehweg fahren? Und: Ist Fahrrad fahren ohne Helm verboten? Welche Vorschriften für Radfahrer gelten und was bei Verstößen droht, erläutert dieser Artikel.

Welche Verkehrsregeln gelten für Radfahrer?

Als Verkehrsteilnehmer unterliegen Radfahrer – genau wie Autofahrer und Fußgänger – der Straßenverkehrsordnung (StVO) und all ihren Bestimmungen. Auch beim Fahrrad fahren gilt als oberster Grundsatz §1 StVO „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“ vor allem gegenüber „schwächeren“ Verkehrsteilnehmern – in diesem Fall sind die Fußgänger gemeint.

Änderung der Straßenverkehrsordnung: Diese Regeln gelten für Fahrradfahrer seit 2020

Mit der Änderung der Straßenverkehrsordnung, die am 28. April 2020 in Kraft getreten ist, soll die Sicherheit für Radfahrer im Straßenverkehr erhöht werden. Die folgenden Punkte sind unter anderem Bestandteil  dieser StVO-Novelle:

  • Nebeneinanderfahren mit Fahrrädern
  • Mindestüberholabstand für Kfz
  • Personenbeförderung auf Fahrrädern
  • Grünpfeil ausschließlich für Radfahrer
  • Generelles Haltverbot auf Schutzstreifen
  • Einrichtung von Fahrradzonen
  • und viele mehr!

 

Weitere Änderungen der Straßenverkehrsordnung fasst unser Beitrag „Sicherheit für Radfahrer im Straßenverkehr – Änderungen 2020“ zusammen.

Straße, Radweg oder Fußweg – Wo dürfen Radfahrer fahren?

Fahrräder gelten als Fahrzeuge und müssen daher möglichst weit rechts auf der Straße einzeln hintereinander fahren. Für Radfahrer gilt also das Rechtsfahrgebot. Ist ein Radweg vorhanden und seine Benutzungspflicht ausgeschildert (rundes blaues Schild mit weißem Fahrrad), müssen Radfahrer diesen nutzen.

Ist Fahrrad fahren auf dem Gehweg erlaubt?

Der Gehweg ist für Erwachsene generell tabu, es sei denn, er ist durch das Zusatzschild "Radfahrer frei" (rundes blaues Schild mit weißem Fußgänger oben und Fahrrad unten) gekennzeichnet. In diesem Fall gilt Schrittgeschwindigkeit und besondere Rücksicht gegenüber Fußgängern, die immer Vorrang haben. Beim unerlaubten Fahrradfahren auf dem Gehweg droht ein Verwarnungsgeld in Höhe von 10 Euro.

Wo dürfen Kinder Fahrrad fahren?

Bis zu ihrem achten Geburtstag müssen Kinder auf dem Gehweg fahren (wenn kein Radweg vorhanden ist) und dürfen dabei von einer Aufsichtsperson begleitet werden. Beim Überqueren einer Straße müssen die Kinder und der begleitende Radfahrer absteigen und schieben. Bis zu ihrem zehnten Geburtstag haben die jungen Verkehrsteilnehmer dann die Wahl zwischen Gehweg und Fahrbahn bzw. Radweg. Im besten Fall sollte mit dem Nachwuchs das richtige Verhalten für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr geübt werden. Zumeist findet auch eine Verkehrserziehung im Rahmen des Grundschulunterrichts statt. Danach gelten für Kinder die gleichen Regeln wie für Erwachsene.

Radfahrer in Einbahnstraßen: Was ist erlaubt?

Einbahnstraßen dürfen nur in vorgegebener Richtung befahren werden, es sei denn, ein Zusatzschild (weißes rechteckiges Schild mit einem Fahrrad und dem Wort „frei“ darunter) erlaubt anderes. Befindet sich in jede Fahrtrichtung ein Radweg, darf nur der rechte Radfahrstreifen benutzt werden. Bei Verstößen gegen die Verkehrsregeln drohen Bußgelder.

Dürfen Radfahrer über den Zebrastreifen fahren?

Radfahrer dürfen mit ihrem Fahrrad den Zebrastreifen nutzen. Gegenüber den Kfz haben die Fahrradfahrer aber keinen Vorrang. Bei einem Unfall auf dem Fußgängerüberweg ohne Fußgängerbeteiligung trägt der Fahrradfahrer somit die Teilschuld. Unter manchen Umständen muss der Radfahrer sogar die Haftung für den gesamten Unfall übernehmen. Wenn die Nutzung des Zebrastreifens für den Autofahrer unvorhersehbar und eine Kollision somit nicht zu vermeiden war, haftet der Radfahrer.

Sicher Fahrradfahren: Regeln für Fahrradfahrer im Überblick

Vergleichbar zum Autofahren, gelten für Radfahrer diese grundlegenden Verkehrsregeln: Vor dem Abbiegen müssen Radfahrer einen Schulterblick nach hinten machen und durch Handzeichen anzeigen, wohin sie abbiegen wollen. Beim Linksabbiegen dürfen sie ab dem Handzeichen nicht mehr links von Autos überholt werden. Sie müssen – wie die Autofahrer – jedoch die Vorfahrtsregeln achten und tangential, also voreinander links abbiegen, wenn ihnen ein Fahrzeug entgegenkommt, das sich ebenfalls zum Linksabbiegen eingeordnet hat.

Fahrrad verkehrssicher machen

Doch nicht nur die Verkehrsregeln sind entscheidend für einen sicheren Umgang im Straßenverkehr. Dazu braucht es auch ein verkehrssicheres Fahrrad, welches folgende Kriterien erfüllt:

  • weißer Scheinwerfer mit mind. 10 Lux Leistung
  • weißer Reflektor vorn – rotes Rücklicht 
  • roter Reflektor hinten
  • zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen
  • zwei gelbe Speichenrückstrahler 
  • zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale
  • zwei gelbe Rückstrahler je Pedal

 

So ausgestattet sind Radler mit dem Fahrrad sicher unterwegs.

Helmpflicht für Fahrradfahrer: Müssen Kinder oder Erwachsene einen Helm tragen?

Aktuell besteht in Deutschland weder eine Helmpflicht für Kinder noch für Erwachsene – doch sie wird immer wieder diskutiert. Zudem gibt es eine grundsätzliche Empfehlung für Radfahrer, einen Fahrradhelm aufzusetzen. Studien zeigen, dass ein Helm die Zahl und auch die Heftigkeit der Kopfverletzungen bei Unfällen deutlich verringert.

Welchen Abstand müssen Fahrradfahrer einhalten, wenn sie sich gegenseitig überholen?

Der Abstand, den der überholende Fahrradfahrer einhalten muss, ist nicht gesetzlich definiert. In der Rechtsprechung zeichnet sich jedoch ab, dass zwei Radfahrer untereinander etwa 75 Zentimeter Abstand halten sollten, damit es nicht zur Kollision kommt.

Darf man Telefonieren beim Fahrradfahren?

Wer beim Fahrradfahren das Handy benutzen möchte, läuft Gefahr, ein Bußgeld verordnet zu bekommen. Die 55 Euro kann man sicher besser investieren. Im Fall einer Gefährdung steigt der Betrag auf 75 Euro. Bei einem Unfall sind es sogar 100 Euro. Die Benutzung eines Handys zum Telefonieren oder als Navi ist auf dem Fahrrad nur erlaubt, wenn beide Hände für den Lenker frei bleiben. Eine entsprechende Halterung kann dies ermöglichen.

Dürfen Kopfhörer beim Fahrradfahren benutzt werden?

Kopfhörer im Straßenverkehr sind ebenfalls erlaubt – allerdings nur in einer solchen Lautstärke, dass Umgebungsgeräusche wie Hupen oder das Martinshorn eines Krankenwagens noch wahrgenommen werden können. Andernfalls droht ein Bußgeld.

Darf man mit dem Hund Fahrrad fahren?

Einhändig fahren, um den Hund an der Leine zu führen, ist ebenfalls gestattet.

Fahrrad fahren mit Alkohol – droht der Führerscheinverlust?

Wer betrunken das Auto stehen lässt und sich stattdessen aufs Fahrrad schwingt, kann trotzdem den Straßenverkehr gefährden. Die Promillegrenze für Radfahrer liegt bei 1,6 Promille. Tritt man mit mehr Alkohol im Blut in die Pedale, drohen Punkte in Flensburg, ein Bußgeld sowie die Anordnung zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU). Bestehen Radfahrer diese nicht, müssen sie ihren Führerschein abgeben. Auch ein lebenslanges Fahrrad-Fahrverbot kann verhängt werden. Fällt man beim Fahrradfahren unter Alkohol aufgrund der Fahrweise auf oder ist sogar an einem Unfall beteiligt, kann es bereits ab einem Wert von 0,3 Promille zu einer Strafanzeige kommen. Schieben unter Alkoholeinfluss hingegen ist erlaubt.

Ist Rauchen auf dem Fahrrad erlaubt?

Ja, Rauchen beim Fahrradfahren ist erlaubt. Es kann bei einem Unfall aber zu einer Mitschuld führen – wenn die Reaktionszeit durch das Rauchen beeinträchtigt war.

Unser Tipp: Verkehrsrechtsschutz

Ob Verkehrsunfall oder Ärger mit der Werkstatt: Schnell kann aus einer Kleinigkeit ein kostspieliges Verfahren werden. Setzen Sie in solchen Fällen auf die zuverlässige Verkehrsrechtsschutz.

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Polizeikontrolle auf dem Rad

Auch auf dem Fahrrad kann man von der Polizei kontrolliert werden. Ob beim Schlangenlinien fahren, das Handy am Ohr ist oder das Fahrrad nicht dem oben genannten Ausrüstungsstandard entspricht – die Ordnungshüter haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, dies entsprechend zu ahnden. Den Handzeichen der Beamten zu folgen und anzuhalten ist also ein Muss. Ein Fluchtversuch ist nicht nur gefährlich, sondern meist erfolglos und kann Bußgelder nach sich ziehen.

Radweg kaputt – wer haftet bei einem Unfall?

Radwege sind häufig durch Baumwurzeln, aufgebrochenen Beton oder andere Beschädigungen in einem schlechten Zustand. Kommt es zum Unfall, sollte man meinen, dass die Kommune, die für die Radwege zuständig ist, auch haftbar gemacht werden kann. In der Rechtsprechung sieht das allerdings oft anders aus: Die Richter entscheiden im Streitfall häufig gegen den Radfahrer. Wenn Schäden deutlich erkennbar sind, muss diese Stelle umfahren werden. Wer sich vor Gericht auseinandersetzen will, ist mit einer Verkehrsrechtsschutzversicherung auf der sicheren Seite. Sie greift nicht nur bei Autofahrern, sondern auch, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.