13.08.2018

Aus der Wohnung ausgesperrt – Vorsicht vor Betrügern!

Traurige Bekanntheit hat die Zunft der Schlüsseldienste schon vor einigen Jahren erlangt, nachdem immer häufiger zu hören war, dass für eine Türöffnung horrende Wucherpreise verlangt werden. Jeder hat es selbst schon einmal erlebt oder kennt jemanden in seinem Bekanntenkreis. Man ist besorgt, ängstlich, bisweilen in Panik, wenn das Kind in der Wohnung oder das Essen auf der Kochplatte steht. Jetzt ist man den Praktiken der Schlosser hilflos ausgeliefert und es werden unter allerlei fadenscheinigen Argumenten Aufschläge erhoben, so dass der Schlüsseldienst im schlimmsten Fall schon mal 1000 Euro oder mehr kosten kann. Im Weiteren erfahren Sie, wie Sie sich gegen diese Machenschaften wehren können.

Abzocke beim Tür öffnen – so läuft das ab

Meist muss bei einem Notfall alles ganz schnell gehen. Dies nutzen viele Anbieter schamlos aus und der Schlüsseldienst wird zum Wucher. Statt eines fairen Preises für das Türöffnen, werden überzogene Sonn- und Feiertagszuschläge erhoben, der Einsatz von aufwendigem Spezialwerkzeug behauptet, völlig überteuertes Material und lange Anfahrten berechnet. Zusätzlich wird an Ort und Stelle eine Rechnung ausgestellt und um sofortige Barzahlung gebeten. Hat man kein Geld dabei oder will man nicht sofort bezahlen, werden die Türöffner schnell ungehalten und drohen mit allerlei unangenehmen Konsequenzen. Viele verschüchterte Kunden unterschreiben oder zahlen die teils horrenden Forderungen. Auch kommt es vor, dass im Nachhinein weitere Posten auf die Rechnung kommen und Nachforderungen gestellt werden. Natürlich völlig zu Unrecht!

Was darf ein seriöser Schlüsseldienst kosten?

Seriöse Anbieter berechnen in der Regel für das Öffnen einer zugefallenen Türe inklusive Anfahrt zwischen 60 und 80 Euro, fällt ein neuer Schließzylinder an, sind gerade mal 100 Euro für Arbeit und Materialkosten gerechtfertigt. Bei Zuschlägen an Wochenenden und nachts sollten nicht mehr als 160 Euro anfallen. Außerdem kann man bei der Bestellung am Telefon schon einen verbindlichen Festpreis verlangen. Lässt sich der Anbieter darauf nicht ein, besser gleich beim nächsten anrufen. Generell ergibt es Sinn, bei mehreren anzurufen und Preise zu vergleichen. In manchen Städten kann man auch auf den Gelben Seiten einen Vermittlungsdienst für etablierte Schlüsselnotdienste finden.

Betrügerischer Schlüsseldienst: So kann man sich wehren

Als erstes sollten Sie sicher sein, dass sie einen ortsansässigen Schlüsseldienst rufen, denn dann wird die Anfahrtspauschale nicht so hoch. Manche Betreiber, wie das betrügerische Netzwerk „Verband deutscher Schlüsseldienste“ (die Medien berichteten schon des Öfteren davon) behaupten Monteure in der Nähe zu haben und schicken Leute teils aus mehreren hundert Kilometern Entfernung los. Muss man im Telefonbuch nachsehen, empfiehlt es sich nicht ganz am Anfang zu suchen. Anbieter, deren Name mit „AAA“ anfängt sind mit Vorsicht zu genießen. Auch 0800er oder 0900er Nummern sollte man meiden, bei diesem Schlüsseldienst ist Betrug nicht auszuschließen. Ist man sich unsicher, wo der Betrieb ansässig ist, kann man im Internet im Impressum nachsehen.

Zwar ist es üblich, an Sonn- und Feiertagen sowie nach Feierabend Zuschläge zu erheben, doch dürfen sie keinesfalls das Doppelte oder ein Vielfaches des regulären Preises ausmachen. Nach einem Urteil des Amtsgerichts Frankfurt/Main ist auch das Berechnen von "Sofortzuschlägen", "Bereitstellungszuschlägen" und "Spezialwerkzeugkosten" verboten. Diese Zuschläge sind reine Phantasiekosten und unter keinen Umständen zu dulden.

Tritt der Schlüsseldienst mit zwei Monteuren an, lehnen Sie die Hilfe des einen ausdrücklich ab. Sie sind weder verpflichtet zwei Arbeitskräfte zu bezahlen noch ist dies für das Öffnen einer Türe vonnöten.

Meist lassen sich Türen ohne große Gewalteinwirkung öffnen. Das Aufbohren und Auswechseln des Schlosses ist häufig nicht notwendig. Lassen Sie sich einen plausiblen Grund nennen, warum das Schloss aufgebohrt werden muss. Leuchtet Ihnen der Grund nicht ein, verzichten Sie auf weitere Leistungen.

Nur das bezahlen, was am Telefon abgesprochen war. Verlangen Sie eine detaillierte Rechnung und zahlen Sie am besten per Überweisung. Lassen Sie sich nicht einschüchtern, wenn der Monteur mit unangenehmen Konsequenzen droht, Bearbeitungs- oder Buchungsgebühren sind unzulässig und Sie sind keinesfalls verpflichtet, sofort vor Ort zu bezahlen. Setzt sie der Monteur weiter unter Druck, drohen Sie mit einem Anruf bei der Polizei, damit lässt sich das Problem schnell beheben.

Mit einer vernünftigen Vertrags-Rechtsschutzversicherung kann man durch den Schlüsseldienst entstandene Schäden abdecken, ebenso die überhöhten Kosten. Ermittlungskosten zur Feststellung des Schädigers sind allerdings nicht Gegenstand der Rechtsschutz Versicherung.

Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist

Was passiert, wenn man die überzogene Rechnung des Schlüsseldienstes bezahlt hat und erst dann realisiert, dass betrogen wurde? Hier lässt sich ganz leicht eine Rückforderung stellen. Musterschreiben gibt es meist bei der örtlichen Verbraucherzentrale. Tatsächlich können bereits gezahlte Leistungen nachträglich angefochten werden, selbst wenn man vor Ort sein Einverständnis gegeben und die Rechnung unterschrieben hat. Steht man vor der verschlossenen Wohnungstüre ist dies eine Notlage, in welcher der Schlüsseldienst dem Kunden keine überteuerten und unnötigen Leistungen aufschwatzen darf. Dies fällt juristisch unter „Ausnutzung einer Zwangslage“, was besagt, dass die Leistung vom Kunden nicht gewollt war. Spätestens vor Gericht wird dann entschieden: Geld zurück!


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei Alege auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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