13.02.2018

Albtraum Mietnomaden

Sie ziehen ein, hausen wie die Vandalen, und wenn sie Ihre Wohnung urplötzlich wieder verlassen, hinterlassen sie immense Schäden sowie bergeweise Mietschulden. Die Menschen, die man allgemein als „Mietnomaden“ bezeichnet, sind eigentlich nichts anderes als Mietbetrüger. Ein echter Albtraum für Vermieter! Doch ein böses Erwachen lässt sich vermeiden …

Mietnomaden handeln vorsätzlich. Vielleicht machen sie anfangs einen recht passablen Eindruck und zahlen, um Sie in Sicherheit zu wiegen, auch die ersten Monatsmieten. Doch wenn sie ihr wahres Gesicht zeigen, ist es für Immobilienbesitzer meist zu spät.

Man schätzt, dass in Deutschland mindestens 10.000 Mietbetrüger ihr Unwesen treiben. Grundsätzlich machen sie vor keinem Wohnungstyp Halt, doch bestimmte Immobilien sind besonders gefährdet. Beispielsweise solche in strukturschwachen Gebieten, in denen Vermieter froh sind, überhaupt Mieter zu finden. Aber auch kostspielige Wohnungen in Toplagen sind bei Mietnomaden beliebt. Denn da sie ohnehin nie vorhatten, die Miete zu begleichen, schrecken sie vor hohen Preisen nicht zurück. Und während Makler oft genauer hinschauen, fallen Privatvermieter eher auf Betrüger herein. Es sei denn, sie wissen, worauf zu achten ist.

Woran erkennt man Mietnomaden?

Wie andere Betrüger auch sind Mietnomaden sehr geschickt darin, ihre Opfer zu manipulieren. Sie erwecken den Eindruck, zuverlässig, seriös und zahlungsfähig zu sein. Auf oberflächliche Fragen nach Job oder Einkommen antworten sie ausweichend oder schlicht falsch. Hier können Sie als Vermieter genauer nachhaken. Denn der beste Schutz vor Einmietbetrügern ist, sie gar nicht erst einziehen zu lassen. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, sie rechtzeitig zu entlarven:

  • Den Personalausweis prüfen. Ist darin ein fester Wohnsitz angegeben? Wer nichts zu verbergen hat, wird Ihnen das Dokument bereitwillig zeigen.
  • Den vorigen Vermieter kontaktieren und um eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung bitten. Will der potenzielle Mieter seine Kontaktdaten nicht nennen, ist Vorsicht geboten.
  • Die Zahlungsfähigkeit checken. Fragen Sie etwa nach Gehaltsnachweis, Kontoauszügen, Arbeitsvertrag oder Bonitätsnachweis (Mieterselbstauskunft oder Auskunftei).
  • Eine Kaution als Mietsicherheit verlangen in Höhe von maximal drei Monaten Kaltmiete – am besten als Barzahlung. Etwaige Liquiditätsprobleme offenbaren sich dann schnell, denn 1/3 der Kautionszahlung muss der Mieter zu Mietbeginn leisten, ansonsten besteht ein Zurückbehaltungsrecht des Vermieters für die Übergabe der Wohnung.
  • Einschlägige Datenbanken einsehen, beispielsweise die einer Vermieter-Schutzgemeinschaft oder eine andere Mieter-Datenbank. Mietnomaden sind oft aktenkundig.

 

Übrigens reicht auch oft schon ein intensives Gespräch, um potenzielle Mietnomaden abzuschrecken. Sie dürfen den Mietinteressenten beispielsweise nach Beruf und Arbeitgeber fragen, ebenso nach Gehaltspfändung, Insolvenzverfahren oder Mietschulden. Unzulässig sind dagegen private Fragen, etwa nach Hobbys, Kinderwunsch oder Religion.

Reingefallen – und nun? Wie wird man Mietnomaden wieder los?

Zwar verschwinden Mietbetrüger irgendwann ganz von selbst, doch wenn man sie zum Ausziehen bewegen will, ist das nicht so einfach. Üblicherweise gehen Vermieter folgendermaßen vor:

  • Kündigung
    Darin wird eine Begründung genannt sowie ein Termin, bis wann die Wohnung geräumt und der Schlüssel herausgegeben sein soll.
  • Räumungsklage
    Wenn die Mietnomaden nicht auf die Kündigung reagieren, kann der Vermieter eine Räumungsklage erheben. Allerdings vergeht bis zum Urteil meist viel Zeit.
  • Zwangsräumung
    Sollten die Mietbetrüger trotz vollstreckbarem Räumungsurteil noch immer nicht ausziehen, folgt als letzter Schritt die Zwangsräumung.

 

Wer zahlt die Zeche – Mietnomade oder Vermieter?

Was bleibt, sind hohe Verfahrenskosten, außerdem die Mietausfälle und nicht selten erhebliche Schäden in der betroffenen Immobilie, die komplett saniert werden muss. Auch Anwaltsgebühren sowie die Kosten für Gerichtsvollzieher, Reinigung und Entrümpelung schlagen zu Buche. Insgesamt kommen da leicht viele Tausend Euro zusammen, für die eigentlich die Mietbetrüger aufkommen müssten – wären sie nicht häufig mittellos und daher nicht zu belangen.

Die Kosten bleiben somit meist am geschädigten Vermieter selbst hängen, der dann vor der Frage steht: Renovieren und erneut vermieten oder die Immobilie lieber verkaufen? Denn warum investieren, wenn es beim nächsten Mal wieder genauso schiefgehen könnte?

Tipp: So können sich Vermieter schützen

Mit speziell auf die Bedürfnisse von Vermietern zugeschnittenen Versicherungen können die Risiken extrem minimiert werden. Sinnvoll sind beispielsweise

  • Die Mietausfallversicherung
    Sie springt ein, wenn Mieter nicht zahlen, und gibt damit Planungssicherheit.
  • Die Mietnomadenversicherung
    Sie haftet darüber hinaus bei Sachschäden und Folgekosten.
  • Die Rechtsschutzversicherung
    Sie kann die Kosten des Räumungsprozesses und die Anwaltsgebühren tragen.

 


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei Alege auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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