26.03.2018

Lärm, Dreck, Chaos – wenn das Traumhotel eine Baustelle ist

Im Winter ist es in Deutschland oft kalt und ungemütlich – wie sehr haben Sie sich auf ein paar entspannte Tage im sonnigen Süden gefreut. Doch kaum sind Sie in Ihrem Traumhotel angekommen, geht es los: Ein Presslufthammer dröhnt durch die gesamte Anlage, ein quietschender Baukran hebt Baumaterial über den Pool, überall Dreck … Eine Baustelle am Hotel!

Ruhe. So lautet der größte Wunsch vieler Menschen, wenn sie in den Urlaub fahren – und zwar ganz gleich, zu welcher Jahreszeit sie unterwegs sind. Endlich mal keine hektische Großstadt, keinen Terminstress, keine nervigen Kollegen und Kunden. Die Vorfreude ist groß – genau wie die Erwartungen an das Hotel. Doch damit Sie diese Tage auch wirklich voll und ganz genießen können, sollten Sie am besten …

… schon vor der Buchung genau hinsehen

In allen großen Reisebuchungs- und Vergleichsportalen können Hotels bewertet werden: Vorausschauend handelt, wer vor der Buchung Zeit investiert und diese Bewertungen genau liest – gerne auch in unterschiedlichen Portalen. Am besten achtet man auch auf das Alter der Bewertung, denn eine Baustelle am Hotel vor 4 Jahren belastet die heutigen Urlauber vermutlich nicht mehr. Wenn aber bei aktuellen Bewertungen die Rede von Baulärm sein sollte, ist Vorsicht geboten.

Vor Ort richtig handeln

Doch auch diese Vorsichtsmaßnahme ist keine Garantie für einen ungestörten Urlaub. Wenn Sie also trotzdem in einem Winterressort gelandet sind, in dem eifrig gebaut wird – inklusive der üblichen nervtötenden Belästigungen –, können Sie Folgendes tun:

Dem Veranstalter mitteilen, was genau stört

Hier empfehlen sich zwei verschiedene Phasen:

  • Das freundliche Gespräch: Manchmal wird in einem Hotel nur ein Flügel umgebaut – der Rest der Anlage ist gewohnt ruhig. Kundenorientierte Hoteliers bieten in einem solchen Fall schnell und unkompliziert den kostenfreien Umzug in einen ruhigeren Teil an. Manchmal ist sogar ein Upgrade der Zimmerkategorie als Entschädigung drin! Da ist der Ärger über die Baustelle am Hotel schnell vergessen und Sie können den Rest des Urlaubs wie gewünscht in Ruhe genießen.
  • Die schriftliche Reklamation: Hilft das freundliche Gespräch nicht, sollte eine schriftliche Reklamation verfasst und an den Reiseveranstalter gesendet werden. Bitte die Frist zur Behebung der Mängel nicht vergessen!

 

Obacht: Hellhörige Zimmer oder gar spielende Kinder sind nicht immer ein Grund, sich zu beschweren. Gerade bei Pauschalreisen in die stark frequentierten Urlaubsgebiete muss bis zu einem gewissen Grad mit Unannehmlichkeiten gerechnet werden – schließlich sind diese Anlagen oft sehr groß, das heißt, es treffen viele verschiedene Menschen aufeinander. Ein gewisser Geräuschpegel ist da unvermeidlich.

Beweise sammeln

Sollten weder das Gespräch noch die schriftliche Reklamation helfen und die Lärmbelästigungen durch die Baustelle am Hotel weitergehen, können Sie einen Teil der Reisekosten zurückfordern. Hierfür brauchen Sie detailreiche Beweise, die vor Gericht standhalten:

  • Aussagekräftige Fotos oder Videos – zum Beispiel von der Baustelle am Hotel, den laufenden Maschinen etc.
  • Ein umfangreiches Lärmtagebuch – hier notiert man genau, wann welche Geräusche zu hören sind und wie lang die Geräuschbelästigung anhält.
  • Detaillierte Zeugenaussagen – vom Baustellenlärm fühlen sich meist auch andere Urlauber gestört. Ideal sind also schriftlich festgehaltene Zeugenaussagen.

 

Extratipp: Bitte Datum und Uhrzeiten nicht vergessen!

Wieder zu Hause

Wenn Sie wieder zu Hause sind, können Sie ein weiteres Schreiben an Ihren Reiseveranstalter aufsetzen – aber nur, wenn Sie die Reisemängel schon vor Ort schriftlich reklamiert haben! Dieses zweite Schreiben sollte innerhalb eines Monats nach Reiseende verfasst werden und Folgendes beinhalten:

  • Detailreiche Beschreibung des Mangels und der Gespräche.
  • Eine Kopie der schriftlichen Reklamation vor Ort.
  • Erste Beweise wie Fotos und Zeugenaussagen.
  • Den gewünschten Preisnachlass oder sogar eine Schadenersatzforderung.

 

Die Frankfurter Tabelle

Erste Hinweise, ob sich eine Klage überhaupt lohnt, finden Sie in der Frankfurter Tabelle – das Portal Finanztip hält eine übersichtliche Aufbereitung dieser Richtwerte bereit. Allerdings ist diese Tabelle nicht bindend – die Gerichte können also frei entscheiden, wie hoch der Preisnachlass bzw. der Schadenersatz in Ihrem speziellen Fall ist. Auch die Kemptener Reisemängeltabelle oder die ADAC-Tabelle (Stand: Mai 2017) können Ihnen bei der Einordnung helfen.

Besser gut versichert

Glück im Unglück haben wie so oft diejenigen, die eine Rechtsschutzversicherung besitzen. In diesem Fall können Sie die unschönen Geschehnisse spätestens nach der Rückkehr Ihrer Rechtsschutzversicherung melden. Sollten Sie eine Versicherung mit weltweitem Schutz abgeschlossen haben, kann diese Ihnen sogar auf der ganzen Welt deutschsprachige Anwälte vermitteln und Sie vielleicht sogar schon am Urlaubsort unterstützen!

Doch alle enttäuschten Urlauber – ganz gleich, ob rechtsschutzversichert oder nicht – sollten Folgendes bedenken: Jede gerichtliche Auseinandersetzung kostet nicht nur sehr viel Zeit, sondern auch sehr viele Nerven. Vielleicht checken Sie noch mal ganz genau, ob die Lärmbelästigungen wirklich so schlimm waren, dass Sie tatsächlich einen Prozess anstreben wollen? Eventuell hilft ja auch ein geseufztes „Schwamm drüber! Beim nächsten Mal wird alles besser …“


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei Alege auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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