26.02.2018

Familienrecht: Entspannt in die Elternzeit

Wenn aus Paaren Familien werden, ist das eine wunderbar aufregende Lebensphase. Dank Elternzeit können sich junge Väter und Mütter ganz auf das Baby konzentrieren und seine ersten Entwicklungsschritte intensiv begleiten. Schade, wenn dies durch die Sorge um den Arbeitsplatz getrübt wird. Doch wer vorgesorgt hat und Bescheid weiß, braucht keine Angst davor zu haben, dass die Elternschaft zum Karriereknick wird …

Bereits während der Schwangerschaft tauchen zahlreiche Fragen auf: „Soll ich meinen Chef schon informieren oder lieber warten, bis der Bauch unübersehbar ist?“ – „Was, wenn er mir während der Schwangerschaft kündigt? Darf er das überhaupt?“ – „Wie viel Geld steht mir während der Elternzeit zu, und für wie lange?“ – „Habe ich beim Wiedereinstieg das Recht auf meinen alten Arbeitsplatz? Auch wenn ich zunächst auf halbtags reduziere?“ – „Was, wenn ich keinen Kindergartenplatz finde?“ Je mehr dieser Fragen Sie vorab klären, desto entspannter können Sie sein. Einige Antworten finden Sie in diesem Blogbeitrag.

Kündigungsschutz für werdende Mütter

Das Mutterschutzgesetz besagt eindeutig, dass Arbeitgeber schwangeren Mitarbeiterinnen nicht kündigen dürfen. Dieser Kündigungsschutz besteht vom ersten Tag der Schwangerschaft bis vier Monate nach der Geburt des Kindes – und das sogar während der Probezeit. Klingt schon mal gut. Allerdings gibt es Ausnahmen und Grenzfälle …

  • Was, wenn die Frau erst nach der Kündigung feststellt, dass sie schwanger ist?
    Dann wird zurückgerechnet, ob die Schwangerschaft schon zuvor bestand. Falls ja, greift der Kündigungsschutz.
  • Gilt dieser Schutz auch, wenn der Chef nichts von der Schwangerschaft weiß?
    Nein – der Arbeitgeber muss darüber informiert sein, sonst ist die Kündigung trotz Mutterschutzgesetz wirksam. Das sollte spätestens zwei Wochen, nachdem die Kündigung ausgesprochen wurde, nachgeholt werden, und zwar entweder schriftlich per Einschreiben oder mündlich vor Zeugen.
    Ausnahme von der Ausnahme: Erfährt die werdende Mutter verspätet von der Schwangerschaft oder – etwa wegen Krankheit bzw. Urlaub – von der Kündigung, hat sie auch nach diesen zwei Wochen noch die Chance, ihren Arbeitgeber umgehend zu informieren und sich damit den Kündigungsschutz zu sichern.
  • Was passiert, wenn während der Schwangerschaft ein befristeter Vertrag ausläuft?
    Zeitarbeitsverträge enden trotz Schwangerschaft, denn hier wird ja keine Kündigung ausgesprochen. Gleiches gilt, wenn die werdende Mutter einen Aufhebungsvertrag unterschrieben hat. Auch dann endet das Arbeitsverhältnis ohne Kündigung.
  • In welchen besonderen Fällen darf der Arbeitgeber trotz Schwangerschaft kündigen?
    Sondergenehmigungen werden nur in Ausnahmefällen erteilt, etwa bei schwerwiegendem Fehlverhalten der schwangeren Mitarbeiterin oder wenn der Betrieb stillgelegt werden soll. Und natürlich, wenn die werdende Mutter ihren Chef nicht rechtzeitig über die Schwangerschaft informiert hat.

 

Mit wie viel Elterngeld können Sie rechnen?

Nicht alle, denen Elterngeld zustünde, beantragen es auch. Dabei sind die Einkommenobergrenzen sehr hoch: Nur wer mindestens 500.000 Euro im Jahr verdient (bei Alleinerziehenden: 250.000 Euro), hat kein Anrecht auf Elterngeld. Alle anderen haben die Wahl aus mehreren Modellen: Elterngeld, ElterngeldPlus, Partnerschaftsbonus oder Elternzeit. Dabei variiert sowohl die Dauer als auch die Höhe des Elterngeldes – auch abhängig von der Frage, ob beide Elternteile die Elternzeit nutzen wollen oder nur die Mutter. Mit wie viel Geld Sie in Ihrem konkreten Fall rechnen können, können Sie mithilfe des Elterngeldrechners selbst herausfinden.

So funktioniert der Wiedereinstieg reibungslos

Nach Ende der Elternzeit freuen Sie sich schon auf Ihre Kollegen, den alten Schreibtisch, die gewohnte Tätigkeit. Doch dann werden Sie in einer völlig anderen Abteilung eingesetzt. Darf Ihr Arbeitgeber das tun?

Tatsächlich – Rückkehrerinnen haben keine Garantie auf ihre alte Stelle. Aber auf einen Arbeitsplatz in einer gleichwertigen Position, das heißt mit entsprechender Qualifikation, Tätigkeit, Bezahlung, Arbeitszeit und natürlich auch am gleichen Ort.

Außerdem haben sie einen Anspruch auf Teilzeit! Das gilt übrigens generell für alle Arbeitnehmer, die schon mindestens sechs Monate lang in einem Unternehmen mit mindestens 15 Mitarbeitern beschäftigt sind – es sei denn, schwerwiegende betriebliche Gründe würden dagegen sprechen.

Doch dieser Schritt will wohlüberlegt sein, denn Teilzeitstellen sind zumeist geringer qualifiziert und schlechter bezahlt, was sich natürlich auch negativ auf die Altersversorgung auswirkt. Und: Einmal in Teilzeit, haben die Betroffenen keinen Rechtsanspruch mehr auf ihre ehemalige Vollzeitstelle. Allerdings müssen sie, wenn ihr Arbeitgeber neue Vollzeitstellen besetzen will, bevorzugt berücksichtigt werden.

EXTRATIPP: Was kostet Ihr gutes Recht als „working mum“?

Was, wenn Ihnen Ihr Arbeitgeber direkt nach der Elternzeit kündigt oder Ihren Teilzeit-Antrag ablehnt? Da hilft meist nur noch der Gang zum Anwalt. Aber wer kommt für diese Kosten auf? Die schlechte Nachricht lautet: Beim Arbeitsgericht gilt die aus anderen Fällen bekannte Regel nicht, dass die unterlegene Partei die Anwalts- und Gerichtskosten übernehmen muss. Das bedeutet, selbst wenn ein Arbeitnehmer einen Prozess vor dem Arbeitsgericht gewinnt, bleibt er auf diesen Kosten sitzen. Es sei denn, er hat  rechtzeitig eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Die zahlt übrigens auch, wenn es nicht zum Prozess kommt, sondern Sie nur eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei Alege auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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