Erbvertrag als Alternative zum Testament

Sie möchten zu Lebzeiten Ihren Nachlass geregelt wissen und es stellt sich die Frage, was sinnvoller ist: ein Testament oder ein Erbvertrag? Aber was ist ein Erbvertrag überhaupt und welche Vor- beziehungsweise Nachteile bringt er mit sich? Ist er für beide Seiten bindend? Und können Andere, die beispielsweise nicht bedacht wurden, einen Erbvertrag anfechten?

Erbvertrag oder Testament?

Sie haben etwas zu vererben – ein Unternehmen, Immobilien oder Wertsachen. In einem Testament verfügen Sie als Erblasser alleinig, wie Ihr Erbe in der Familie oder unter Freunden, die Sie bedenken möchten, aufgeteilt wird. Sie haben außerdem bis zu Ihrem Ableben die Möglichkeit, Änderungen vorzunehmen und vielleicht noch jemanden zu enterben. Doch nicht immer ist ein Testament zur Nachlassregelung die beste Wahl.

Ein Erbvertrag ist ein zwischen zwei Parteien geschlossener Vertrag, dem beide – der zukünftige Erblasser und der Erbe – zustimmen müssen. Um gültig zu sein, muss er notariell beglaubigt werden. Ein Erbvertrag kann weitaus umfangreicher als ein Testament sein und vor allem den Erben an Gegenleistungen binden.

So kann ein Vater seinem Sohn zum Beispiel die Firma vererben und vertraglich festlegen, dass er diese nicht verkaufen darf. Ebenso könnte er verlangen, dass sein Sprössling sich verpflichtet, selbst im Unternehmen zu arbeiten. Auch könnten Sie mittels eines Erbvertrags einer Verwandten oder Freundin nach Ihrem Tode Ihr Haus vererben – mit der vertraglichen Vereinbarung, dass diese Sie, wenn nötig, im Alter pflegt.

Weiterführende Informationen zum Erbvertrag, der im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt ist, finden Sie hier.

Aufsetzen eines Erbvertrags

Um einen rechtsgültigen Erbvertrag aufzusetzen, bedarf es der vorherigen Absprache zwischen Erblasser und Erbe. Beide beschließen gemeinsam, welchen Inhalt der Vertrag haben soll – Sie können hier erbrechtliche Angelegenheiten vereinbaren, solange beide Parteien zustimmen. Um den Erbvertrag abzuschließen, müssen Sie zwingend zum Notar und zwar gemeinsam. Außerdem ist es erforderlich, dass Erblasser und Erbe voll geschäftsfähig und testierfähig sind. Mehr dazu im Bürgerlichen Gesetzbuch hier.

Erbvertrag – Vor- und Nachteile

Von Vorteil ist, dass Erblasser und Erbe wissen, was auf sie zukommt. Der Erblasser kann vertraglich festlegen, wie er sich den Umgang mit seinem Erbe wünscht. So kann er zum Beispiel sicher sein, dass sein Unternehmen in der Familie bleibt und von seinem Erben weitergeführt wird, wenn er dieses verfügt. Der Erbe wiederum ist sich seines Erbes relativ sicher, denn im Gegensatz zu einem Testament hat ein Erbvertrag Bindungswirkung und er kann nicht willkürlich enterbt werden. Dafür muss der Erbe jedoch die Auflagen erfüllen, die im Erbvertrag festgeschrieben sind.

Der Erbvertrag ist ebenso eine gute Lösung für nicht verheiratete Paare, die sich gegenseitig beerben wollen, dieses aber gemäß der gesetzlichen Erbfolge nicht können. Es existiert durch einen Erbvertrag die Möglichkeit, Angehörigen, denen eigentlich ein Pflichtteil zusteht, das Erben zu erschweren oder sogar davon abzuhalten, diesen einzufordern. Wie das geht erfahren Sie hier.

Die Verbindlichkeit und Sicherheit stehen auf der einen Seite, aber was passiert, wenn sich Umstände ändern und der Erbvertrag zum Nachteil wird?

Erbvertrag aufheben oder ändern

Der Sohn als Erbe, der vertraglich zugesichert hat, das Unternehmen des Vaters nach dessen Tod weiterzuführen, wandert der Liebe wegen aus, möchte von seiner Verpflichtung des Unternehmensführung Abstand nehmen und den Erbvertrag zu seinen Gunsten ändern. Oder der Vater überlegt es sich anders, und möchte die Firma seiner neuen Freundin vererben.

Die Umsetzung von Änderungen im Erbvertrag funktioniert nur, wenn beide Parteien zustimmen. Was anfangs als gute Lösung der Nachlassregelung erschien, kann auch leicht zur Fessel werden. Allerdings ist es möglich, beim Abschluss eines Erbvertrags Klauseln für Änderungen oder gar einen Ausstieg aus dem Vertrag einzubauen. Grundsätzlich müssen Änderungen oder gar die Aufhebung ebenfalls von einem Notar beurkundet werden, damit sie rechtsgültig sind.

Die gesetzlich zwingende Einbeziehung eines Notars ist natürlich nicht umsonst. Welche Kosten für einen Erbvertrag auf Sie zukommen, richtet sich nach dem vorhandenen Vermögen. Beispielrechnungen finden Sie hier.