30.07.2018

Arbeitsrecht: Erreichbarkeit in der Freizeit – muss man sich das gefallen lassen?

Der lang ersehnte Urlaub ist da, also rein in die Hängematte oder rauf auf den Strand und endlich abschalten. Abschalten? Auch das Diensthandy? Und während man noch darüber nachdenkt, klingelt auch schon der Chef und hat einige ganz dringende Fragen, die nicht warten können. Moment – ist das überhaupt zulässig? Muss ich im Urlaub erreichbar sein? Bin ich verpflichtet, den Anrufbeantworter abzuhören, muss ich mich zurückmelden?

Jüngsten Umfragen zufolge kommt dies für die meisten Menschen in Deutschland auf keinen Fall in Frage, nicht mal für Geld würden sie ihre Freizeit unterbrechen. Was aber rechtlich verpflichtend ist und was man zu tun und zu lassen hat und wo es Ausnahmeregelungen gibt, wollen wir in diesem Artikel für Sie zusammenfassen.

Was heißt hier Urlaub?

Um eines ganz deutlich zu machen: Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf Urlaub, egal ob festangestellt oder 450-Euro-Job. Allerdings gilt dies nur, wenn das Arbeitsverhältnis seit mindestens sechs Monaten besteht. Pro Jahr stehen jedem Arbeitnehmer 20 Werktage bei einer 5 Tage-Woche zu. Dieser Urlaub muss im laufenden Kalenderjahr genommen werden. Eine Übertragung von einzelnen Tagen auf das nächste Jahr ist nur dann möglich, wenn dringende Gründe dies rechtfertigen, z. B. betriebliche Komplikationen oder plötzlicher Ausfall wegen Krankheit. Eine unbegründete Übertragung von Ferientagen aufs nächste Jahr ist nicht möglich.

Muss ich im Urlaub erreichbar sein?

Manch Vorgesetzter verlangt eine telefonische Erreichbarkeit vom Arbeitnehmer auch nach Arbeitsende. Aber muss ich in meiner Freizeit für den Arbeitgeber immer erreichbar sein? An Feiertagen, im Urlaub und nach Feierabend: grundsätzlich gilt, dass Arbeitnehmer in ihrer Freizeit nicht ans Telefon gehen müssen. Jeder hat ein Recht auf Ruhephasen und dies ist auch im Arbeitsrecht so verankert (§1 ArbZG). Immerhin soll der Urlaub der Erholung dienen, ganz egal ob auf dem heimischen Balkon oder in der Karibik, und die kann sich wohl kaum einstellen, wenn man jederzeit mit einem Anruf vom Chef rechnen muss. Das Arbeitsrecht sieht also keine telefonische Erreichbarkeit im Urlaub vor. Eine Klausel, die etwas anderes besagt, ist unwirksam.

Abmahnung vom Arbeitgeber – wie lässt sich das verhindern?

Nach dem Gesetz soll die werktägliche Arbeit nicht mehr als acht Stunden betragen und darf auf maximal zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht das oft ganz anders aus. Häufig fühlen sich Beschäftigte zur Erreichbarkeit im Urlaub verpflichtet. Bevor es aber zur Abmahnung oder gerichtlichen Auseinandersetzungen mit dem Chef kommt, sollte man einen Kompromiss anstreben. Klare Absprachen und die Definition davon, was ein echter Notfall ist, sind in den meisten Fällen völlig ausreichend. So sieht das auch das Bundesarbeitsgericht. Nur bei „zwingenden Notwendigkeiten, welche einen anderen Ausweg nicht zulassen“ darf der Arbeitgeber seine Angestellten anrufen (Az. 9 AZR – 405/99). Normale betriebliche Notwendigkeiten reichen für diese Definition nicht aus, es muss schon eine Art von Existenzbedrohung des Arbeitgebers vorliegen, die einzig der angesprochene Arbeitnehmer abwenden kann.

Diensthandy und Erreichbarkeit im Urlaub: ein Fall für ungerechtfertigte Abmahnungen

Was ist, wenn man ein Diensthandy hat, muss dieses im Urlaub an sein und kann mir der Chef mit einer Abmahnung drohen, wenn ich nicht auf Anrufe reagiere? Auch hier sieht das Bundesurlaubsgesetz einen klaren Verstoß gegen den Urlaubszweck. Ein Diensthandy ist für die Dienstzeit da und im Urlaub ist man eben nicht im Dienst. So lange der Arbeitnehmer sich durch Anrufe gestört fühlt, hat er also das Recht auf Diensthandy-frei, genauso wie er auch nicht auf E-Mails oder Kurznachrichten reagieren muss. Sollte es doch dazu kommen, dass der Arbeitgeber gegen dieses Verhalten Klage einreicht, deckt eine gute Arbeitsrechtsschutz-Versicherung die meisten Unkosten ab.

Wie oft ist die Rufbereitschaft zulässig?

Im Arbeitsrecht hat die Rufbereitschaft einen besonderen Stellenwert. Unsicherheiten bzgl. der erlaubten Zeiten und Ruhephasen sind an der Tagesordnung. Gerade im öffentlichen Dienst ist Rufbereitschaft oft ein Thema. Bei der Rufbereitschaft kann man seine Zeit zu Hause oder an einem anderen Ort der Wahl verbringen, so lange man in einer festgesetzten Frist am Einsatzort sein kann. Warum dann nicht auch Rufbereitschaft im Urlaub? Hierauf gibt es eine einfache Antwort: In dem Moment, in dem man die Arbeit tatsächlich aufnimmt, ist man per Definition nicht mehr im Urlaub. Insofern schließen sich Urlaub und Rufbereitschaft gegenseitig aus. Was die Anzahl der Rufbereitschaften während einer gewissen Periode betrifft, lässt sich allgemein sagen, dass Rufbereitschaften häufig 12 Stunden oder länger dauern. Es muss gewährleistet sein, dass die tatsächlichen Ruhephasen mindestens 11 Stunden lang sind. Außerdem darf Rufbereitschaft nur so oft angefordert werden, dass die tatsächliche Arbeitszeit während eines halben Jahres weniger als ein Achtel der Rufbereitschaft ausmacht, denn so ganz abschalten lässt sich während eines Bereitschaftsdienstes nicht.

Darf der Arbeitgeber auch während einer Krankheit anrufen?

Auch der Erreichbarkeit bei Krankheit gibt das Arbeitsrecht eine rote Karte. Weder die genaue Erkrankung, noch den Zustand des Mitarbeiters darf der Arbeitgeber erfragen, denn für eine richtige Genesung ist Ruhe nötig und die soll ein Krankgeschriebener auch bekommen. Eine begründete Ausnahme, dennoch anzurufen, wäre, wenn es sich um einen existenzgefährdenden Notfall seitens des Betriebes handeln würde, den einzig jener krankgeschriebene Angestellte abwenden könnte. Dies ist jedoch normalerweise nicht der Fall.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei Alege auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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