01.10.2019

Gefälligkeitsschaden - Blumengießen für verreiste Nachbarn. Wer zahlt, wenn etwas in die Brüche geht?

Wer in den Urlaub fährt ist froh, wenn sich Freunde oder Nachbarn um die Wohnung kümmern. Blumen gießen, Post reinholen oder Tiere füttern: Freundschaftsdienste sind für viele Menschen selbstverständlich. Missgeschicke mit Folgeschäden kommen dabei leider auch vor. Wer bei Gefälligkeitsschäden haftet, inwiefern Haushüter besonders geschützt sind und welche Rolle die Haftpflichtversicherung bei der Schadensregulierung spielt, erläutert dieser Artikel.

Gefälligkeitsschaden: Was ist das überhaupt?

Der Gefälligkeitsschaden ist ein Begriff aus dem Versicherungswesen. Er bezeichnet einen Schaden, welcher bei der Ausführung einer Gefälligkeit entstanden ist. Bei einer Gefälligkeit hilft eine Person der anderen freiwillig und unentgeltlich aus. Die erbrachte Leistung unterliegt also keinem rechtlichen Vertrag. Klassische Gefälligkeitsschäden sind Schäden, die im Rahmen von Nachbarschaftshilfen oder Freundschaftsdiensten entstanden sind.

Zerkratzt beispielsweise ein freiwilliger Umzugshelfer den Boden einer Wohnung oder lässt er beim Transport den Fernseher eines Freundes fallen, so verursacht er einen Gefälligkeitsschaden. Auch wenn sich jemand während der Abwesenheit eines Freundes um dessen Wohnung kümmern und dabei ohne Vorsatz Schäden verursachen, spricht das Versicherungswesen von Gefälligkeitsschäden.

Haftung bei Gefälligkeit: Haushüter werden gesetzlich geschützt

Grundsätzlich hat der Verursacher eines Schadens für dessen Folgen einzustehen. Entsprechende Regelungen trifft der § 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Anders sieht es bei Schäden aus, welche aus einer Gefälligkeit heraus entstehen. Mit einem Dienst aus Gefälligkeit geht eine stillschweigende Haftungsbeschränkung zwischen den einzelnen Beteiligten einher. Allerdings ist die Haftungsbeschränkung an folgende Voraussetzungen geknüpft:

  • der Freundschaftsdienst muss freiwillig erfolgen
  • der Schadenverursacher hat für den Freundschaftsdienst keine finanzielle Gegenleistung erhalten

 

Bei einem eingetretenen Schaden kommt es darauf an, ob dieser vom Verursacher leicht oder grob fahrlässig verursacht wurde. Bei Schäden, die durch leichte Fahrlässigkeit verursacht wurden, greift der stillschweigende Haftungsausschluss. Dieser besagt, dass der Schadenverursacher nicht haften muss, wenn er einen Schaden durch leichte Unaufmerksamkeit unabsichtlich hervorgerufen hat. Stößt jemand also beispielsweise beim Blumengießen die Vase seines Nachbarn um, müssen er für den entstandenen Schaden nicht aufkommen.

Anders sieht es bei Schäden aus, die durch grobe Fahrlässigkeit verursacht wurden. Wird nach dem Auffüllen der Gießkanne beispielsweise vergessen, den Wasserhahn zu schließen, was die komplette Überschwemmung der Nachbarwohnung zur Folge hat oder lässt jemand über Stunden die Wohnungstür eines Nachbarn offenstehen, so dass Diebe leichtes Spiel haben, kann ein Gericht durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass ein grob fahrlässiges Handeln vorliegt. In diesem Fall hat der Nachbar Anspruch auf Schadenersatz. Der Verursacher muss für die eingetretenen Schäden haften. Unser Tipp: Die Fahrlässigkeit muss stets genau geprüft werden, um die Schuldfrage umfänglich zu klären. Betroffene sollten sich im Streitfall unbedingt von einem Rechtsbeistand beraten lassen. Eine zuverlässige Privatrechtsschutzversicherung hilft bei der Suche nach einem kompetenten Anwalt.

Gefälligkeitsschäden: Haftpflicht übernimmt Kosten

Eine private Haftpflichtversicherung übernimmt Schäden, die Dritten entstehen. Im Falle eines Gefälligkeitsschadens gilt dies jedoch nur, wenn der Verursacher den Schaden grob fahrlässig hervorgerufen hat. Bei vorsätzlichen Schäden muss der Versicherungsgeber keinen Schadenersatz zahlen, bei einem leicht fahrlässig herbeigeführten Schaden greift der Haftungsausschluss – den Verursacher trifft keine Schuld und demnach auch keine Schadenersatzpflicht. Der Geschädigte bleibt also auf den Kosten sitzen.

Achtung: Bei grob fahrlässig hervorgerufen Gefälligkeitsschäden tritt eine Haftpflichtversicherung nur dann ein, wenn in der Police Schäden durch Gefälligkeiten mitversichert sind. Viele Versicherer bieten entsprechende Tarife an. Es ist beim Abschluss unbedingt auf die richtige Versicherungssumme zu achten. Diese sollte Sach-, Personen- und Vermögensschäden von mindestens 5 Millionen Euro enthalten, um dem Versicherungsnehmer einen ausreichenden Schutz zu bieten.

Haushüter: Schäden durch Tiere

Für Schäden, die Haushütern durch die Haustiere ihres Nachbarn oder Freundes entstehen, haftet zunächst grundsätzlich der Tierhalter. Verfügt dieser über eine Privathaftpflichtversicherung mit entsprechender Haustier-Klausel oder eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung, übernimmt diese die Schadenersatzkosten.

Erleiden Haushüter jedoch Schaden durch ein Nutztier, beispielsweise durch einen Hund, der den Hof bewacht, so gilt es für die Haftung zunächst die Schuldfrage zu klären. War der Vierbeiner nicht korrekt angeleint, haftet der Tierhalter im Zuge seines fahrlässigen Handelns. Ist dem Tierhalter jedoch kein grob fahrlässiges Handeln nachzuweisen, haben Geschädigte keinen Anspruch auf Schadenersatz.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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