Kleinunternehmerregelung – so profitieren Sie als Gründer

Sie haben erfolgreich Ihr Unternehmen gegründet und wollen so richtig durchstarten. Allerdings kommt nun jede Menge Papierkram auf Sie zu und der kostet Sie viel Zeit und Nerven. Jeden Monat müssen Sie Ihre Umsatzsteuervoranmeldung ans Finanzamt schicken und dafür unzählige Belege sortieren, beschriften und akribisch über alles Buch führen. Gerade als Existenzgründer nimmt Ihnen das Kraft, die Sie lieber in Ihr Unternehmen stecken würden. Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie von der Kleinunternehmerregelung profitieren. Aber was bedeutet das eigentlich?

Kurz erklärt: Kleinunternehmerregelung

Als Kleinunternehmer sind Sie davon befreit, auf Ihren Rechnungen Umsatzsteuer auszuweisen und ans Finanzamt abzuführen. Allerdings können Sie dann auch nicht Ihre Vorsteuer, also die Umsatzsteuer, die Sie selbst bei Ausgaben für Ihr Unternehmen zahlen, vom Finanzamt zurückfordern.

Die Umsatzsteuererklärung für Kleinunternehmer ist äußerst arbeitsintensiv. Vom Herausfinden, welcher Umsatzsteuersatz für die jeweilige Leistung gilt, über die Errechnung des eigenen Vorsteueranteils aus Ihren Rechnungen bis hin zur monatlichen Erstellung der elektronischen Umsatzsteuervoranmeldung für das Finanzamt – all das kann Ihnen Ihr Unternehmerdasein recht schwer machen.

Was sind die Voraussetzungen?

Damit Sie und Ihr Start-up aus der Kleinunternehmerregelung Nutzen ziehen können, müssen Sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

Sie müssen beim Finanzamt nach § 19 des Umsatzsteuergesetzes eine Einstufung als Kleinunternehmer beantragen. Ein Anspruch auf diesen Status für Selbstständige ergibt sich, wenn

  • Ihr Umsatz mit umsatzsteuerpflichtigen Leistungen und Lieferungen im Vorjahr nicht über 17.500 Euro lag
  • und dieser im laufenden Jahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro betragen wird.

 

Als Existenzgründer können Sie natürlich keine Vorjahresumsätze aufzeigen. Hier müssen Sie sich im Hinblick auf die Kleinunternehmerregelung nur an der Umsatzgrenze von 17.500 Euro orientieren. Bei Gründung Ihres Unternehmens in der Jahresmitte muss Ihr geplanter Umsatz auf das ganze Jahr hochgerechnet werden. Sie schätzen also, was Sie im Gründungsjahr bzw. im Folgejahr an Umsatz erwarten und tragen dieses in den Fragebogen vom Finanzamt zur steuerlichen Erfassung des Umsatzes ein. Hier können Sie auch vermerken, ob Sie für Ihr Start-up die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen wollen oder nicht. Die Regelung ist freiwillig und bleibt Ihnen überlassen. Bedenken Sie aber: Nicht für jedes Unternehmen lohnt sie sich.

Für wen macht die Kleinunternehmerregelung Sinn?

Sie müssen sich nach Ihrer Existenzgründung mit dem Thema gewissenhaft auseinandersetzen und die Vor- und Nachteile für sich abwägen.

Kleinunternehmerregelung-Vorteile:

  • Der bürokratische Aufwand wird enorm gemindert – eine Umsatzsteuervoranmeldung entfällt. Ihre Steuererklärung für Kleinunternehmer ist stark vereinfacht.
  • Sie können Leistungen günstiger anbieten, wenn Sie die Umsatzsteuer nicht heraufschlagen müssen. Allerdings ist dieses nur von Vorteil, wenn Ihr Geschäftskunde ebenfalls der Kleinunternehmerregelung unterliegt. Andernfalls kann sich dieser seinen Vorsteueranteil vom Finanzamt erstatten lassen.

 

Kleinunternehmerregelung-Nachteile:

  • Bei der zu erwartenden, positiven Entwicklung Ihres Unternehmens, ist früher oder später die Regelbesteuerung unumgänglich. Da Sie dann Umsatzsteuer auf Ihre Leistungen bzw. Lieferungen aufschlagen müssen, müssen Sie diese „Preiserhöhung“ auch bei Ihren Geschäftspartnern durchsetzen können, sonst droht ein Gewinnverlust.
  • Ihr Image könnte unter der fehlenden Umsatzsteuerangabe leiden, da dieses bei vielen den Eindruck erweckt, Sie würden keinen großen Umsatz erwirtschaften.
  • Wenn Sie keine Umsatzsteuer abführen, sind Sie auch nicht vorsteuerabzugsberechtigt. Gerade als Gründer haben Sie viele Ausgaben für Anfangsinvestitionen wie einen Firmenwagen, Computer, Büromöbel etc. Wenn Sie sich für die Kleinunternehmerregelung entschieden haben, können Sie beim Kauf die gezahlte Vorsteuer nicht beim Finanzamt geltend machen und das erhöht Ihre Betriebsausgaben.

 

Allgemein gesagt lohnt sich die Kleinunternehmerregelung für Gründer, die im Privatkunden-Geschäft tätig sind, ohne große Investitionen ihr Unternehmen führen können und die unter der Umsatzgrenze von 17.500 Euro bleiben.

Auf Unternehmer, die planen, größere Gewinne zu erwirtschaften und hauptsächlich mit umsatzsteuerpflichtigen Geschäftspartnern zusammenarbeiten, kommt über kurz oder lang ohnehin die Regelbesteuerung hinzu. Da ist es sinnvoll, die Vorteile der Umsatzsteuerregelung auszunutzen – gerade am Anfang Ihres Start-ups, wenn Sie teure Investitionen tätigen müssen und hier die geleistete Vorsteuer vom Finanzamt zurückerhalten.

Was ist zu bedenken?

Überlegen Sie es sich gut, wie Sie mit der Kleinunternehmerregelung verfahren wollen. Machen Sie nicht den Fehler und schätzen Sie Ihren zu erwartenden Umsatz im Jahr der Existenzgründung falsch ein. Wenn dieser höher als 17.500 Euro ausfällt, müssen Sie die gesamte Umsatzsteuer rückwirkend nachzahlen – und diese Aufarbeitung bedeutet einen hohen Aufwand an Bürokratie.

Sollten Sie sich allerdings gegen die Kleinunternehmerregelung entscheiden und Ihr Gewinn doch unter der Umsatzgrenze von 17.500 Euro bleibt, ist das erst einmal bindend und Sie müssen fünf Jahre warten, um diese beim Finanzamt zu beantragen.

Die Kleinunternehmerregelung ist übrigens an Sie als Person gebunden, nicht an ein Unternehmen. Wenn Sie also mehrere Unternehmen als Selbstständiger betreiben, können Sie nicht die Umsätze pro Unternehmen einzeln berechnen, sondern müssen sie in Ihrer Gesamtheit sehen. Und damit kommen Sie leicht über die Umsatzgrenze.

Sind Sie sich unsicher in der Vorgehensweise, sollten Sie einen Steuerberater konsultieren, der Ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. Gerade als Existenzgründer sind Sie mit vielen steuerrechtlichen Dingen konfrontiert, die Sie leicht überfordern.

Außerdem ist es sinnvoll, als Selbstständiger über einen guten Rechtsschutz zu verfügen, da viele berufliche Risiken auf Sie zukommen, die beträchtliche finanzielle Folgen bergen. Hier empfiehlt sich der Abschluss der SMART-Kombi bei der DEURAG. Sie beinhaltet den kompletten Rechtsschutz für Selbstständige, Firmen und Freiberufler in Form von Privat-, Berufs-, und Verkehrs-Rechtsschutz – für Ihr Unternehmen und Ihre Familie. Lassen Sie sich kompetent beraten!