16.04.2018

Was tun, wenn der Internet Speedtest anzeigt, dass Ihr Internet zu langsam ist?

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Anspruch und Wirklichkeit bei der Internetgeschwindigkeit oft weit auseinanderklaffen. Die in der Werbung angepriesene DSL Geschwindigkeit wird oft nicht erreicht und ist auch in den abgeschlossenen Verträgen gar nicht ausgewiesen. Auch ist die Datenübertragungsrate oft aufkommensabhängig. Das heißt: Viele Nutzer, die zu Stoßzeiten wie am frühen Abend surfen, führen zu einem langsamen Internet.

DSL Verfügbarkeit und Internet Geschwindigkeit testen

Es gibt verschiedene Tools im Internet, mit denen eine DSL Verfügbarkeit und die Up- und Downloadgeschwindigkeit von Internetverbindungen getestet werden können. Sinnvoll ist es, das Tool der Bundesnetzagentur zu nutzen und nicht das eines Netzbetreibers. Es gibt bisher keinen unabhängigen Standard für solche Tools, insofern können die Ergebnisse recht unterschiedlich ausfallen. Da auch der Speed Test der Bundesnetzagentur abhängig von Tageszeit, Netzauslastung und verwendeter Technik unterschiedliche Ergebnisse liefert, ist es in jedem Falle sinnvoll, mehrere Messungen zu unterschiedlichen Tageszeiten durchzuführen.

Welche Internet Geschwindigkeit ist realistisch?

Im März 2017 haben Messungen der Bundesnetzagentur ergeben, dass ca. die Hälfte der Nutzer weniger als 60 Prozent der vereinbarten, maximalen Datenübertragungsrate zur Verfügung haben. Beim besten Anbieter erreichen den maximalen Wert 35 Prozent der Nutzer, beim schlechtesten nur ein Prozent. Die Netzbetreiber legen immer wieder Wert darauf, klarzustellen, dass eine durchgehende Versorgung mit dem Maximalwert technisch nicht möglich ist. Bei einer dauerhaften, signifikanten Unterschreitung haben Sie aber durchaus die Chance, bei Ihrem Anbieter eine Verbesserung durchzusetzen. Wenn Sie bei Ihren Messungen feststellen, dass Ihr Anschluss im Schnitt bei nur 50 Prozent der vereinbarten Maximalrate liegt, dann sollten Sie in jedem Fall aktiv werden und Kontakt zu Ihrem Provider aufnehmen.

Gesetzliche Grundlagen zu Providerverträgen

Wohlweislich gaben Internetanbieter in ihren Verträgen bisher meist nur eine maximale Geschwindigkeit an. „Bis zu“ ist die dafür meist verwendete Formulierung. In deutschen Verträgen gab es keine Angaben zur minimalen und durchschnittlichen Download- und Upload-Geschwindigkeit. Mit dem dritten Gesetz zur Änderung des Telekommunikationsgesetzes hat die Bundesregierung, die EU-Verordnung zur Netzneutralität in deutsches Recht übernommen. Darin heißt es zu den Angaben, die ein Anbieter zu machen hat: „Eine klare und verständliche Erläuterung, wie hoch die minimale, die normalerweise zur Verfügung stehende, die maximale und die beworbene Download- und Upload-Geschwindigkeit von Internetzugangsdiensten bei Festnetzen“ ist. Außerdem müssen die rechtlichen Möglichkeiten aufgezeigt werden, die dem Verbraucher zur Durchsetzung seiner Rechte bei Unterschreitung dieser Werte zur Verfügung stehen.

Dieses Gesetz gibt es aber erst seit Juni 2017. Insofern sind Altverträge davon nicht betroffen und zur Umsetzung gibt es noch keine Rechtsprechung, geschweige denn, eine höchstrichterliche. Der Verbraucherschutz ist aber in jedem Fall gestärkt worden, denn diese Vorgaben sind eine deutliche Aufwertung der Rechtsposition der Verbraucher gegenüber den Anbietern. Langfristig wird das zu mehr Transparenz bei den Verträgen von Internetanbietern führen.

Internet Speedtest und Angebot des Providers unterscheiden sich deutlich

Auch bei Verträgen, die noch keine näheren Angaben zu Down- und Upload-Geschwindigkeiten beinhalten, gibt es Möglichkeiten, den Provider zur Nachbesserung zu bewegen oder aus dem Vertrag auszusteigen. So haben sich einzelne Verbraucher bereits aus Verträgen herausgeklagt, wenn sie mit der Leistung des Netzbetreibers nicht zufrieden waren. Allerdings besteht dabei immer das Risiko, auf den Prozesskosten sitzen zu bleiben, wenn man den Prozess verliert, sofern Sie keinen Vertragsrechtsschutz abgeschlossen haben.

Ein Prozess wird aber auch erst die Ultima Ratio sein, wenn andere Mittel nicht zum Erfolg geführt haben. Es ist immer sinnvoll, den Internetanbieter anzusprechen, nachdem Sie Messungen durchgeführt haben und mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind. Oftmals sind die Anbieter in der Lage, die Geschwindigkeit Ihres Anschlusses technisch zu verbessern. Wenn das nicht möglich ist oder wenn der Internetanbieter das verweigert, können Sie Verhandlungen über eine Einstufung in einen günstigeren Tarif oder eine Minderung des Preises aufnehmen. Erst wenn diese Möglichkeiten ohne Ergebnis ausgeschöpft sind, sollten Sie eine Kündigung in Erwägung ziehen. Wenn die fristgerechte Kündigung bedeutet, dass Sie noch unzumutbar lange langsames Internet ertragen müssen, ist auch eine fristlose Kündigung wegen nicht Erfüllung des Vertrags in Erwägung zu ziehen. Ob Ihr Netzbetreiber daraufhin tatsächlich rechtliche Schritte einleitet, bleibt abzuwarten.

Hilft ein Wechsel des Internetanbieters?

Ob sich ein anderer Anbieter finden lässt, der Ihnen an Ihrem Wohnort eine bessere Internetqualität liefern kann, ist nicht sicher. Leider lässt sich das vor Vertragsabschluss nur sehr schwer klären. Insofern sind Sie gut beraten, wenn Sie zunächst versuchen, mit Ihrem Anbieter eine Regelung zu finden, die Ihrem Anspruch an eine gute Internetanbindung gerecht wird. Sollten Sie sich zu einem Anbieterwechsel entschließen, dann prüfen Sie genau, ob der Vertrag mit dem neuen Provider den Ansprüchen des neuen Gesetzes genügt und die Up- und Download-Geschwindigkeiten genau definiert sind. So können Sie weitgehend vermeiden, nach einem Wechsel des Internetanbieters wieder mit den gleichen Problemen dazustehen, wie mit dem alten Provider.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei Alege auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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