07.10.2019

Nebenberuflich selbstständig – Tipps und Hinweise

Ist der Entschluss, sich nebenberuflich selbstständig zu machen, gefasst, hat eine Anmeldung beim zuständigen Finanzamt oder beim Gewerbeamt zu erfolgen. Alle, die sich freiberuflich selbstständig machen, erwartet hier erfreulich wenig Bürokratie: Eine formlose Nachricht an das Finanzamt reicht aus, wenn man eine nebenberufliche Selbstständigkeit als Freiberufler anmelden möchte. Welche Tätigkeiten zu den freien Berufen gezählt werden, definiert § 18 EStG.

Gewerbetreibende melden ihre nebenberufliche Selbstständigkeit dem Gewerbeamt bzw. Ordnungsamt, welches die Anmeldung an das Finanzamt und die entsprechenden anderen zuständigen Behörden weiterleitet. In jedem Fall erhält der zukünftige Selbstständige vom Finanzamt einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zugesandt, in dem unter anderem die zu erwartende Höhe der Einkünfte abgefragt wird. Außerdem wird eine Steuernummer zugeteilt, die auf allen Rechnungen, die der Selbstständige stellt, angegeben werden muss. Für Freiberufler gilt dies ebenfalls.

Nebenberuflich selbstständig: Wie viel darf ich verdienen?

Solange die Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit geringer sind als jene aus der hauptberuflichen Beschäftigung, gilt die Person als nebenberuflich selbstständig. Einen Freibetrag für die Einkommensteuer aus der Selbstständigkeit zu definieren, ist nicht möglich, da er sich auf das gesamte Einkommen bezieht. Mit Stand 2019 beträgt der Grundfreibetrag aller Einkünfte in Summe 9.168 EUR. Wer jedoch hauptberuflich angestellt und nebenberuflich selbstständig ist, wird aller Wahrscheinlichkeit darüber liegen. Arbeitslose dürfen mit einer nebenberuflichen Selbstständigkeit ebenso viel verdienen wie mit einem Nebenjob, nämlich 165 EUR/Monat, um ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld nicht zu verlieren. Die Tätigkeit muss jedoch vorab der Agentur für Arbeit gemeldet werden.

Nebenberuflich selbstständig: Steuern

Ein wichtiges Thema nicht nur für die nebenberufliche Selbstständigkeit: Steuern. Wer nebenberuflich selbstständig ist, zahlt zunächst ganz normal die Einkommensteuer der hauptberuflichen Tätigkeit weiter. Außerdem wird zusätzlich die Einkommensteuer als Unternehmer fällig. Zu beachten ist, dass Selbstständige, egal ob neben- oder hauptberuflich, immer eine Einkommenssteuererklärung abgeben müssen, da die anfallende Einkommenssteuer erst im Nachhinein exakt berechnet werden kann – nämlich dann, wenn der erwirtschaftete Gewinn feststeht. Wer angestellt und gleichzeitig nebenberuflich selbstständig ist, muss daher zusammen mit dem sogenannten „Mantelbogen“ der Einkommensteuererklärung Folgendes für das Finanzamt ausfüllen:

  • Anlage N (Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit)
  • Anlage EÜR (Einnahmen-Überschuss-Rechnung)
  • und entweder die Anlage S (selbstständige Freiberufler) oder die Anlage G (selbstständige Gewerbetreibende)

 

Eine Gewerbesteuer ist nur von Gewebetreibenden und erst ab einem Freibetrag in Höhe von 24.500 EUR/Jahr zu zahlen, der von nebenberuflich Selbstständigen oft nicht überschritten wird.

Von der Umsatzsteuer können sich Kleinunternehmer, deren Umsatz 17.500 EUR/Jahr nicht übersteigt, befreien lassen – für nebenberuflich Selbstständige ist dies weit häufiger eine Option als für jene, die ausschließlich von der Selbstständigkeit leben. Rechtliche Grundlage ist die Kleinunternehmerregelung. Allerdings können Kleinunternehmer dann auch keine Vorsteuer von Rechnungen abziehen, die ihnen als Unternehmer gestellt werden.

Tipp: Wer sich nebenberuflich selbstständig machen möchte, sollte unbedingt den Rat eines erfahrenen Steuerberaters einholen! Die Beratungskosten können anteilig dann wiederum steuerlich abgesetzt werden.

Nebenberuflich selbstständig: Was muss ich beachten?

Nebenberuflich selbstständig: Den Arbeitgeber zu informieren ist auf jeden Fall ratsam, bei entsprechenden Regelungen in Tarif- oder Arbeitsverträgen sogar verpflichtend. Verbieten darf der Chef eine Nebentätigkeit nicht generell, denn laut § 12 GG besteht das Recht der freien Berufswahl. Wenn allerdings die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers durch seine Nebentätigkeit beeinträchtigt wird oder er in Konkurrenz zu seinem Arbeitgeber tritt, darf dieser die nebenberufliche Selbstständigkeit untersagen. Wichtig: Für eine nebenberufliche Selbstständigkeit dürfen maximal ca. 18 Stunden/Woche aufgewendet werden.

Eine An- oder Ummeldung bei der Krankenkasse ist nicht erforderlich bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit: Die Krankenversicherung läuft weiter. Da sich aber das Gesamteinkommen vermutlich erhöhen wird, werden sich infolge auch die Versicherungsbeiträge erhöhen bzw. sollten vorab angepasst werden, um Nachforderungen zu vermeiden.

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat und in einem anderen Bereich nebenberuflich selbstständig tätig wird als in seinem Hauptberuf, sollte sicherheitshalber nachfragen, ob sich ggf. etwas an Konditionen/Tarifen ändern kann. Außerdem sollte überlegt werden, ob sich der Abschluss einer Rechtsschutz-Versicherung für Firmen und Selbstständige empfiehlt.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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