Radfahrer – Das sind Ihre Rechte und Pflichten im Straßenverkehr

Nach drei Bier lieber das Auto stehen lassen und stattdessen mit dem Rad nach Hause düsen? Und wenn es keinen Radweg gibt, einfach auf dem Fußweg fahren? Den Weg ins Büro nutzen, um mit der Freundin die Wochenend-Planung zu besprechen – und das ohne Helm? Anders als für den Auto-Führerschein benötigt man zum Radfahren keinen Verkehrstest. Doch wie genau sind die Vorschriften für Radfahrer – und was droht bei Verstößen?

Welche Verkehrsregeln gelten für Radfahrer?

Als Verkehrsteilnehmer unterliegen Radfahrer – genau wie Autofahrer und Fußgänger – der Straßenverkehrsordnung (StVO) und all ihren Bestimmungen. Und auch für sie gilt als oberster Grundsatz §1 StVO „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“ vor allem gegenüber „schwächeren“ Verkehrsteilnehmern – in diesem Fall sind die Fußgänger gemeint.

Straße oder Fußweg – Wo müssen Radfahrer fahren?

Fahrräder gelten als Fahrzeuge und müssen daher möglichst weit rechts auf der Straße einzeln hintereinander fahren. Ist jedoch ein Radweg vorhanden und seine Benutzungspflicht ausgeschildert (rundes blaues Schild mit weißem Fahrrad), müssen Sie diesen als Radfahrer nutzen. Der Fußweg ist generell tabu, es sei denn, er ist durch das Zusatzschild "Radfahrer frei" (rundes blaues Schild mit weißem Fußgänger oben und Fahrrad unten) gekennzeichnet. In diesem Fall gilt Schrittgeschwindigkeit und besondere Rücksicht gegenüber Fußgängern, die immer Vorrang haben.

Für Radfahrer gelten die normalen Verkehrsregeln: Vor dem Abbiegen müssen Radfahrer einen Schulterblick nach hinten machen und durch Handzeichen anzeigen, wohin sie abbiegen wollen. Beim Linksabbiegen dürfen sie ab dem Handzeichen nicht mehr links von Autos überholt werden. Sie müssen – wie die Autofahrer – jedoch die Vorfahrtsregeln achten und tangential, also voreinander links abbiegen, wenn ihnen ein Fahrzeug entgegen kommt, das sich ebenfalls zum Linksabbiegen eingeordnet hat.

Werden Sie nicht zum Geisterfahrer: Einbahnstraßen dürfen Sie nur in vorgegebener Richtung befahren, es sei denn, ein Zusatzschild (weißes rechteckiges Schild mit einem Fahrrad und dem Wort „frei“ darunter) erlaubt anderes. Befindet sich in jede Fahrtrichtung ein Radweg, dürfen Sie nur den rechten Radfahrstreifen benutzen. Bei Verstößen gegen die Verkehrsregeln drohen Bußgelder.

Radweg kaputt – wer haftet bei einem Unfall?

Radwege sind oft durch Baumwurzeln, aufgebrochenen Beton oder andere Beschädigungen in einem abenteuerlichen Zustand. Passiert ein Unfall, sollte man meinen, dass die Kommune, die für die Radwege zuständig ist, auch haftbar gemacht werden kann. In der Rechtsprechung sieht das allerdings meist anders aus: Die Richter entscheiden im Streitfall häufig gegen den Radfahrer. Denn wenn Schäden deutlich erkennbar sind, hätte diese Stelle umfahren werden müssen. Wer sich vor Gericht auseinandersetzen will, ist mit einer Verkehrsrechtsschutzversicherung auf der sicheren Seite. Denn sie greift nicht nur bei Autofahrern, sondern auch, wenn Sie mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Kinder auf dem Rad

Bis zu ihrem achten Geburtstag müssen Kinder auf dem Gehweg fahren (wenn kein Radweg vorhanden ist) und dürfen dabei von einer Aufsichtsperson begleitet werden. Beim Überqueren einer Straße müssen die Kinder und die Begleitperson absteigen und schieben. Bis zu ihrem zehnten Geburtstag haben die jungen Verkehrsteilnehmer dann die Wahl zwischen Gehweg und Fahrbahn bzw. Radweg. Am besten üben Sie mit dem Nachwuchs, wie er sich am besten zu verhalten hat. Danach gelten für Kinder die gleichen Regeln wie für Erwachsene.

Müssen Kinder oder Erwachsene einen Helm tragen?

Aktuell besteht in Deutschland weder eine Helmpflicht für Kinder noch für Erwachsene. Es gibt jedoch eine grundsätzliche Empfehlung für Radfahrer, einen Fahrradhelm aufzusetzen, denn Studien zeigen, dass ein Helm die Zahl und auch die Heftigkeit der Kopfverletzungen deutlich verringert. Gehen Sie Ihren Kindern als gutes Beispiel voran!

Die Hände gehören an den Lenker

Wer beim Fahrradfahren das Handy benutzen möchte, läuft Gefahr, ein Bußgeld verordnet zu bekommen. Die 55 Euro kann man sicher besser investieren. Die Benutzung eines Handys zum Telefonieren oder als Navi ist auf dem Fahrrad nur erlaubt, wenn beide Hände für den Lenker frei bleiben. Eine entsprechende Halterung kann dies ermöglichen. Musikhören dürfen Sie – allerdings nur in einer solchen Lautstärke, dass Sie die Umgebungsgeräusche wie Hupen oder das Martinshorn eines Krankenwagens noch mitbekommen. Andernfalls droht ein Bußgeld. Auch Rauchen dürfen Sie. Es kann bei einem Unfall aber zu einer Mitschuld führen – wenn Sie verspätet reagieren, weil Sie an der Zigarette gezogen haben. Einhändig fahren, um Ihren Hund an der Leine zu führen, ist ebenfalls gestattet.

Trotz Alkohol aufs Rad steigen – droht Führerscheinverlust?

Wer betrunken das Auto stehen lässt und sich stattdessen aufs Fahrrad schwingt, kann trotzdem den Straßenverkehr gefährden. Die Grenze für Radfahrer liegt bei 1,6 Promille. Treten Sie mit mehr Alkohol im Blut in die Pedale, drohen Ihnen Punkte in Flensburg, ein Bußgeld sowie die Anordnung zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU). Bestehen Radfahrer diese nicht, müssen sie ihren Führerschein abgeben. Auch ein lebenslanges Fahrrad-Fahrverbot kann verhängt werden.

Fallen Sie jedoch wegen auffälliger Fahrweise auf oder sind sogar an einem Unfall beteiligt, kann es bereits ab einem Wert von 0,3 Promille zu einer Strafanzeige kommen. Schieben unter Alkoholeinfluss hingegen ist erlaubt.

So ist Ihr Fahrrad verkehrssicher ausgerüstet

Damit Ihr Fahrrad als verkehrssicher gilt, braucht es folgende Ausrüstung:

  • weißer Scheinwerfer mit mind. 10 Lux Leistung
  • weißer Reflektor vorn - rotes Rücklicht 
  • oter Reflektor hinten
  • zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen
  • zwei gelbe Speichenrückstrahler 
  • zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale
  • zwei gelbe Rückstrahler je Pedal

 

Polizeikontrolle auf dem Rad

Auch auf dem Fahrrad kann die Polizei Sie kontrollieren. Ob Sie Schlangenlinien fahren, das Handy am Ohr haben oder Ihr Fahrrad nicht dem oben genannten Ausrüstungsstandard entspricht – die Ordnungshüter haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht das entsprechend zu ahnden. Also den Handzeichen der Beamten folgen und anhalten. Ein Fluchtversuch ist nicht nur gefährlich, sondern meist erfolglos und kann Bußgelder nach sich ziehen.