05.08.2019

Rechts überholen: Wann ist das erlaubt?

Wer hat es nicht in der Fahrschule gelernt? Es ist verboten, andere Verkehrsteilnehmer rechts zu überholen. Doch gilt diese Regel immer, überall und ohne Ausnahme? Zunächst scheint die Straßenverkehrsordnung hier ganz eindeutig zu sein. „Es ist links zu überholen.“ lautet der Wortlaut von § 5 Absatz 1 StVO. Aus dem Gebot des Linksüberholens folgt also das Verbot des Rechtsüberholens? Es gibt Ausnahmen von dieser Vorschrift. In bestimmten Situationen ist rechts überholen erlaubt, wobei der Gesetzgeber die entsprechenden Umstände für straffreies Überholen von rechts klar definiert hat. Im Folgenden erläutern wir diese Ausnahmen und fassen zusammen, mit welchen Bußgeldern man bei gesetzeswidrigem Überholen rechnen muss. Kommt es in unklaren Situationen zu einem Unfall und etwaigen weiteren Konsequenzen, ist eine Verkehrs-Rechtsschutzversicherung hilfreich.

Wie ist rechts Überholen definiert?

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter rechts Überholen das Ausscheren aus der linken Spur, Vorbeifahren in der rechten Spur an einem oder mehreren Fahrzeugen und anschließende Einordnen in die ursprüngliche Spur verstanden. Dies ist jedoch nicht ganz korrekt: Definiert ist Überholen als das Einholen und Passieren eines anderen Fahrzeugs – es handelt sich demnach also auch um Überholvorgänge, wenn man (konform mit der StVO) auf der Autobahn auf dem linken Fahrstreifen schneller fährt als die Kraftfahrzeuge auf dem rechten Fahrstreifen oder (ordnungswidrig) auf der rechten Spur schneller fährt und die Autos auf dem linken Fahrstreifen passiert. Immer dann, wenn man rechts an den links fahrenden Kfz vorbeizieht, handelt es sich also um rechts Überholen.

Wann ist rechts Überholen innerorts erlaubt?

Innerhalb geschlossener Ortschaften ist rechts Überholen in folgenden Ausnahmefällen erlaubt:

  • Sofern mehrere Fahrstreifen für ein- und dieselbe Fahrtrichtung vorhanden und entsprechend markiert sind, ist es Autofahrern gestattet, auf dem rechten Streifen schneller zu fahren als Fahrzeuge auf dem linken Fahrstreifen, also rechts zu überholen. Dies ist jedoch nur Fahrern eines Kfz mit nicht mehr als 3,5 Tonnen Gesamtgewicht erlaubt und es darf die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h nicht überschritten werden (§ 7 Absatz 3 StVO).
  • Eine weitere Ausnahme vom Verbot des Rechtsüberholens ergibt sich im Ampelbereich: Ist die Ampel für die Fahrtrichtung auf Grün, kann man an noch stehenden oder langsamer fahrenden Kfz rechts vorbeiziehen (§ 37 Absatz 4 StVO).
  • Außerdem darf man Linksabbieger, die den Blinker bereits gesetzt haben und warten, bis sie abbiegen können, in der Stadt rechts überholen, ohne Sanktionen befürchten zu müssen (§ 5 Absatz 7 StVO).

 

Darüber hinaus sind zwei weitere Besonderheiten zu beachten:

  • Schienenfahrzeuge wie die Straßenbahn dürfen nicht nur, sondern müssen im Normalfall rechts überholt werden (§ 5 Absatz 7 StVO).
  • Im Gegensatz zu Autofahrern gilt für Mofa- und Fahrradfahrer: Sie dürfen Fahrzeuge, die auf der rechten Spur warten, rechts überholen, sofern ausreichend Platz vorhanden ist; dabei sind sie zu besonderer Vorsicht verpflichtet (§ 5 Absatz 8 StVO).

 

Darf man auf der Autobahn rechts überholen?

Auch hier lautet die Antwort: Nein – aber. So sehr die Schleicher nerven, außerhalb geschlossener Ortschaften wird das Überholen von rechts noch mit einem weitaus höheren Bußgeld geahndet. Es gibt jedoch auch hier einige Ausnahmefälle, in denen rechts Überholen auf der Autobahn erlaubt ist. Diese sind:

  • Wenn sich auf der Autobahn oder einer anderen mehrspurigen Fahrbahn ein Stau oder zähfließender Verkehr gebildet hat, darf man auf der linken Spur stehende oder langsam fahrende Kfz rechts überholen. Bedingungen hierfür sind, so hat die Rechtsprechungspraxis ergeben, neben dem sogenannten Kolonnenverkehr außerdem, dass sich die Autoschlange auf der linken Spur nicht schneller als mit 60 km/h pro Stunde bewegt und dass man auf der rechten Spur maximal 20 km/h schneller fährt als die Kraftfahrer links daneben (§ 7 Absätze 2, 2a StVO).
  • Auf dem Beschleunigungsstreifen der Autobahn, die als eigenständige Fahrbahn betrachtet wird, sofern sie eindeutig durch eine breite Linie von den davon abgehenden Fahrstreifen abgegrenzt ist, kann rechts Überholen erlaubt sein – beispielsweise, wenn man hier an einem auf der linken Spur langsamer fahrenden Lkw vorbeizieht und vor ihm auf die eigentliche Autobahn fährt. Wichtig: Da auf dem Verzögerungs- bzw. Ausfädelungsstreifen die Geschwindigkeit reduziert werden soll, ist hier per se das rechts Überholen untersagt.

 

Welche Strafe gibt es für rechts Überholen?

Verkehrsteilnehmer, die verbotswidrig rechts überholen, haben mit Bußgeldern zu rechnen. Diese betragen innerhalb geschlossener Ortschaften

  • 30 Euro
  • bzw. 35 Euro, wenn der Überholvorgang Verkehrsteilnehmer gefährdet oder zu einem Unfall führt

 

Falls Kfz-Fahrer außerhalb geschlossener Ortschaften ordnungswidrig rechts überholen, führt dies zusätzlich zu einem Eintrag im Zentralen Fahrerlaubnisregister. Konkret bedeutet dies:

  • Wer auf einer Land- oder Schnellstraße oder der Autobahn rechts überholt, zahlt 100 Euro und bekommt einen Punkt in Flensburg.
  • Gefährdet man mit einem Überholmanöver andere Verkehrsteilnehmer, erhöht sich das Bußgeld auf 120 Euro.
  • Richtig teuer wird es, wenn Verkehrssünder dabei einen Unfall verursachen: Dann zieht rechts Überholen auf der Autobahn eine Strafe von 145 Euro nach sich.

Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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