12.03.2018

Die Rechtslage bei Wildunfällen

Sie haben schon in der Fahrschule trainiert, was beim Wildwechsel zu tun ist. Doch dann passiert es in echt: Plötzlich sehen Sie im Scheinwerferlicht einen Hasen und können nicht mehr ausweichen. Welche Maßnahmen müssen Autofahrer bei Wildunfällen ergreifen? Und wer kommt für die entstandenen Schäden auf?

2016 kam es zu 264.000 Wildunfällen auf deutschen Straßen – damit stieg die Zahl der Wildunfälle erneut. Deswegen ist es kein Wunder, dass alle Autofahrer diese Schrecksekunde kennen, in der plötzlich ein Reh oder gar eine ganze Wildschweinrotte im Scheinwerferlicht auftaucht. Doch es gibt einige Hinweise, anhand derer Sie auf eine akute Gefahrensituation schließen können:

  • Die Tageszeit
    Wildunfälle häufen sich besonders in der Dämmerung – und zwar am Abend wie am Morgen. Herbst und Winter sind besonders gefährliche Jahreszeiten, doch auch im Frühling, wenn sich die Tiere in der Brunft befinden, häufen sich die Unfälle. Sie sollten also zu diesen Tageszeiten besonders vorsichtig fahren.
  • Die Wegstrecke
    Besonders Straßen, die durch die freie Natur führen, sind Schwerpunkte in Sachen Wildunfall. In Wald- und Landschaftsgebieten werden daher häufig Verkehrsschilder aufgestellt, die auf die Gefahr durch Wildwechsel hinweisen. Auf solchen Strecken können Sie ruhig auch mal vorsorglich den Fuß vom Gaspedal nehmen, um Wildunfälle zu vermeiden.

 

Bremsen, draufhalten oder ausweichen?

Die meisten Menschen möchten kein Tier überfahren und haben deshalb meist schon im Vorfeld darüber nachgedacht, wie sie sich im Fall der Fälle verhalten sollen. In Echtzeit bleibt keine Zeit mehr zum Nachdenken, eine schnelle Reaktion ist gefragt! Doch jede Reaktionsmöglichkeit hat ihre Vor- und Nachteile:

  • Bremsen – es besteht das Risiko, dass Ihr Auto bei einer Vollbremsung ins Schleudern gerät. Außerdem könnte der Hintermann auf Ihr Fahrzeug auffahren. Bremsmanöver sind also nur dann empfehlenswert, wenn man sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet.
  • Draufhalten – gerade bei größeren Tieren wie einem Reh oder einem Wildschwein besteht die Gefahr, dass das Tier im Falle der Kollision schwere Schäden an Ihrem Auto verursacht. Manchmal sind sogar Menschenleben in Gefahr, wenn das Tier auf die Windschutzscheibe prallt.
  • Ausweichen – hier besteht die Gefahr, dass Sie als ausweichender Autofahrer in den Gegenverkehr geraten und dadurch eine Massenkollision verursachen. Oder Sie verlieren die Kontrolle über das Fahrzeug und prallen gegen einen Baum.

 

Sie sehen: Es gibt keine ideale Verhaltensweise. Doch kontrollierte Brems- oder Ausweichmanöver scheinen in der Tendenz weniger schlimme Folgen zu haben als das früher so oft empfohlene Draufhalten.

Wer kommt für die Schäden auf?

Klar, Hase und Hirsch haben keine eigene Versicherung. Daher sind Wildunfallschäden am Fahrzeug durch die Teilkaskoversicherung abgedeckt – aber nur, wenn es sich um sogenanntes Haarwild handelt (Hirsche, Wildschweine, Rehe, Füchse oder Hasen). Schäden durch große, frei lebende Vögel wie zum Beispiel Schwäne oder Fasanen sind nicht immer über die Teilkasko abgedeckt; eine bei einem Vogelunfall beschädigte Windschutzscheibe wird hingegen ersetzt. Folgeschäden, die zum Beispiel nach einem Ausweichmanöver durch einen Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug entstehen, sind nicht immer durch die Teilkasko abgedeckt – eine Ausnahme kann aber eine sogenannte Rettungsmaßnahme beim Ausweichen vor großen Tieren darstellen.

Vollkaskoversicherungen hingegen zahlen immer für die entstandenen Schäden am Auto – also auch bei einem Wildunfall. So versicherte Autofahrer müssen aber damit rechnen, bei der Regulierung des Wildschadens in eine ungünstigere Schadensklasse zu rutschen und künftig mehr Geld für ihre Vollkaskoversicherung bezahlen zu müssen.

In jedem Fall Beweise sammeln

Die Beweispflicht für einen Wildunfall liegt immer beim Fahrer. Eine Kollision mit einem großen Wildtier hinterlässt meist deutliche Spuren an der Karosserie des Fahrzeugs. Ein Unfall, dessen Ursache ein Hase ist, der die Straße überquert hat, ist hingegen schwieriger auf das Wildtier zurückzuführen. Geeignete Maßnahmen zur Beweissicherung sind:

  • Fotos von der Unfallstelle und den Schäden am KFZ. Wenn das Tier nicht überlebt hat, sollte es ebenfalls fotografiert werden.
  • Ein Unfallprotokoll, das im Idealfall von der verständigten Polizei erstellt wurde, hilft ebenfalls bei der Regulierung der Schäden.
  • Polizisten und Jagdpächter können eine sogenannte Wildschadensbestätigung ausfüllen, die die Beweisführung für die geschädigten Autofahrer erleichtert.

 

Wichtig: Unfallspuren am Fahrzeug wie zum Beispiel Haare, Blut oder Kratzer sollten erst beseitigt werden, wenn die Versicherung das Fahrzeug begutachtet hat.

Das Extra für ADAC-Mitglieder

Mitglieder des größten deutschen Automobilclubs können bei einem Wildunfall 300 Euro Unterstützung erhalten. Die Meldung erfolgt ganz einfach online im Portal des ADAC


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei Alege auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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