27.05.2019

Steuererklärung – Wer muss sie machen und was kann steuerlich abgesetzt werden?

Ein Jahr geht schnell vorüber und schon ist es wieder soweit – die Steuererklärung muss angefertigt und fristgerecht an das Finanzamt übermittelt werden. Wie war das nochmal…? Muss jeder Bürger eine Einkommensteuererklärung abgeben oder gibt es Ausnahmen? Welcher Stichtag gilt für mich und was kann ich alles von der Steuer absetzen? In unserer Übersicht finden Sie Antworten auf alle wichtigen Fragen zur Steuererklärung.

Muss man eine Steuererklärung machen?

Muss ich eine Steuererklärung machen oder nicht? Die Antwort lautet: Nicht jeder muss eine Steuererklärung abgeben. Wenn man zum Beispiel als Single weniger als 9.000 Euro bzw. als Ehepaar oder eingetragene Lebenspartner zusammen weniger als 18.000 Euro erwirtschaftet hat, ist man von der Steuerpflicht ausgenommen. Ebenfalls nicht zur Abgabe verpflichtet sind Angehörige der Steuerklasse I, deren Einnahmen ausschließlich aus einem Einkommen als Angestellter bestehen. Auch für Ehepaare mit der Steuerklassenkombination IV/IV gilt diese Regel. In diesen Fällen führt der Arbeitgeber die Steuern an das Finanzamt ab.

Für alle anderen besteht die sogenannte „Veranlagungspflicht“. Das Finanzamt prüft dann, ob man zu wenig Steuern abgeführt haben. Ist dem so, kommt eine Nachzahlung auf denjenigen zu.

Ist man von der Veranlagungspflicht aus oben genannten Gründen befreit, kann man jedoch freiwillig eine Steuererklärung („Antragsveranlagung“) abgeben. Das kann sich durchaus lohnen und zu einer Rückzahlung führen, wenn folgende Faktoren zutreffen:

  • Man hatte schwankende Einkünfte 
  • Man hat die Steuerklasse gewechselt, z. B. durch Heirat
  • Man hatte hohe Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen 
  • Man hat das Arbeits- oder Dienstverhältnis gewechselt oder im laufenden Steuerjahr seinen ersten Job angetreten
  • Man hatte Ausgaben für haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerker

 

Wer muss eine Steuererklärung abgeben?

Das kommt auf verschiedene Faktoren an. Treffen einer oder mehrere der folgenden Punkte auf einen zu, ist man zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet (Veranlagungspflicht):

  • Nebeneinkünfte von über 410 Euro (steuerfreie Entgeltersatzleistungen)
  • Arbeitslohn von mehreren Arbeitgebern
  • Eintragung bestimmter Freibeträge auf Ihrer elektronischen Lohnsteuerkarte
  • Ein Ehe- oder Lebenspartner wird nach Steuerklasse V oder VI besteuert oder beide nach Steuerklasse IV mit Faktor (beide beziehen Arbeitslohn)
  • Bezug von Lohnersatzleistungen wie Elterngeld oder Arbeitslosengeld
  • Man wurde geschieden und man selbst oder der ehemalige Partner hat im selben Jahr neu geheiratet

 

Die vollständige Auflistung der Gründe für eine Pflichtveranlagung finden Sie unter § 46 EstG.

Abgabefrist Steuererklärung

Wenn eine Veranlagungspflicht besteht, man nicht selbstständig ist und man seine Steuererklärung selbst anfertigt, muss man diese bis zum 31. Juli des Folgejahres bei seinem zuständigen Finanzamt einreichen. Diese Frist gilt erstmals für Steuererklärungen für das Jahr 2018. Vorher galt der 31. Mai als Abgabefrist.

Ist man selbstständig, ist die Steuererklärungs-Frist für das Jahr 2018 ebenfalls erstmals der 31. Juli.

Lässt man sich bei seiner Steuererklärung von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein helfen, gewährt das Finanzamt etwas mehr Zeit. In diesem Fall gilt der letzte Februartag des übernächsten Jahres als Stichtag (vormals 31. Dezember).

Gehört man zu dem Personenkreis, der nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, kann man seine freiwillige Steuererklärung bis zu vier Jahre rückwirkend nach Ablauf des jeweiligen Steuerjahrs, also zum 31. Dezember, beim Finanzamt vorlegen.

Wenn man es nicht schafft, seine Steuererklärung fristgerecht abzugeben, kann man beim Finanzamt schriftlich eine Fristverlängerung beantragen. Dieser Antrag wird in der Regel jedoch nur akzeptiert, wenn triftige Gründe vorliegen wie zum Beispiel ein Umzug, fehlende Belege oder eine längere Krankheit. Ein Anspruch auf Fristverlängerung besteht nicht.

Was kann man alles von der Steuer absetzen?

Bestimmte Ausgaben kann man von der Steuer absetzen. Entweder in voller Höhe oder bis zu einem bestimmten Betrag. „Absetzen“ bedeutet, dass bestimmte Ausgaben durch das Finanzamt von seinen Jahreseinnahmen abgezogen werden und der zu versteuernde Betrag dadurch kleiner wird. Es entsteht also ein Steuervorteil.

Die absetzbaren Kosten sind aufgeteilt in Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen.

Zu den Werbungskosten gehören Ausgaben, die im Zusammenhang mit der Arbeit entstehen, wie zum Beispiel Fahrtkosten, Kosten für Berufsbekleidung oder Bewerbungskosten. Um die entstandenen Kosten zu belegen, sammelt man alle Quittungen und trägt die Summe unter „Anlage N“ in die Steuererklärung ein. Liegen die Ausgaben unter 1.000 Euro, nimmt man am besten die Werbungskostenpauschale in Anspruch. Dies ermöglicht einen pauschalen Abzug, in Höhe von 1.000 Euro Werbungskosten von den zu versteuernden Einnahmen.

In den Sonderausgaben finden sich Ausgaben privater Art. Der erste Teil der Sonderausgaben sind die Vorsorgeaufwendungen. Hier stellt sich die Frage: Welche Versicherungen kann man von der Steuer absetzen?

Von der Steuer absetzbare Versicherungen sind:

  • Kranken- und Pflegeversicherung
  • Altersvorsorgebeiträge (gesetzliche Rentenversicherung und ähnliche Beiträge zur Altersvorsorge)
  • Arbeitslosenversicherung
  • Haftpflichtversicherung
  • Unfallversicherung
  • Lebensversicherungen (mit Einschränkungen)

 

Reine Sachversicherungen wie Hausratversicherungen oder Kaskoversicherungen für Autos gelten nicht als Vorsorgeaufwendungen. Deshalb gewährt der Staat in der Regel keine steuerlichen Erleichterungen.

Einige Versicherungen, die nicht als Vorsorgeaufwendungen gelten, lassen sich teilweise als Werbungskosten absetzen – und zwar zu dem Teil, der ein berufliches Risiko mit abdeckt. Dazu gehören die Unfallversicherung, die Berufshaftpflichtversicherung und die Rechtsschutzversicherung, wenn sie einen Arbeits-Rechtsschutz beinhaltet. Der Prämien-Anteil für den Arbeits-Rechtsschutz muss von der Versicherung zur Vorlage beim Finanzamt bescheinigt werden.

„Andere“ Sonderausgaben sind:

  • Unterhaltszahlungen an geschiedene oder dauernd getrennt lebende Ehegatten oder Lebenspartner
  • Kinderbetreuungskosten
  • Ausbildungskosten (eigene oder für Ehegatten)
  • Schulgeld - Kirchensteuer
  • Spenden

 

Kosten durch außergewöhnliche Belastungen entstehen, wenn ein Steuerzahler ohne eigenes Verschulden höhere, „unzumutbare“ Belastungen zu tragen hat als die Mehrheit der vergleichbaren Steuerzahler. Zu diesen Kosten gehören unter anderem Bestattungskosten, Pflegekosten oder Aufwendungen für eine Heimunterbringung. Um Kosten durch außergewöhnliche Belastungen geltend machen zu können, muss man die Grenze der sogenannten zumutbaren Belastung gemäß § 33 Abs. 3 EstG überschreiten.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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