14.05.2018

Fahrerflucht: Nicht nur für die Opfer ein Problem

Kaum ein Verkehrsteilnehmer, der nicht schon mit diesem Thema konfrontiert wurde. Man will mit seinem Auto losfahren und entdeckt hässliche Kratzer am Kotflügel oder anders herum: Beim Ausparken macht es plötzlich „Ratsch“, und schon hat der Nachbar eine Delle im Lack! Was tun? Wegen so einer Lappalie gleich die Polizei rufen? Sowohl Verursacher als Geschädigte tun gut daran, über das Thema Unfall mit Fahrerflucht Bescheid zu wissen. Denn: Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort ist nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat. Alle relevanten Informationen dazu erhalten Sie in diesem Artikel.

Was versteht man unter Fahrerflucht?

Jeder, der an einem Unfall beteiligt ist, sei es nur, dass er einen anderen Verkehrsteilnehmer behindert und damit zu einem Unfall beiträgt, begeht Fahrerflucht, wenn er nicht unverzüglich anhält und am Unfallort verweilt. Unverzüglich bedeutet sofort und nicht beispielsweise 200 Meter weiter. Dies gilt sowohl für Rangierschäden beim Ein- und Ausparken, als auch im fließenden Verkehr. Fahrerflucht, auch Unfallflucht genannt, ist im Paragraph 142 Strafgesetzbuch geregelt und gilt nicht als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat. Auch das Entfernen vom Unfallort, nachdem man beim Ausparken das Nachbarfahrzeug leicht touchiert hat, ist alles andere als ein Kavaliersdelikt! Wer eine Anzeige wegen Fahrerflucht erhält, muss sich auf empfindliche Strafen einstellen, im Extremfall bis zu drei Jahre Gefängnis. Regulär beläuft sich die Strafe bei Fahrerflucht auf ein Fahrverbot von bis zu drei Monaten und den Führerscheinentzug, wenn der Schaden mehr als 1.400 Euro beträgt.

Verhalten bei Unfallflucht – Was müssen Geschädigte und Verursacher beachten?

Als Schadensverursacher sollten Sie am Unfallort bleiben und den Kontakt zur geschädigten Person suchen. Auch wird unbedingt dazu geraten, die Polizei einzuschalten. Werden Sie zum Unfallhergang befragt, sollten Sie Ihre Personalien angeben, haben aber auch das Recht eine Aussage zu verweigern. Hiervon sollten Sie unbedingt Gebrauch machen, um den Fallstricken des Gesetzes durch Zuhilfenahme eines versierten Verkehrsrechtsanwaltes zu entgehen. Einige wenige Ausnahmen rechtfertigen aber das Verlassen des Unfallortes, wenn Sie zum Beispiel eine Notrufsäule oder Telefonzelle aufsuchen müssen, wenn eine Gefahr durch Explosion besteht, oder wenn Sie auf Grund von Verletzungen ins Krankenhaus müssen. Trifft dies alles nicht zu, hat man am Unfallort eine angemessene Zeit auf den oder die Geschädigte zu warten. Das Gesetz schreibt eine Dauer von 20 bis 60 Minuten vor. Liegt ein Parkschein im beschädigten Auto, sollten Sie bis zum Ablauf der angezeigten Parkzeit warten, oder Sie rufen gleich die Polizei. Auch sollten Sie in umliegenden Geschäften nach dem Halter des geschädigten Fahrzeuges suchen oder diesen ausrufen zu lassen, wenn man auf dem Kundenparkplatz eines größeren Geschäftes steht. Denken Sie aber daran, vor Verlassen des Unfallortes die Polizei zu verständigen! Die weit verbreitete Praxis, vor der Fahrerflucht einfach einen Zettel mit der eigenen Telefonnummer an der Windschutzscheibe des anderen Autos zu pinnen, ist hingegen nicht zulässig. Zu leicht kann dieser verloren gehen und den Adressat nicht erreichen.

Als Geschädigter sollten Sie den Unfallort und Ihr Fahrzeug fotografieren, Passanten befragen, ob sie etwas gesehen haben und die Polizei verständigen. Achten Sie auf eventuelle Lackspuren des Fremdfahrzeuges an ihrem Auto, befinden sich Splitter in der unmittelbaren Umgebung? All dies sind Hinweise, die der Polizei helfen können, den Täter zu ermitteln.

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Was tun wenn man eine Fahrerflucht beobachtet?

Sollten Sie jemanden beobachten, der beim Rangieren ein anderes Fahrzeug beschädigt, dürfen Sie sich nicht schämen, die betreffende Person darauf anzusprechen oder, im Falle eines Unfalls mit Fahrerflucht, das Nummernschild zu notieren und die Polizei zu verständigen. Immerhin ist auch ein kleiner Kratzer für den Geschädigten mitunter ein empfindlicher Schaden und es ist nur recht und billig, dass man für seinen Fehler geradesteht.

Wer zahlt bei Fahrerflucht?

Ein weiteres gutes Argument, einen Schaden als Verursacher sofort zu melden, ist die Schadensregulierung durch die eigene Haftpflichtversicherung. Diese kann eine Übernahme des Schadens nämlich ablehnen, wenn der Versicherte Fahrerflucht begangen hat. Im Normalfall ist es so, dass Sie als Geschädigter durch die Haftpflicht des Verursachers abgedeckt sind. Sind Sie der Verursacher und ist auch Ihr Fahrzeug beschädigt, so übernimmt die Teilkasko meist nur Glasschäden, also Defekte an Scheinwerfern, Seitenspiegeln oder Scheiben, eine Vollkasko hingegen den ganzen Schaden. Allerdings werden Sie, je nach Höhe der anfallenden Kosten, hochgestuft. Werden Sie wegen Fahrerflucht verurteilt, muss die Kaskoversicherung nicht bezahlen, die Haftpflicht kann bis zu 5.000 Euro Regressansprüche an Sie stellen. Als Verursacher übernimmt die Rechtsschutzversicherung ihren Fall so lange, bis es zu einer Vorsatzverurteilung kommt. Wird diese rechtskräftig, muss man die von der Versicherung geleisteten Zahlungen zurückerstatten.

Was soll ich tun, wenn ich den Schaden erst später bemerke?

Leider gilt auch hier der Leitspruch: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!“ Trotzdem sollten Sie in jedem Fall die Polizei benachrichtigen, bevor diese – etwa durch Zeugen – selbst den Täter ermitteln kann. Am Ende kommt es dann auf den Richter an, ob er Ihnen Glauben schenkt oder nicht. Das Gesetz definiert zwar, dass man Fahrerflucht nur vorsätzlich begehen kann, doch im Zweifel wird es vor Gericht schwierig zu beweisen, dass Sie nichts bemerkt haben.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei Alege auf rechtliche Korrektheit überprüft.