27.12.2021

Seniorenstudium: So geht studieren im Alter

Viele Hochschulen in Deutschland bieten wissensdurstigen Rentnern ein sogenanntes Seniorenstudium an. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff? Welche Voraussetzungen gibt es und wie genau läuft ein Studium im Alter ab? Sind die Kosten eines Studiums von der Steuer absetzbar?

Was ist ein Seniorenstudium?

Der Begriff „Seniorenstudium“ bezeichnet keinen speziellen Studiengang. Er fasst vielmehr Studienprogramme zusammen, die deutschlandweit von vielen Hochschulen angeboten werden.

Im Gegensatz zu einem klassischen Studium schließt ein Seniorenstudium nicht mit einem akademischen Abschluss ab. Diese Art der Weiterbildung dient lediglich der Erweiterung des wissenschaftlichen Horizonts. Im Zentrum stehen das fachliche Interesse des Studierenden an Theologie, Germanistik, Philosophie oder anderen Fachrichtungen.

Seniorenstudium: Die Voraussetzungen

In nahezu allen Bundesländern ist die Teilnahme an einem Seniorenstudium nicht an einen bestimmten Schulabschluss oder Bildungsstand gekoppelt. Jeder interessierte Rentner kann sich für die jeweiligen Lehrveranstaltungen einschreiben. Die Ausnahme bildet Bayern. Im Freistaat müssen Senioren eine Hochschulzugangsberechtigung vorweisen.

Wie bei allen Studiengängen an Universitäten erfordert das Studium für Senioren eine offizielle Immatrikulation.

Was spricht für ein Studium im Alter?

Das sogenannte Seniorenstudium weist im Vergleich zu einem klassischen Studium den großen Vorteil der Flexibilität auf. Wissenschaftlich Interessierte können an allen für sie interessanten Lehrveranstaltungen teilnehmen – ohne Rücksicht auf deren Fachbereich. Das bedeutet: Studierende Rentner können die Lehrveranstaltungen besuchen, die exakt ihrem Interessensgebiet entsprechen. Dabei sind sie nicht an Lehrpläne gebunden, da weder Prüfungen abgelegt, noch Hausarbeiten oder andere wissenschaftliche Arbeiten verfasst werden müssen.

Darüber hinaus sind Seniorenstudiengänge in die normalen Abläufe an einer Universität integriert. Studierende der jüngeren und älteren Generation sitzen gemeinsam in Lehrveranstaltungen. Auf diese Weise findet ein Austausch der Generationen statt, welchen viele Senioren als erfrischend und bereichernd empfinden.

Studieren als Rentner: Wie läuft ein Seniorenstudium ab?

Wie bereits erwähnt unterscheidet sich ein Seniorenstudium in der Regel nicht von einem klassischen Studium. Das hängt jedoch maßgeblich davon ab, für welche Form des Seniorenstudiums sich ein interessierter Rentner entscheidet.

Das Seniorenstudium an einer Universität

Zahlreiche Universitäten beschäftigen mittlerweile Ansprechpartner für studierende Rentner. Diese beraten umfassend zu den einzelnen Bildungsmöglichkeiten und Lehrangeboten. Das Studium selbst erfolgt in den Lehrveranstaltungen, die auch von der jüngeren Generation besucht werden. Einige Hochschulen bieten darüber hinaus Studienprogramme, welche sich explizit nur an studierende Senioren richten und auch nur von diesen besucht werden.

Das Gasthörerstudium

Eine Alternative zum Seniorenstudium ist das sogenannte Gasthörerstudium. Dieses steht Menschen jeden Lebensalters offen und ist in der Regel nicht an bestimmte Zulassungsvoraussetzungen geknüpft. Dabei ist zu beachten: Gasthörer dürfen Lehrveranstaltungen nur dann besuchen, wenn ausreichend freie Plätze vorhanden sind. Eingeschriebene Studenten haben Vorrang. Dasselbe gilt für den Besuch von Seminaren.

Das Zertifikatsstudium

Wer als wissensdurstiger Rentner nach Anerkennung für sein neu erworbenes, akademisches Wissen strebt, findet im sogenannten Zertifikatsstudium eine interessante Alternative zum Seniorenstudium. Es umfasst üblicherweise eine Studiendauer von vier bis fünf Semestern und vermittelt grundlegendes Basiswissen im jeweiligen Fachgebiet. Die Besonderheit: Im Gegensatz zum klassischen Seniorenstudium müssen während des Zertifikatsstudiums einige wissenschaftliche Leistungen erbracht werden. Dazu zählen beispielsweise Seminararbeiten sowie mündliche und schriftliche Prüfungen. Wurden diese abgelegt, erhält der studierende Rentner ein universitäres Zertifikat. Das kann verwendet werden, um bestimmte Anforderungen für einen Nebenjob oder ein Ehrenamt zu erfüllen, ist jedoch nicht mit einem akademischen Abschluss gleichzusetzen.

Kosten des Seniorenstudiums

Die Gebühren für ein Seniorenstudium schwanken von Bundesland zu Bundesland, den besuchten Veranstaltungen und der Anzahl der Semester. In der Regel liegen die Kosten zwischen 100 und 300 Euro pro Semester. Zudem muss am Anfang des Seniorenstudiums eine Immatrikulationsgebühr bezahlt werden, die zwischen 40 und 75 Euro liegt.

Hinzu kommen Anschaffungskosten für Literatur und Büro- und Unterrichtsmaterialien, die sich nach dem Verbrauch und der jeweiligen Fakultät richten.

Ein Seniorenstudium ist steuerlich absetzbar

Kosten für ein Studium oder eine Weiterbildung können von der Steuer abgesetzt werden – sofern diese Kosten im Zusammenhang mit zukünftigen Einkünften stehen. Zu den absetzbaren Kosten zählen:

  • Teilnahme- und Kursgebühren
  • Kosten für Büromaterial
  • Kosten für Laptop
  • Kosten für Büromöbel


Diese Regelung gilt auch für ein Seniorenstudium. Bis zu 6.000 Euro pro Jahr werden durch das Finanzamt als Sonderausgaben anerkannt. Die gesetzliche Grundlage bildet § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG. Voraussetzung ist, dass der studierende Rentner nach Abschluss des Studiums eine studiumsbezogene Berufstätigkeit anstrebt. Um diese Voraussetzung zu erfüllen, muss der Senior jedoch nicht zwingend arbeiten. Es reicht aus, ein ernsthaftes Bemühen um eine Erwerbstätigkeit nachzuweisen. Beispielsweise, indem der studierende Rentner Bewerbungen an alle in Frage kommenden Arbeitgeber versendet. Dabei kann sich auch auf eine Teilzeitbeschäftigung beworben werden – sogar dann, wenn aufgrund des Alters nur eine geringe Chance besteht, die Stelle tatsächlich zu erhalten.


Der eingestellte Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei ALEGOS Rechtsanwälte juristisch überprüft.