02.04.2018

Abmahnung vom Arbeitgeber – Gültigkeit & das richtige Vorgehen

Sie entspricht ungefähr dem „Blauen Brief“ aus der Schule oder der gelben Karte auf dem Fußballplatz: Eine Abmahnung vom Arbeitgeber ist ein deutlicher Warnhinweis für den Empfänger, sein vermeintlich fehlerhaftes Verhalten nicht zu wiederholen – andernfalls droht ihm die Kündigung. Wichtig für den Arbeitnehmer ist jetzt, unbedingt Ruhe zu bewahren.

Was bedeutet eine Abmahnung für den Arbeitnehmer?

Unerlaubter Alkoholkonsum, häufige Verspätung oder unentschuldigtes Fehlen: Gründe für eine Abmahnung seitens des Arbeitgebers gibt es viele und er darf hierfür jedes persönliche Fehlverhalten des Weisungsgebundenen anführen. Es liegt auch in seinem Ermessen, ob und wann er die Abmahnung ausspricht. Eine Abmahnung muss dabei nicht zwingend "von ganz oben" kommen, sondern kann auch vom direkten Vorgesetzten ausgesprochen werden.

Ist die Abmahnung begründet, also hat sich der Arbeitnehmer tatsächlich ein Fehlverhalten geleistet, sollte er sich schlichtweg zusammenreißen, wenn er seinen Job nicht verlieren will. Denn begeht er den gleichen Fehler nochmal, hat die Abmahnung keine Änderung des Verhaltens bewirkt: Der Arbeitgeber darf dem Angestellten dann verhaltensbedingt kündigen. Oder anders gesagt: Erfolgte die Abmahnung aufgrund dauernder Verspätung und der Arbeitnehmer verspätet sich weiterhin, darf die Kündigung ausgesprochen werden. Fällt der Arbeitnehmer nach der Abmahnung durch Leistungsmangel auf, darf das nicht der Grund für die Kündigung sein.

Bei strafbaren Vergehen wie Betrug oder Diebstahl braucht es keine vorherige Abmahnung: Dem Mitarbeiter kann sofort fristlos gekündigt werden. Akut hat der Arbeitnehmer nach einer Abmahnung nichts zu befürchten und sollte darum Ruhe bewahren, um das bereits angespannte Verhältnis zum Chef nicht zu verschlimmern.

Welcher Form bedarf die Abmahnung?

Es gibt einen Unterschied zwischen Abmahnung und Ermahnung: Sofern nicht anders im Arbeitsvertrag vereinbart hat die Abmahnung bereits Gültigkeit, wenn sie mündlich ausgesprochen wird. Der Arbeitgeber begibt sich aber auf die sicherere Seite, wenn er sie schriftlich formuliert und sich die Entgegennahme vom Arbeitnehmer quittieren lässt. Damit ist er bei einem möglichen Kündigungsschutzprozess gewappnet, sofern das Fehlverhalten konkret mit Angabe von Ort, Datum und Zeitraum beschrieben ist. Andernfalls kann das Dokument vor Gericht schwerlich standhalten. Es muss deutlich daraus hervorgehen, welche Pflicht der Angestellte nicht erfüllt hat.

Bekommt der Arbeitnehmer von seinem Vorgesetzten nur eine Ermahnung, darf ihm nicht gekündigt werden, auch wenn sein Fehlverhalten erneut auftritt. Eine Ermahnung ist erst die Vorstufe zur Abmahnung.

Wie kann man sich gegen eine Abmahnung wehren?

Wenn Sie, wie bereits erwähnt, an der Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses interessiert sind, sollten Sie – egal, ob die Abmahnung gerechtfertigt ist oder nicht – erst einmal zur Ruhe kommen. Beginnen Sie sofort zu meckern, kann das als mangelnde Einsicht ausgelegt werden und die Kündigung sofort nach sich ziehen. Es ist nämlich nicht richtig, dass eine Kündigung erst nach drei Abmahnungen erfolgen darf.

Eine Abmahnung geht in die Personalakte ein, verliert jedoch nach einiger Zeit ihre Wirkung, sofern der Mitarbeiter sein Fehlverhalten einstellt oder ändert. Hierzu existiert keine gesetzliche Vorgabe, üblicherweise wird dies jedoch nach einem Zeitraum von zwei Jahren angenommen, je nach Schwere des Verstoßes aber unter Umständen auch abweichend.

Ist in diesem Zeitraum nichts weiter vorgefallen, kann der Mitarbeiter die Entfernung der Abmahnung aus der Akte von seinem Arbeitgeber verlangen.

Ist die Abmahnung nicht gerechtfertigt, kann der Arbeitnehmer die Entfernung der Abmahnung aus seiner Personalakte sofort einfordern. Im schlimmsten Fall tut er dies mit Hilfe eines Anwalts vor Gericht, wenn der Arbeitgeber kein Einsehen zeigt. Bei diesem Schritt sollte er sich seiner Unschuld allerdings nachweislich sicher und außerdem darüber im Klaren sein, dass ein Prozess aller Voraussicht nach das Ende des Arbeits- und Vertrauensverhältnisses bedeutet, unabhängig vom Ausgang. Eine gute und in dieser Hinsicht ungefährlichere Alternative ist die Formulierung einer Gegendarstellung. Der Arbeitnehmer sollte hierbei auf seine Wortwahl achten, um keinen weiteren Streit zu provozieren. Ein Anwalt für Arbeitsrecht kann bei der Formulierung einer guten Gegendarstellung behilflich sein. Diese Beratung ist in der Rechtsschutzversicherung enthalten. Übergeben werden sollte sie aber lieber durch den Mitarbeiter persönlich.


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