19.10.2020

Flexirente – So funktionieren Rente und Minijob

Am 01. Juli 2017 trat das Flexirentengesetz und damit die Flexirente deutschlandweit in Kraft. Sie soll Arbeitnehmern mehr Entscheidungsfreiheit beim Renteneintritt bringen. Doch welche Regelungen beinhaltet das Gesetz im Detail? Welche Optionen haben Früh- sowie Altersrentner und wie lassen sich mit der Flexirente Steuern sparen? Dieser Artikel fasst alles Wissenswerte zusammen.

Was ist die Flexirente?

Die Flexirente ermöglicht älteren Beschäftigten auf Grundlage des Flexirentengesetzes einen flexibleren Übergang in die Rente. Sie sorgt dafür, dass sich Rente und Arbeit besser miteinander verbinden lassen. Wer bisher vorzeitig in Altersrente ging, musste hohe Abschläge in Kauf nehmen. Seit der Flexirente lassen sich Rente und Hinzuverdienst flexibel miteinander kombinieren. Auch die bisher gültige Hinzuverdienstgrenze entfällt bei der Flexirente. Das bedeutet: Arbeitnehmer können frei entscheiden, ob sie frühzeitig in Rente gehen und etwas hinzuverdienen oder ob sie ihre Rente durch freiwillige Einzahlungen in die Rentenkasse aufbessern möchten.

Optionen der Flexirente: Das ist neu

Die Flexirente bietet Interessierten folgende Optionen:

Die Zahlung freiwilliger Beiträge

Wer vor der Regelaltersgrenze seine Rente in Anspruch nehmen möchte, muss mit Rentenabschlägen rechnen. Jeder Monat vorgezogene Rente wird mit einem Abschlag von 0,3 Prozent berechnet. Zum Ausgleich dieses Abschlags bietet die Flexirente die Möglichkeit, ab dem 50. Lebensjahr freiwillige Sonderzahlungen in die Rentenkasse zu leisten. Die notwendige Höhe der Sonderzahlungen kann bei der zuständigen Rentenkasse erfragt werden.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer möchte zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen. Seine Rente beträgt 1.000 Euro brutto. Demnach würde sich die monatliche Rente um 7,2 Prozent verringern. Durch die Zahlung freiwilliger Rentenbeträge i.H.v. 17.000 Euro können diese Abschläge kompensiert werden.

Arbeiten im Rentenalter

Wer nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiterarbeiten möchte, kann einen Rentenantrag stellen und zusätzlich arbeiten. Dabei kann frei entschieden werden, ob trotz Rente weiterhin in die Rentenkasse eingezahlt werden soll oder nicht.

Alternativ kann auf den Rentenantrag verzichtet werden. Auf diese Weise erhöht sich die spätere Rentenzahlung um 0,5 Prozent für jeden Monat, um welchen der Rentenantrag später gestellt wird. Wer seine Rente beispielsweise zwei Jahre nach der Regelaltersgrenze beantragt, erhält einen Rentenaufschlag von 12 Prozent.

Hinzuverdienst zur Frührente

Arbeitnehmer, die mindestens 35 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben, dürfen mit 63 Jahren in Rente gehen. Damit ist allerdings ein Abzug von bis zu 14,4 Prozent verbunden, den für jeden Monat, den der Arbeitnehmer vorzeitig in Rente geht, werden ihm 0,3 Prozent von der Rente abgezogen. Ein solcher Abschlag bleibt dauerhaft bestehen.

Der abschlagsfreie Eintritt in die Frührente ist ab 45 Beitragsjahren möglich, ansonsten wird für jeden Monat Frührente ein Rentenabschlag von 0,3 Prozent vorgenommen. Hinzuverdienste sind möglich, mit der Flexirente wurde die Hinzuverdienstgrenze auf einen jährlichen Verdienst von 6.300 Euro erhöht. Die volle Rente bleibt bis zu diesem Freibetrag abzugsfrei, darüber liegende Gehälter werden zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet.

Sonderfall: Bezieher eines vorgezogenen Altersruhegeldes können 2020 bis zu 44.590 Euro hinzuverdienen, ohne dass Rentenabschläge erhoben werden. Dies wurde von der Bundesregierung im Rahmen der Coronakrise beschlossen.

Steuern sparen durch Teilrente

Die Flexirente ist für viele Arbeitnehmer aus steuerlicher Sicht interessant. Wer frühzeitig eine 10-Prozent-Teilrente beantragt, verlegt den Renteneintritt als Flexirentner nach vorn. Wer also im Jahr 2019 bereits eine Teilrente bezieht, muss diese zu lediglich 78 Prozent versteuern. Bei einem späteren Renteneintritt ist ein deutlich höherer Rentenanteil zu versteuern.

Auf diese Weise kann ein 61-jähriger Rentner 10 Prozent seiner Rente beziehen und weiterarbeiten – unter Umständen auch mit einer verkürzten Arbeitszeit. Vorteil: Rentenabschläge gelten nur für die bereits bezogene Minirente, nicht jedoch auf die 90 Prozent der noch nicht bezogenen Rente. Des Weiteren erhöhen die zusätzlich gezahlten Rentenbeiträge die spätere Vollrente.

Rente und Minijob: Lohnt sich die Flexirente immer?

Nein, höhere Hinzuverdienste wirken sich auf die vorgezogene Rente bzw. Teilrente nicht immer positiv aus.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer (Regelaltersgrenze: 65 Jahre und 8 Monate) bezieht ab dem 63. Lebensjahr eine vorgezogene Netto-Jahres-Rente i.H.v. 11.560 Euro (Brutto: 13.018 Euro). Bei Antritt eines 450-Euro-Minijobs erhält der Arbeitnehmer pro Jahr steuer- und sozialabgabenfrei 5.400 Euro. Sein gesamtes Jahreseinkommen beträgt also 16.690 Euro.

Als Flexirentner und bei einem jährlichen Verdienst von mehr als 15.000 Euro liegt der Arbeitnehmer über dem Freibetrag von 6.300 Euro. Das Gehalt abzgl. Freibetrag beläuft sich auf 8.700 Euro, wovon 40 Prozent (3.480 Euro) auf die Rente angerechnet werden. Die Rente i.H.v. 13.018 Euro wird also auf 9.538 Euro gekürzt und ergibt zusammen mit dem Gehalt von 15.000 Euro ein jährliches Gesamtbrutto von 24.538 Euro. Nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben bleibt ein Jahresnettoeinkommen von 18.450 Euro – und damit nur geringfügig mehr als bei einem Minijob.

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Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.