02.06.2022

Überstehende Ladung: Was darf ich wie mit dem Auto transportieren?

Beim Möbelkauf, Umzug oder auch im Urlaub: Manchmal muss man im Auto sehr große Dinge transportieren. Gerade als Privatperson kommt da schnell die Frage auf: Was ist beim Auto-Transport erlaubt? Darf die Heckklappe bei der großen Waschmaschine offen bleiben? Wie weit darf ein Gegenstand aus dem Auto herausragen? Was muss man beachten, wenn Freunde beim Umzug helfen und das Auto fahren? Welche Regelungen der Gesetzgeber für den Auto-Transport trifft und welche Gesetze bei überstehender Ladung beachtet werden müssen, klärt dieser Artikel.

Gesetze & Regelungen: Welche Gegenstände dürfen mit dem Auto transportiert werden?

Die grundlegenden Regelungen für den Transport von Gegenständen im Auto finden sich in § 22 Abs. 1 der Straßenverkehrsordnung (kurz: StVO). Darin heißt es:

„Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können.“

Konkrete Sachgegenstände, die für den Auto-Transport zulässig sind, benennt die StVO nicht. Daraus folgt: Es darf nahezu jede Art von Ladung transportiert werden, sofern diese nach den Regeln der StVO gesichert wird. Für einige Stoffe gilt jedoch eine Mengenbegrenzung:

  • Farben, Lacke und Säuren: 333 Liter
  • Gasflaschen und Spraydosen: 333 Liter
  • Spraydosen mit giftigem Inhalt: 20 Kilogramm
  • Benzin und Diesel: 20 Liter
  • Feuerwerkskörper: 1 Kilogramm Explosivmasse
     

Sonderfall Tiertransportverordnung

Tiere gelten streng genommen als Ladung, welche StVO-konform zu sichern ist. Andernfalls droht ein Bußgeld in Höhe von 35 Euro. Wer also beispielsweise seinen Hund im Auto transportieren möchte, muss diesen per Gesetz ordnungsgemäß gegen ein „Verrutschen“ und „Umfallen“ sichern. Am besten gelingt das mithilfe einer Transportbox.

Wissenswert: Für einen Transport von Tieren mit wirtschaftlichem Nutzen über eine Strecke von mehr als 65 Kilometern ist ein Befähigungsnachweis – der sogenannte Tiertransportschein – erforderlich.


Auto richtig beladen: Welche Abmessungen sind erlaubt?

Detaillierte Regelungen trifft der Gesetzgeber hinsichtlich der zulässigen Abmessungen der Fracht. So darf ein beladenes Fahrzeug nicht breiter als 2,55 m und nicht höher als 4 m sein. Bei überstehender Ladung gilt: Sofern die Fahrzeughöhe unter 2,5 m liegt, dürfen keine Ladungsteile nach vorn hinausragen. Bei einer Fahrzeughöhe von mehr als 2,5 m ist ein Ladungsüberstand von bis zu 0,5 m zulässig. Nach hinten überstehende Ladung im PKW darf bis zu 1,5 m herausragen. Liegt die Fahrstrecke unter 100 km, ist ein Ladungsüberstand von bis zu 3 m gestattet.

Ab wann muss man überstehende Ladung kennzeichnen?

Steht die Ladung hinten mehr als 1 m über, muss sie tagsüber am hintersten Ende mit einer mindestens 30 x 30 cm großen roten Fahne oder einem ebenso großen Schild gekennzeichnet werden. Bei Dunkelheit ist zwingend eine rote Leuchte mit Rückstrahler erforderlich.

Auch wenn die Fracht seitlich mehr als 40 cm über die Fahrzeugbeleuchtung herausragt, ist eine entsprechende Kennzeichnung vorgeschrieben. Dabei dürfen Fahne, Sicherheitsschild oder Leuchte grundsätzlich nicht höher als 1,5 m über der Fahrbahn angebracht sein.

Alle Jahre wieder: Tipps für den Weihnachtsbaum-Transport

Alljährlich stellt sich im Winter für viele die Frage: Wie wird der Weihnachtsbaum sicher mit dem Auto nach Hause transportiert? Für den Auto-Transport des Weihnachtsbaumes gelten die gleichen Richtlinien wie für andere Ladung: Der Baum muss korrekt gesichert und bei Überstand markiert werden, sonst droht ein Bußgeld. 

Unsere Tipps für den sicheren Transport des Weihnachtsbaums:

  • Der Baum sollte mit der Schnittkante des Stamms (dem unteren Ende) nach vorn positioniert werden
  • Wird der Baum im Innenraum transportiert, mindert ein Holzbrett zwischen Stamm und Rückenlehne die Verletzungsgefahr
  • Ist der Baum zu groß und wird auf die Reling geschnallt, sollte man drei Gurte benutzen: einer vorn, einer in der Mitte, einer hinten

    Transport mit dem Anhänger

    Reicht der Platz im Auto nicht mehr aus, stellt der Transport mit Anhänger eine Alternative dar. Wer einen PKW-Führerschein der Klasse B besitzt, darf einen:

    • Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse von maximal 750 kg
    • Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse über 750 kg, wenn die zulässige Gesamtmasse des Gespanns maximal 3.500 kg beträgt,


    ziehen. Mit der Erweiterung der B-Führerscheinklasse mit der Schlüsselzahl 96 erhöht sich die zulässige Gesamtmasse des Gespanns auf 4.250 kg. Die entsprechenden Kenntnisse können im Rahmen eines 7-stündigen Seminars in einer Fahrschule erworben werden.

    Bei einem Transport mit Anhänger ist hinsichtlich der Ladungssicherung folgendes zu beachten:

    • Die Zuladekapazität des Anhängers ist einzuhalten.
    • Schwere Ladung ist im Bereich der Achse(n) zu platzieren.
    • Die Fracht ist so zu sichern, dass sie bei schnellen Richtungswechseln und Vollbremsungen nicht verrutscht.
    • Überstehende Ladung muss gekennzeichnet werden, sofern sie mehr als 1,0 m über den Rückstrahler hinausragt.
    • Die Gesamtlänge des Gespanns darf 20,75 m nicht überschreiten.

     

    Checkliste & Tipps:
    So dürfen große Gegenstände transportiert werden

    1. Maximale Zuladung beachten

    Vor dem Auto-Transport von großen Gegenständen sind zunächst das zulässige Gesamtgewicht, die mögliche Zuladung sowie Dach- und Anhängelasten zu beachten. Entsprechende Informationen finden sich im Fahrzeugschein.

    2. Abmessungen beachten

    Bei überstehender Ladung dürfen die maximale Breite (2,55 m) und die maximale Höhe (4 m) nicht überschritten werden. Darüber hinaus darf die Ladung nach vorne nicht (bei Fahrzeugen mit einer Höhe von < 2,5 m) oder lediglich bis zu 50 cm (bei Fahrzeugen mit einer Höhe > 2,5 m) herausragen.

    3. Ladung sichern und kennzeichnen

    Grundsätzlich ist jede Ladung gemäß der Straßenverkehrsordnung gegen Verrutschen, Umfallen sowie Hin- und Herrollen zu sichern. Bei überstehender Ladung sorgen Spann- und Zurrgurte für eine ordnungsgemäße Ladungssicherung. Ab einem Überstand von 1 Meter muss die Ladung mit einem roten Schild oder einem roten Licht gekennzeichnet werden.

    Sperrgut transportieren: Was gilt bei Verstößen?

    Nicht selten kommt es vor, dass (überstehende) Ladung nicht oder nur unzureichend gesichert wird. Hierfür sieht das Gesetz folgende Sanktionen vor:

    Verstoß

    Bußgeld

    Punkte

    Überladung über 15 Prozent

    35 Euro

     

    Überladung über 20 Prozent

    95 Euro

    1

    Überladung über 25 Prozent

    140 Euro

    1

    Zulässige Höhe/Breite der Ladung überschritten

    20 Euro

     

    Ladung wurde nicht ausreichend gesichert

    25 Euro

     

    Ladung wurde nicht verkehrssicher gepackt

    35 Euro

     

    … mit Gefährdung

    60 Euro

    1

    … mit Unfall

    75 Euro

    1


    Beschädigung Dritter durch mangelhafte Ladungssicherung: Zahlt die Versicherung?

    Wenn es beim Umzug oder Möbeltransport kracht, übernimmt eine Kfz-Haftpflichtversicherung zwar die Kosten für den Schaden am Auto des anderen Verkehrsteilnehmers. Dies gilt jedoch nur, wenn die Fracht ordnungsgemäß gesichert und gekennzeichnet war. Hat der Autofahrer oder die Autofahrerin jedoch nachweislich gegen die Vorschriften zur Ladungssicherung verstoßen und hatte dieser Verstoß die Beschädigung Dritter zur Folge, kann die Versicherung die Zahlung (teilweise oder ganz) verweigern.

    Unser Tipp: Eine zuverlässige Verkehrsrechtsschutzversicherung steht Betroffenen im Falle eines Rechtsstreits beratend zur Seite und übernimmt im versicherten Leistungsfall Anwalts- und Gerichtskosten sowie eventuell anfallende Kosten für einen Sachverständigen.

    Rechtsschutz-Tipp für den Verkehr

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    Der eingestellte Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei ALEGOS Rechtsanwälte juristisch überprüft.