23.11.2020

Adoption im Ausland – Was sind die Voraussetzungen?

Jede siebte Partnerschaft in Deutschland bleibt ungewollt kinderlos. Eine Adoption aus dem Ausland ist für viele Paare eine Alternative zur Inlandsadoption – und das aus verschiedensten Gründen. Doch welche Voraussetzungen müssen zukünftige Adoptiveltern bei einer Auslandsadoption erfüllen? Wie läuft sie ab und wie hoch sind die Kosten? Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen zur Adoption im Ausland.

Diese Gründe sprechen für eine Auslandsadoption

Verschiedene Aspekte kommen bei einer Auslandsadoption zum Tragen. Zum einen dauert eine Inlandsadoption häufig deutlich länger als die Adoption eines Kindes aus dem Ausland, zum anderen sehen viele Paare die Chance, einem in seinem Heimatland benachteiligten Kind eine gute Zukunft zu sichern.

Voraussetzungen für eine Adoption im Ausland

Wer ein Kind im Ausland adoptieren möchte, muss unbeschränkt geschäftsfähig und mindestens 25 Jahre alt sein. Bei einer gemeinschaftlichen Adoption durch ein Ehepaar muss einer der Ehegatten mindestens 25 Jahre alt, der andere mindestens 21 Jahre alt sein. Eine Obergrenze für die Adoption kennt das Gesetz nicht, dennoch sinken die Chancen ein Kind zu adoptieren mit steigendem Alter.

Grundsätzlich gilt: Eheleute können ein Kind nur gemeinschaftlich adoptieren. Im Rahmen einer Stiefkindadoption kann ein Ehepartner das Kind des anderen Ehegatten jedoch auch allein annehmen. Nicht zulässig hingegen ist die sogenannte Sukzessivadoption, bei welcher ein Kind zunächst von einem Ehepartner und später vom anderen Ehegatten adoptiert wird.

Wie verläuft eine Auslandsadoption und wie lange dauert sie?

Das Verfahren bei einer Auslandsadoption ist – je nach Vermittlungsstelle und Herkunftsland des Kindes – unterschiedlich und dauert in der Regel 1,5 bis 2 Jahre.

Üblicherweise melden sich die zukünftigen Adoptiveltern zunächst bei einer anerkannten Auslandsvermittlungsstelle oder bei einer zentralen Adoptionsstelle des Landesjugendamtes. Anschließend werden die Bewerber auf ihre Eignung überprüft. Die Eignungsprüfung umfasst folgende Punkte:

Die Persönlichkeit

Überprüft werden die Motivation zur Adoption sowie die Fähigkeit, sich auf ein fremdes Kind einzulassen. Auch die Bereitschaft zur Aufklärung des Kindes über seine Abstammung sowie zum offenen Umgang mit der Vorgeschichte sind Gegenstand der Eignungsprüfung.

Die partnerschaftliche Stabilität

Die Eignungsprüfung beinhaltet eine Überprüfung der partnerschaftlichen Stabilität hinsichtlich der gemeinsamen Grundlage der Eltern sowie dem konstruktiven Umgang mit Konflikten.

Die Gesundheit

Die zukünftigen Adoptiveltern müssen gesund sein und dürfen keine psychischen oder psychosomatischen Einschränkungen aufweisen. Auch Erkrankungen, die es den Eltern erheblich erschweren, sich um das Kind zu kümmern, sind ein Ausschlusskriterium.

Wohnsituation und wirtschaftliche Verhältnisse

Der verfügbare Wohnraum der Adoptiveltern muss ausreichend groß sein, um dem Kind Rückzugsmöglichkeiten zu bieten. Zudem sollte im Wohnumfeld der Kontakt mit anderen Kindern gegeben sein.

Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse der Adoptiveltern sind Gegenstand der Eignungsprüfung. Sie müssen den Nachweis erbringen, dass ihr Adoptivkind in einer wirtschaftlich stabilen Situation aufwachsen kann.

Hält die Adoptionsvermittlungsstelle die Bewerber für geeignet, verfasst sie einen Bericht, welcher als Eignungsbericht oder „Home Study Report“ bezeichnet wird. Dieser Bericht wird an die Zentrale Adoptionsstelle (kurz: ZAS) geschickt. Anschließend erhalten die zukünftigen Adoptiveltern eine Einladung zu einem Gespräch sowie einem Vorbereitungsseminar. Zu guter Letzt werden alle Dokumente an die zuständige Stelle des Landes, aus welchem ein Kind adoptiert werden soll, versendet.

Nun schlagen die zuständigen Behörden des Herkunftslandes ein Kind mit Adoptionsbedarf vor, das von der Vermittlungsstelle in Deutschland überprüft wird. Im Anschluss reisen die zukünftigen Adoptiveltern in das Herkunftsland des Kindes, um es kennenzulernen und die Adoption auszusprechen. Zurück in Deutschland muss die Adoption von einem zuständigen Gericht offiziell anerkannt werden.

Adoption Ausland: Diese Unterlagen sind erforderlich

Für die erforderliche Eignungsprüfung durch das Jugendamt müssen Bewerber folgende Unterlagen einreichen:

  • Heirats- bzw. Scheidungsurkunde
  • Geburtsurkunden bzw. Familienbuch
  • Reisepasskopien
  • Einkommens- und Vermögensnachweise
  • polizeiliches Führungszeugnis
  • Gesundheitszeugnis oder ein ärztliches Attest vom Hausarzt
  • Beglaubigungen und Überbeglaubigungen der Dokumente von Ärztekammer, Notariat, Landgericht und Regierungspräsidium

 

Wie viel kostet eine Adoption im Ausland?

Bei einer Auslandsadoption fallen Gebühren an. Diese setzen sich aus:

  • den Gebühren für die Überprüfung durch das Jugendamt (1.200 Euro)
  • den Gebühren für die Vermittlung durch eine zentrale Adoptionsstelle (800 Euro)

 

zusammen. Hinzu kommen die fälligen Gebühren im Herkunftsland, etwaige Übersetzerkosten sowie die Reise- und Dokumentenkosten.

Erfolgt die Auslandsadoption durch eine anerkannte Auslandsvermittlungsstelle, richtet sich die Höhe der Kosten nach dem zwischen dem freien Träger und dem Adoptionsbewerberpaar geschlossenen Vermittlungsvertrag. Grundsätzlich sind diese Zusatzkosten nicht zu unterschätzen und können sich schlussendlich auf mehrere tausend Euro belaufen.


Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.