18.05.2020

Krankmeldung beim Arbeitgeber – So geht's richtig

Fast jeder kennt diese Situation: Schnupfen, Fieber, Heiserkeit – man ist krank und ans Arbeiten ist nicht zu denken. Der erste Weg führt meist zum Arzt, der eine entsprechende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellt. Doch ab wann ist diese eigentlich erforderlich? Auf welchem Wege muss die Krankmeldung übermittelt werden und welche Besonderheiten sind bei einer Erkrankung im Ausland zu beachten?

Krankmeldung beim Arbeitgeber: Die gesetzlichen Grundlagen

Im Rahmen ihres Arbeitsvertrages verpflichten sich Arbeitnehmer, ihrer Anzeige- und Nachweispflicht i.S.d. Entgeldfortzahlungsgesetzes (kurz: EFZG) nachzukommen.

Die Anzeigepflicht

Gemäß § 5 Abs. 1 EFZG hat der Arbeitnehmer eine vorliegende Erkrankung unverzüglich beim Arbeitgeber oder einer vom Arbeitgeber bestimmten Stelle – beispielsweise der Personalabteilung – zu melden und sein Fehlen sowie seine Fehlzeit anzugeben. Die Meldung darf nur dann unterlassen werden, wenn der Arbeitnehmer sicher davon ausgehen kann, dass der Arbeitgeber bereits auf einem anderen Weg informiert wurde. Achtung: Die Anzeigepflicht besteht gem. § 3 Abs. 3 EFZG auch innerhalb der Wartezeit, nach Ablauf von 6 Krankheitswochen sowie in allen Fällen einer Fortsetzungserkrankung.

Die Nachweispflicht

Gemäß § 5 Abs. 1 S. 2 EFZ hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über seine Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer vorzulegen. Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der Bescheinigung zu verlangen (§ 5 Abs. 1 S. 3 EFZG). Die Nachweispflicht besteht bei jeder krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit – unabhängig davon, ob der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung i.S.d. § 3 EFZG hat.

Ab wann braucht man eine Krankmeldung bzw. ein Attest?

Die Anzeigepflicht ist vom Arbeitnehmer gem. § 5 Abs. 1 EFZG „unverzüglich“ zu erfüllen. Das bedeutet: Die Krankmeldung muss erfolgen, sobald der Arbeitnehmer seine Arbeitsunfähigkeit bemerkt.

Eine Nachweispflicht hingegen besteht erst, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als 3 Kalendertage dauert. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber spätestens am vierten Tag der Arbeitsunfähigkeit ein ärztliches Attest (den sog. „gelben Schein“) vorzulegen. Dabei obliegt es dem Arbeitgeber, sich auf diese Frist zu berufen oder bereits früher eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einzufordern. Ein entsprechendes Urteil hat das Bundesarbeitsgericht im Jahr 2012 gefällt (Az.: 5 AZR 886/11).

Telefonat, E-Mail oder WhatsApp: Wie meldet man sich am besten krank?

Eine gesetzliche Vorgabe, wie eine Krankmeldung auszusehen hat, existiert in Deutschland nicht. Arbeitnehmer müssen jedoch interne Vorgaben berücksichtigen. Hat der Chef beispielsweise entschieden, dass sich Angestellte nur telefonisch krankmelden dürfen, haben sich diese daran zu halten. Ist die Form der Krankmeldung jedoch nicht eindeutig festgelegt, dürfen sich Arbeitnehmer auch per E-Mail, SMS oder WhatsApp krankmelden. Tipp: E-Mails und andere Textnachrichten können im Berufsalltag aus verschiedenen Gründen häufig nicht sofort gelesen werden. Um eine Abmahnung wegen verspäteter Krankmeldung zu vermeiden, sollte diese grundsätzlich per Telefon am besten zeugenbeweislich erfolgen.

Sonderfall: Krankmeldung im Ausland

Wer im Ausland erkrankt, den treffen besonders umfassende Anzeige- und Nachweispflichten. So müssen Arbeitnehmer ihre Arbeitsunfähigkeit, deren voraussichtliche Dauer sowie die Adresse am Aufenthaltsort gem. § 5 Abs. 2 S. 1 EFZG zwingend in der „schnellstmöglichen Übermittlungsart“ mitteilen. Zudem sind Arbeitnehmer dazu verpflichtet, ihre gesetzliche Krankenkasse darüber in Kenntnis zu setzen, dass sie erkrankt sind und wie lange der örtliche Arzt die Genesungszeit bemisst. Die am Urlaubsort ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung muss dem Arbeitgeber nach der Rückkehr des Arbeitnehmers unverzüglich übermittelt werden.

Tipp: Bei Erkrankungen innerhalb der Europäischen Union steht Arbeitnehmern ein vereinfachtes Verfahren zur Verfügung. So kann die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einem Arzt der ausländischen Krankenkasse vor Ort vorgelegt werden, welcher diese anschließend an den Arbeitgeber weiterleitet.

Kündigung im Krankheitsfall ist möglich

Fristgerechte Kündigungen im Krankheitsfall sind grundsätzlich möglich – sogar in den ersten Arbeitsmonaten und in der Probezeit. Außerordentliche Kündigungen sind gem. § 626 BGB nur bei der Vorlage eines wichtigen Grundes möglich. Einschlägige Kündigungsgründe sind beispielsweise versäumte Krankmeldungen oder ein falsches Verhalten während der Krankheit. Wer seine Krankheit nur vortäuscht und gleichzeitig einer Nebentätigkeit nachgeht oder während der vorgetäuschten Arbeitsunfähigkeit im Partyurlaub erwischt wird, muss sogar mit einer außerordentlichen, fristlosen Kündigung rechnen.

So geht es richtig: Beispiel-Krankmeldungen

Telefonische Krankmeldung

„Guten Morgen, hier spricht XXX. Mir geht es heute nicht so gut, ich bleibe einen Tag/zwei Tage zuhause und kuriere mich aus. Ich gehe davon aus, dass ich morgen/übermorgen wieder zur Arbeit erscheine. Sollte sich etwas anderes ergeben, werde ich mich unverzüglich melden.“

Schriftliche Krankmeldung per Fax, E-Mail oder SMS

„Sehr geehrter Herr XX/Sehr geehrte Frau XX, hiermit melde ich mich krank. Ich werde unverzüglich einen Arzt aufsuchen und Sie über meine mögliche Arbeitsunfähigkeit informieren. Sollte eine Krankschreibung erfolgen, lasse ich Ihnen die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zeitnah zukommen. Mit freundlichen Grüßen XXX.“

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Dieser Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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