30.06.2022

Rente für Selbstständige: Was muss beachtet werden?

Geschäftsgründung, Kundengewinnung und Auftragsakquise: Wer sich selbstständig macht, hat häufig andere Dinge im Kopf als die eigene Altersvorsorge. Doch eine frühzeitige Planung bewährt sich im hohen Alter als lohnende Investition. Was Selbstständige in Sachen Altersvorsorge, gesetzlicher Rente und privater Rentenversicherung wissen müssen, erläutert dieser Artikel.

Gibt es eine Pflichtversicherung für Selbstständige?

In der gesetzlichen Rentenversicherung sind nur Angestellte pflichtversichert, so die gängige Meinung. Tatsächlich aber sind auch einige Selbstständige pflichtversichert. Zu den pflichtversicherten Selbstständigen zählen:

  • Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte
  • selbstständige Coaches und moderierende Personen
  • Pflegekräfte und Therapierende
  • Hebammen und Entbindungspflegende
  • Schiffsführende im Küstenbereich
  • Kunstschaffende und Publizierende
  • handwerkliches Fachpersonal, sofern deren Gewebe zulassungspflichtig ist

 

Darüber hinaus existieren in einigen Branchen sogenannte berufsständische Versorgungswerke. Häufig ist eine Versicherung in diesen Versorgungswerken ebenfalls verpflichtend, beispielsweise für:

  • die Ärzteschaft
  • approbierte pharmazeutische Fachkräfte
  • notariell arbeitende Personen
  • architekturschaffende Personen
  • Angehörige der wirtschaftsprüfenden Berufe

 

Wichtig: Wer mehrere selbstständige Tätigkeiten ausübt, kann mehrfach pflichtversichert sein. Dann muss für jede versicherungspflichtige Tätigkeit in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt werden – allerdings nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze.

Freiwillig in die Rente einzahlen: Die Vor- und Nachteile im Überblick

Selbstständige, die nicht pflichtversichert sind, können freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Das gilt für alle Selbstständigen, die mindestens 16 Jahre alt sind sowie deutsche Staatsangehörige, die im Ausland wohnen. Die Höhe der freiwilligen Beiträge können Versicherte selbst bestimmen. Der Mindestbetrag beträgt aktuell 83,70 Euro im Monat, der Maximalbetrag liegt bei 1.320,60 Euro.

Neben der flexiblen Beitragsgestaltung bietet die freiwillige Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung weitere Vorteile. Wer während einer Ausbildung oder der Kindererziehung bereits Rentenansprüche erworben hat, erhält diese mit fünf freiwilligen Beitragsjahren in der gesetzlichen Rentenversicherung am Leben. Darüber hinaus gehen diese Ansprüche nach fünf Jahren im Todesfall auf die Hinterbliebenen über (Hinterbliebenenrente).

Vorteile der freiwilligen Einzahlung

Nachteile der freiwilligen Einzahlung

Flexible Beitragsgestaltung

Geringer Anstieg des Rentenniveaus

Hinterbliebenenrente

Keine Einmalauszahlung

Erwerbsminderungsrente

Rentenzahlungen müssen versteuert werden

Garantierte Rentenzahlung bei geringem Risiko

 

Wie viel sollte man als Selbstständiger in die Altersvorsorge investieren?

Die Antwort hängt vom Einzelfall ab – vor allem von der persönlichen Lebenssituation. Eine gängige Faustformel besagt, dass mindestens 15 bis 20 Prozent des monatlichen Nettogehalts für die private Altersvorsorge verwendet werden sollten. Dabei gilt: Je mehr im Laufe des Lebens eingezahlt wird, desto höher fällt im Alter die Rente aus.

Pflichtversicherte Selbstständige haben nur wenig Entscheidungsspielraum. Sie zahlen entweder einen einkommensabhängigen Betrag oder den Regelsatz. Bei einer freiwilligen Einzahlung in die Rentenkasse liegt der Maximalbetrag bei derzeit 1.320,60 Euro pro Monat.

Wer sich für eine Basisrente entscheidet, kann Stand 2022 maximal 25.639 Euro (Unverheiratete) bzw. 51.278 Euro (Verheiratete) einzahlen.

Steuern und Altersrente: Können Selbstständige die Rentenversicherung von der Steuer absetzen?

Selbstständige profitieren während der Ansparphase von Steuererleichterungen. So können Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung als Vorsorgeaufwand in der Steuererklärung eingetragen werden. Im Jahr 2022 liegt der absetzbare Anteil bei 94 Prozent, Alleinstehende können also maximal 24.101 Euro als Sonderausgaben geltend machen. Bei Verheirateten und eingetragenen Lebenspartnern verdoppelt sich der Betrag auf 48.202 Euro.

Bei der Basis ergeben sich die Steuervorteile auf Grundlage der Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung der Knappschaft. Diese wird mit dem zugehörigen Beitragssatz multipliziert. Für das Jahr 2022 gilt: 8.650 Euro x 12 Monate x 24,7 Prozent = 25.638,60 Euro. Von diesem Betrag sind im Jahr 2022 94 Prozent – also 24.100 Euro – steuerlich absetzbar.

Bei einer privaten Rentenversicherung können während der Ansparphase keine Steuervorteile geltend gemacht werden. Allerdings wird die Rente in der Auszahlungsphase deutlich geringer versteuert als die gesetzliche Rente.

Rente für Selbstständige: Diese Alternativen zur gesetzlichen Rentenversicherung gibt es

Neben der gesetzlichen Rentenversicherung haben selbstständig Tätige auch andere Möglichkeiten, für das Alter vorzusorgen. Die Vorteile und Nachteile der jeweiligen Rentenmodelle im Überblick:

Die Basisrente

Bei der Basisrente (auch als Rürup-Rente bezeichnet) handelt es sich um eine Form der privaten Altersvorsorge. Selbstständige schließen mit einem Versicherer einen Vorsorgevertrag ab und erhalten im Alter lebenslang eine monatliche Rente. Dabei existieren zwei unterschiedliche Vertragsvarianten.

  1. Bei der klassischen Basisrente wird die Höhe der Rentenzahlung bereits bei Vertragsabschluss festgelegt. Eine Erhöhung ist nur noch in Form einer Überschussbeteiligung möglich. Nachteil: Im Todesfall des Versicherungsnehmers wird keine Leistung an die Hinterbliebenen ausbezahlt – es sei denn, im Vertrag wurde eine Hinterbliebenenrente vereinbart.
  2. Bei der fondsgebundenen Basisrente wird ab Rentenbeginn der Wert des bis dahin angesparten Kapitals ermittelt. Dieses Kapital wird in Investment- oder Aktienfonds investiert. Auf Grundlage eines speziellen Rentenfaktors – der der versicherten Person bereits zu Vertragsbeginn zugesichert wird – ergibt sich die Leibrente pro 10.000 Euro Vorsorgekapital.

Vorteile der Basisrente

Nachteile der Basisrente

Flexible Gestaltung des Vertrages (je nach Risikobereitschaft)

Keine Einmalauszahlung

Garantierte Auszahlung

i.d.R. keine Hinterbliebenenrente

Einige Beiträge sind steuerlich absetzbar

Steuervorteile nur für Besserverdienende interessant

Die private Altersvorsorge

Selbstständige können auch privat für das Alter vorsorgen, beispielsweise in Form einer privaten Rentenversicherung. Diese ähnelt in Bezug auf Flexibilität, Rendite und Kosten häufig einer klassischen Lebensversicherung. Der Vorteil: Zahlreiche Versicherungen, welche dem Zweck der Altersabsicherung dienen, werden steuerlich gefördert. Darüber hinaus können einzelne Vertragsbestandteile bei vielen Versicherungsanbietern individuell vereinbart werden, so dass die Rentenversicherung optimal zu den persönlichen Lebensumständen passt.

Vorteile einer privaten Rentenversicherung

Nachteile einer privaten Rentenversicherung

Flexible Gestaltung

u.U. hohes Risiko

Einmalzahlung möglich

Rentenzahlung hängt von der Wirtschaftslage ab

Steuervorteile

Verwaltungs- und Vertriebskosten sind anteilig zu zahlen


Der eingestellte Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei ALEGOS Rechtsanwälte juristisch überprüft.