19.02.2018

So handeln Arbeitgeber bei einem Arbeitsunfall

Als Arbeitgeber liegt es selbstverständlich in Ihrem Interesse, dass Ihre Mitarbeiter fit und arbeitsfähig sind und nicht krank oder gar verletzt. Deshalb – aber auch, weil Sie für Ihre Arbeitnehmer verantwortlich sind – tun Sie schon im Vorfeld alles, um Arbeitsunfällen vorzubeugen. Aber wenn es doch einmal passiert, ist es gut, zu wissen, was zu tun ist …

Was ein Unfall ist, wird eindeutig definiert: nämlich als „zeitlich begrenztes, von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis, das zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führt“ (§ 8 Abs 1 Satz 2 SGB VII). Wenn so ein Ereignis während der Arbeitstätigkeit passiert, handelt es sich um einen Arbeitsunfall. Der Gesetzgeber fasst die Definition sogar deutlich weiter: Auch Unfälle auf dem (direkten) Weg zur Arbeit oder von dort nach Hause gelten als Arbeitsunfall, ebenso Unfälle während des Betriebssports, eines offiziellen Betriebsausflugs oder einer Dienstreise. Doch es gibt auch Grenzfälle.

Arbeitsunfall oder nicht?

Knickt ein Arbeitnehmer mit dem Fuß um, wenn er unterwegs zum Mittagessen ist, zählt das als Arbeitsunfall, genauer gesagt als Wegeunfall. Jedoch nur, sofern dieser Weg nicht unterbrochen wurde, um andere, private Dinge wie zum Beispiel der Besuch einer Apotheke zu erledigen. Die gesetzliche Unfallversicherung greift übrigens auch beim Gang zur Toilette – nicht jedoch zur Raucherpause, denn das Rauchen gilt als Privatvergnügen. Aber auch, wenn direkt am Arbeitsplatz etwas geschieht, besteht nicht automatisch Versicherungsschutz: Ein Herzinfarkt am Schreibtisch zählt beispielsweise nicht als Unfall, denn hier gibt es keine Einwirkung von außen.

Wer zahlt bei Arbeitsunfällen?

Verantwortlich für die Sicherheit der Mitarbeiter sind selbstverständlich die Arbeitgeber. Deshalb müssen sie für ihre Arbeitnehmer Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung abführen – und zwar als Zwangsversicherung. Damit sind nicht nur sie selbst gegen Forderungen geschützt, sondern auch alle anderen Mitarbeiter, die eventuell einen Arbeitsunfall eines Kollegen verschulden könnten. Stattdessen zahlt im Fall der Fälle eben diese gesetzliche Unfallversicherung.

Träger der gesetzlichen Unfallversicherung sind übrigens die Berufsgenossenschaften. Es gibt derzeit neun gewerbliche Berufsgenossenschaften, die nach Wirtschaftszweigen wie Bauwirtschaft, Transport und Verkehrswirtschaft oder Nahrungsmittel und Gastgewerbe gegliedert sind. Daneben existieren noch landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften sowie andere Sozialversicherungsträger, etwa für den öffentlichen Dienst.

Doch damit die jeweilige Berufsgenossenschaft für einen Arbeitsunfall aufkommt, muss sie erst einmal informiert werden:

Nicht vergessen: Arbeitsunfall melden

Als Arbeitgeber sind Sie verpflichtet, dem Unfallversicherungsträger sofort mitzuteilen, was passiert ist (§ 193 SGB VII) – dies gilt, wenn der betroffene Mitarbeiter länger als drei Tage arbeitsunfähig ist. Die Meldung sollte innerhalb von drei Tagen erfolgen, bei schwerwiegenden Verletzungen oder dem Tod des Arbeitnehmers am besten umgehend.

Wie wird ein Arbeitsunfall korrekt gemeldet?

Wenn der Ablauf eines Unfalls geschildert wird, kommt es darauf an, exakt und wahrheitsgemäß zu formulieren. Die wichtigsten Angaben sind:

  • Wo und wann ist der Unfall passiert?
  • Wie hat sich der Unfall zugetragen?
  • Wer wurde verletzt?
  • Welche Verletzungen genau?
  • Wann wurde Erste Hilfe geleistet?
  • Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen wurden durchgeführt?
  • Wer war der Ersthelfer?
  • Welche Zeugen gab es?

Das Zauberwort heißt: Unfallprävention

Das beste Mittel gegen Arbeitsunfälle ist die Prävention. Dazu gehören alle organisatorischen Maßnahmen, die dem Gesundheitsschutz und der Sicherheit aller Beschäftigten dienen. Das Spektrum der Möglichkeiten ist breit und reicht von Schutzausrüstungen über ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze bis hin zu Sicherheitsunterweisungen.

Doch die Sicherheitsvorschriften sind je nach Branche und Arbeitsplatz sehr unterschiedlich: Natürlich gilt es, die jeweils relevanten staatlichen Bestimmungen zu befolgen, beispielsweise das Arbeitsschutzgesetz, die Gefahrstoffverordnung, das Gerätesicherheitsgesetz oder die Strahlenschutzverordnung.

Letztendlich ist der Arbeitgeber dafür zuständig, die Gefährdung seiner Beschäftigten zu beurteilen und entsprechende Schutzmaßnahmen anzuordnen. Bei größeren Unternehmen wird diese Aufgabe teilweise delegiert, zum Beispiel an Sicherheitsbeauftragte, Führungskräfte oder externe Dienstleister. Die Verantwortung bleibt jedoch beim Unternehmer. Viele sichern sich daher gern mit einer Arbeitgeber-Rechtsschutzversicherung ab.


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